Archiv für Juli 2008

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Skizze zu Wertkritik und Soziologie


von Julian Bierwirth

Wertkritik als Gesellschaftskritik

In seinem Werk „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ stellt Moishe Postone die Behauptung auf, bürgerliche Individuen hätten analog zur Ware einen Doppelcharakter. Diesen macht er in ihrer Bestimmung als warenproduzierende und -tauschende Menschen aus: Einerseits sind es die Menschen, die hier ihre Gesellschaftlichkeit produzieren, die also handelnd ihre Welt einrichten. Andererseits sind sie den dadurch entstehenden Systemnotwendigkeiten unterworfen, die als scheinbare Naturgewalt auf sie einwirken. Sie sind also zugleich Subjekt gesellschaftlichen Handelns und Objekt gesellschaftlicher Verhältnisse. (mehr…)

Vergartenzwergung – Bachelor macht alles gleich

Dieser Text erschien zuerst in der hochschulpolitischen Zeitschrift des Basisdemokratichen Bündnis.

Der Bachelor kann als eine Art „Taylorisierung des Studiums“ beschrieben werden. Der Begriff Taylorisierung geht zurück auf den US-amerikanischen Ingenieur Frederick Winslow Taylor (1856–1915). Taylor hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitsprozesse innerhalb von Unternehmen durch detaillierte wissenschaftliche Planung derart zu „optimieren“, dass sie möglichst schnell und reibungslos durchgeführt werden können. Für jeden Arbeitsschritt gäbe es „one best way“, einen besten Weg, um die Aufgabe zu bewältigen. Dafür musste den ArbeiterInnen das letzte Quäntchen Autonomie, das ihnen im ausgehenden 19. Jhd noch geblieben war, mittels präziser Vorgaben ausgetrieben werden. (mehr…)

Geschlecht & Kapital, Literaturüberblick

Schon einige AutorInnen haben sich abgemüht, das Verhältnis von Kapitalismus und Patriarchat zu klären. Insbesondere vor dem Hintergrund einer an der Wertkritik orientierten neuen Marxinterpretaion gab und gibt es einige Diskussionen sowie diverse Paper, Reader und Artikel zu dem Thema. Einen Teil davon gibt es im Internet. Und auf einen Teil davon wiederrum bin ich bei der Internetrecherche gestoßen.

Wer noch andere coole Texte aus dem Kontext kennt ist herzlich eingeladen, in den Kommentarspalten seine Links zu hinterlassen. Und selbstverständlich, das sei dazugesagt, hab ich das hier nicht alles selber gelesen… (mehr…)

Have no fear of atomic Energy


„Have no fear for atomic energy,
cause none of them can stop the time.“

sang Bob Marley schon 1979 im „Redemption Song“ – und kommt damit jetzt wieder in die Charts. Im Zuge steigender Preise für Energie und Rohstoffe wird auch die Atomenergie wieder Trendy. Atomenergie sei nun mal eine fortschrittliche Technologie, die vergleichsweise billig zu produzieren sei. Das meinen clevere AtomfreundInnen an den teureren Preise für Alternative Energie ablesen zu können. Das der Preis für Atomstrom aber ein politischer ist, in den so einiges nicht eingepreist wurde, hat nun Jochen Stay in der Jungle World (mal wieder) klargestellt: (mehr…)

Labour Kills – mal anders

Am Montag, dem 1. Juli 2008 ist die Bundeswehr im schnuckeligen Göttingen auf Nachwuchsfang gegangen. Eine Veranstaltung im Arbeitsamt sollte helfen, den gefühlten Nachwuchsmangel der deutschen Kriegsmaschinerie zu beseitigen (mehr Infos: 1|2|3).

Laut taz kam von den ebenfalls anwesenden ProtestiererInnen die Auskunft, es handele sich „‚Rekrutierungsveranstaltung‘. Die Bundeswehr nutze die Notlage von Arbeitslosen aus.“ Das ist sicherlich nicht ganz falsch, enthält aber eine wesentliche Wahrheit über den Kapitalismus, der mit dem Satz so direkt noch nicht ausgesprochen ist: das es im Kapitalismus nämlich um Arbeit geht. Scheiß egal welcher Job, hauptsache der Rubel rollt. Egal ob du gerne Brot backen oder Autos reparieren willst – im Zweifelsfall musst du halt Leute erschießen. Ein Job ist so gut wie der andere. Nur das dieser eben mit überdurchschnittlich krassen anti-emanzipatorischen Nebenwirkungen ausgestattet ist: