Computer im De-Growth-Modus?

Den Kapitalismus zu überwinden wäre mal eine feine Sache. In den letzten Jahren wurde sich mehr und mehr darauf geeinigt, das es wohl Sinn machen würde, diese Überwindung auf dem neuesten Stand der Technik durchzuziehen – um nicht hinter das bisherige Niveau von Lebensstandart zurückzufallen. Neuester Stand von Technik wären etwa Computer, die mittlerweile schon bei jedem und jeder in den je eigenen vier Wänden rumstehen.

Nun haben aber Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer festgestellt, dass die Menschheit zu viele Ressourcen verbraucht. Mit Wachstum muss Schluss sein, finden sie. Überhaupt müssen die Menschen dann vernünftig regeln, wie sie auf Naturressourcen zugreifen.

Auf einer anderen Baustelle emanzipatorischer Transformation wird über die Bedeutung freier Software als Keimform einer neuen, post-kapitalistischen Vergesellschaftung nachgedacht, die Bedeutung von Computern für die Überwindung des Kapitalismus wird hier überhaupt als sehr hoch eingeschätzt. Auch eine spannende Sache und ebenfalls ein Gedanke, den ich durchaus nachvollziehbar finde. Nun gibt es da aber unglücklicherweise diesen Zusammenhang, den eins nur allzugerne verdrängt:


Jede einzelne Internet-Suchanfrage über Google erzeuge Energiekosten, mit denen eine 11-Watt-Energie-Sparlampe eine Stunde lang brennen könnte.
(Spiegel Online)

Irgendwie hatte ich in Erinnerung, in der SZ mal gelesen zu haben, es wäre ein Tag. Aber der Grundgedanke bleibt: wie verträgt sich das eine Ziel mit dem anderen? oder stimmt es gar, was Spiegel-Online nahelegt:


Andererseits spare die digitale Kommunikation natürlich auch CO2 ein, da sie viele Autofahrten zur Informationsbeschaffung überflüssig mache.

Sind also Computer vielleicht sogar eher ein Mittel zur Einsparung von Energie – und gar nicht die bösen Umweltschweine? Wie verhalten sich also – auch über dies Beispiel hinaus – die berechtigte Forderung nach freier Kommunikation für Alle und die ebenso berechtigte Befürchtung, dass das mit den Ressourcen alles so nicht hinhauen könnte, zueinander?

Tja, eine Antwort habe ich da auch nicht drauf. Aber auch Fragen wollen ja gestellt werden ,-)


2 Antworten auf “Computer im De-Growth-Modus?”


  1. 1 Entdinglichung 12. September 2008 um 15:27 Uhr
  2. 2 Ernst 13. September 2008 um 14:04 Uhr

    Weltgesellschaftliche Kommunikation ist unabdingbar und die Potenzen genannter Technologien dafür werden genutzt werden. Andererseits wird vieles, was heute an Informationsübertragung und -speicherung stattfindet, obsolet: Werbung, Spam, Finanztransaktionen, Übwachsungsstaat, data mining… da kann so manches Rechenzentrum stillgelegt oder einer sinnvollen Funktion zugeführt werden – eben der kommunikativen Vernetzung der Weltgesellschaft und ihrer Reproduktion. Ich denke, wir werden nicht mehr Energie benötigen als jetzt, tendenziell sogar weniger und vor allem effizienter genutzt durch dezentrale Versorgung mit kürzeren Übertragungswegen.
    Es ist aber sehr wichtig dieses Thema im Kopf zu behalten.

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