Ab ins Bootcamp

Öfter mal was neues: Nachdem schon vor einiger Zeit die Einführung von Zwangsarbeit für Arbeitslose gefordert wurde, gehen die KameradInnenaus CSU und CDU mittlerweile noch einen Schritt weiter und fordern gar die Einführung von Bootcamps. Damit möchten zumindest ihre Generalsekretärin Christine Haderthauer und Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) die scheinbar außer Rand und Band geratenen Jugendlichen zur Räson bringen.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) betonte in der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“: „Für viele ist diese Einrichtung der letzte Ausweg aus einer kriminellen Karriere. Erziehungscamps sind für junge Straftäter eine große Chance, ein straffreies Leben zu führen.“ ( … )

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte am Mittwoch im ZDF-«Morgenmagazin», die «Kuschelpädagogik» der früheren rot-grünen Bundesregierung sei fehlgeschlagen. Die Grenze für die Abschiebung von straffälligen Ausländern müsse gesenkt werden. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) forderte erneut, kriminelle Jugendliche in den geschlossenen Vollzug zu nehmen.

(N24)

Zeter und Mordio also in der Union, während die empirische Realität ganz andere Worte spricht, wie wir beispielsweise in der FinancialTimesDeutschland nachlesen können:


Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2006 werden Jugendliche und heranwachsende Erwachsene unter 21 Jahren überdurchschnittlich oft tatverdächtig. Dies sei aber in allen westlichen Ländern schon seit mehr als 100 Jahren der Fall, heißt es im Periodischen Sicherheitsbericht des Bundeskriminalamts. Die absolute Zahl jugendlicher und heranwachsender Tatverdächtiger ging 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 beziehungsweise 2,3 Prozent zruück.

Kein Grund zur Aufregung also, was auch Christoph Frank, Vorsitzender des Deutschen Richterbundes, bestätigt:


„Die Diskussion gaukelt den Menschen Zusammenhänge vor, die es nicht gibt. Die Formel härtere Strafen gleich höhere Abschreckung gleich weniger Straftaten ist schlicht falsch.“ Die Politik erliege hier erneut der Versuchung, Fragen des Strafrechts für plakative Botschaften zu missbrauchen, kritisierte Frank in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das Thema sei aber viel zu ernst, um vor Wahlen immer wieder instrumentalisiert zu werden.

Die gesetzlichen Möglichkeiten für den Umgang mit straffälligen Jugendlichen seien absolut ausreichend, betonte Frank. Defizite gäbe es aber bei den kommunalen Erziehungsangeboten für Straftäter. „Jugendgerichte können die gesetzlichen Instrumente nicht vollständig nutzen, weil es in den Gemeinden oft an Personal und Maßnahmen fehlt, die sich um straffällige Jugendliche kümmern.“

Nicht bei den Kids scheint also das Problem zu liegen, sondern bei der Gesellschaft, deren schwindende Integrationskraft mit leeren Kassen einhergeht. Und vielleicht auch beim Wahlkampf und der Weihnachtsflaute in den Nachrichten. Trotz allem – oder gerade deshalb? – scheint das Thema auf große Begeisterung zu treffen. Der Hessische Rundfunkt etwa findet die Idee gar nicht so schlecht und in ein paar Jahren gibt es dann bestimmt neue Jobs für SozialpädagogInnen und ErzieherInnen. Oder für ausgemusterte Ex-SoldatInnen. Womit wir wieder bei der Negativ-Utopie wären…


2 Antworten auf “Ab ins Bootcamp”


  1. 1 anne 03. Januar 2008 um 23:31 Uhr

    das erinnert mich an die fußfessel idee. na ja dazu passt ganz gut der heutige spiegel online artikel. als hättest du es gewusst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,526461,00.html

  2. 2 bootcamp 06. Januar 2008 um 22:01 Uhr

    War gerade bei der Beschäftigung mit Boot Camps in den USA als ich auf deine frohe Neujahrsbotschaft gestossen bin:

    http://www.nospank.net/boot.htm

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