Archiv für März 2008

Studiengebühren und ’soziale Gerechtigkeit‘

In der taz legte Christian Füller vor ein paar Tagen seine alte Argumentation für Studiengebühren wieder auf: da es in aller Regel nur die Eltern von Reichen schaffen würden, an die Universitäten zu kommen, sollten die für dieses Privileg auch bezahlen. Schließlich haben sie es ja. Der Staat sollte seine Mittel lieber in Kindergärten sowie Sonder- und Hauptschulen stecken, das sei sozial gerechter. Diesen Standpunkt, den auch schon Marx vertreten habe, gelte es nun politisch umzusetzen und die Bildungspolitik vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Dass Füller als „ausgewiesener Kenner der Bildungslandschaft Deutschlands“ gilt, hilft da auch nicht weiter. Denn neben simplem Aufzählen von Fakten sollten doch schon auch ein paar Bezüge hergestellt werden. (mehr…)

Wert und Wertschätzung

Die marx’sche ‚Kritik der politischen Ökonomie‘ hat als einen zentralen Begriff den des Wertes. ‚Wert‘ ist dabei als ökonomische und gesellschaftliche Realkategorie gedacht. Kapitalistische Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, das in ihnen Waren produziert und getauscht werden. Vergleich- und damit tauschbar werden die Waren durch die in ihnen enthaltene, gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitszeit. Diese Arbeitszeit, in die jeweilige Ware ‚eingeschrieben‘ (wenn auch nicht messbar), ist der Wert.

Gleichzeitig wird aber der Begriff ‚Wert‘ in vielen, nicht zuletzt auch linken, Zusammenhängen in einem eher moralischen Zusammenhang gebraucht, also etwa im Sinne der vielzitierten „Werte und Normen“, die es ja mittlerweile schon als Unterrichtsfach firmieren. Ganz in dieser Tradition wird dann unter dem Label ‚Wertkritik‘ ganz häufig nicht an eine Kritik dieser gesellschaftlichen Realkategorie verstanden, sondern an so etwas wie ‚Wertekritk‘ gedacht, also eine Kritik der vorherrschenden Werte und Normen. (mehr…)

Revival of the fittest: Bundesregierung will das Eiserne Kreuz wieder

Deutsche Soldaten sind tapfere Typen. Sie kämpfen und verteidigen die Rohstoffe und Handelswege und die Demokratie und was es da noch so gibt. Zwischendurch kommen durch unglückliche Verkettungen von Zufällen auch mal feindliche SoldatInnen oder unbeteiligte ZivilistInnen um. Das ist tragisch, soll jetzt aber nicht ungedankt bleiben:

„Es war gestern ein ganz gewöhnlicher Parlamentarischer Abend des Reservistenverbands der Bundeswehr in Berlin – bis zu dem Zeitpunkt, als der Vorsitzende Reinhard Beck vorschlug, „besonderen Mut oder besondere Tapferkeit“ von Soldaten mit einem neuen Orden zu würdigen: ausgerechnet in Form des Eisernen Kreuzes, das schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg als Auszeichnung für Helden diente und von vielen Kriegsopfern mit den Schrecken der Hitler-Diktatur identifiziert wird.“ (Spiegel-Online)

Bei so viel Vergangenheitsbewältigung konnte auch der Verteidigungsminister nicht mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzenbleiben:

„Verteidigungsminister Franz Josef Jung griff die Anregung in seiner Rede bei der Veranstaltung wunschgemäß auf. Tapferkeit habe in der Tat „eine Würdigung verdient“. Er wolle den Vorschlag an den Bundespräsidenten weiterleiten, versprach Jung, „um gegebenenfalls eine besondere Einsatzmedaille zu kreieren“. Orden und Ehrenzeichen kann der Verteidigungsminister nicht alleine beschließen, sie müssen vom Staatsoberhaupt gestiftet werden.“ (Spiegel-Online)

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Das Kind beim Namen nennen – oder – Dem Kind den Namen nennen

Neulich ging es mal wieder um good old Freud. Siggi hatte es ja bekanntlich nicht so mit Feminismus. Penisneid, Ödipuskomplex – irgendwie ist das alles doch ein bissel schräg. Frauen als verstümmelte Wesen?
Nun ja die Überlegung, dass die psychische Entwicklung entlang des Körpers geschieht, scheint aber auch nicht völlig abwegig. Natürlich sind die Bedeutungen die verschiedenen Körperzonen gegeben werden sozial konstruiert ergo auch die daraus resultierende psychische Verfassung inklusive das Geschlecht. So weit, so schlecht. (mehr…)