Am Kapitalismus scheitern

Es ist selten, das die größte Stärke eines Buches sich als seine größte Schwäche erweisen könnte: mit „Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern“ haben Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer vom Social Innovation Network eine überzeugende Intervention die Debatte um Ökologie, Ökonomie und die Zukunft der Zivilisation vorgelegt. (Eine Kurzform der Thesen gab es vor kurzem in einem lesenswerten Aufsatz in der Analyse und Kritik.) Überzeugend ist das Buch vor allem, weil es mit einer Vielzahl von Fakten aufwartet, zur Intervention taugt es, weil, obwohl dem Geist der Kritischen Theorie zuzurechnen, es vollständig ohne Begrifflichkeiten aus minoritären linken Diskursen auskommt.

Zunächst zeigen die Autoren überzeugend auf, das die Ressourcen der Erde endlich sind, das da am Ende des Tunnels leider kein Licht, sondern ganz viel Dunkelheit wartet. Das der Kapitalismus aber auf diese Ressourcen angewiesen ist, und das dank seines Wachstumszwangs auch bleiben wird, ist der nächste Schritt in der Argumentation. Auch die Bedeutung von Wachstum für Konsum und Finanzblasenökonomie, für Arbeitsdruck und die Anpassung der Menschheit an die Bedürfnisse der Ökonomie wird umfassend abgehandelt, gefolgt von gleich zwei Kapiteln zur unabdingbaren Frage nach solchen Büchern: dass das zwar alles schön und gut sein mag, es doch nun aber mal geklärt werden müsse, was danach komme. Von den Erfahrungen nach dem Crash in Argentinien streifen die Autoren zielsicher über Linux hin zu unterschiedlichen Befreiungserfahrungen in der Postmoderne.

Sicher, die Anschlussfähigkeit hat einen Preis. So schaffen es die Autoren nicht, mögliche Zusamenhänge von Ressourcen- und Finanzkrise systematisch darzustellen. Sie versuchen es erst gar nicht. Dafür wäre dann wohl doch ein Mehr an theoretischem Handwerkszeug notwendig gewesen. Dasselbe gilt auch für die Begründung des kapitalistischen Wachstumsszwanges bzw. der Notwendigkeit wachsenden Ressourcenverbrauchs durch eben diesen Wachstumszwang. Die Erklärungen muten hier bisweilen etwas phänomenologisch an. Etwas mehr Theorie hätte an solchen Stellen gutgetan.

Das wird dann wohl auch das sein, was diesem Buch in näherer oder fernerer Zukunft vorgeworfen werden wird. Das dürfte die Sache allerdings wert sein, haben uns die Autoren doch ein angenehm lesbares Machwerk zur Einführung in die empirisch gesättigte Gesellschaftskritik geliefert, das sich ganz hervorragend dazu eignet, es an Weihnachten und Geburtstagen an unzählige Familienmitglieder zu verschenken…

Andreas Exner, Christian Lauk, Konstantin Kulterer
Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern
Ueberreuther Verlag, Wien 2008
14,3 × 21,5 cm, 220 Seiten, EUR: 19,95