Kursstürze

Beim Lesen der Tageszeitung muss heute wohl das Herz jeder Krisentheoretikerin höherschlagen. „Aktienkurse stürzen weltweit ab“ titelte etwa die Süddeutsche Zeitung. Im Gefolge der aktuellen Finanzmarktkrise geht es nun ordentlich ab. In der Online-Ausgabe können wir dann lesen: „Es kracht allerorten: Der Dax fällt zeitweise unter die Marke von 5000 Punkten, in Moskau wird der Handel gestoppt und die Tokioter Börse macht die schwersten Verluste seit 1987.“

Und so langsam scheint sich Panik breitzumachen. Die Krise macht nicht länger halt vor der Realwirtschaft – zumindest steht das zu befürchten, wie uns die FAZ mitteilt:

„„Es gibt große Angst, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchschlägt und es zu einer Rezession kommt“, sagte ein Börsianer. Belastet wird der deutsche Markt zudem von hohen Kursverlusten an der Wall Street und in Tokio, wo der Nikkei-Index fast zehn Prozent tiefer schloss. Die Kursverluste zogen sich durch alle Branchen. Unter Verkaufsdruck standen erneut Finanzwerte. Deutsche-Bank- und Allianz-Aktien starteten je sieben Prozent tiefer. Auch Autowerte wurden verkauft. BMW-Papiere fielen zeitweise um 8,5 Prozent, Daimler um 7,3 Prozent. Gegen den Trend stiegen erneut Volkswagen.“

Immerhin der gute alte VW is stabil. „Gegen den Trend“ sollte dabei allerdings großgeschrieben werden. Durch die Finanzkrise kommt es mehr und mehr zu Finanzierungsschwierigkeiten und verlieren Firmen bereits sicher geglaubte Aufträge, wie die FAZ etwa über den Software-Hersteller SAP berichtet. Noch leben einige von angestauten Auftragseständen, die – wie im Falle der Elektro-Industrie – noch für geschätzte drei Monate reichen sollen. Was danach kommt, weiß augenscheinlich niemensch so recht.

Daimler strudelt....Gar nicht gut sieht es derweil bei der Automobilbranche aus:


“ Aus der deutschen Realwirtschaft gibt es mehr und mehr Zeichen dafür, dass die Finanzmarktkrise nun auch immer stärker die Unternehmen betrifft. Die jüngsten Meldungen vom Dienstag betreffen Opel, Mercedes, BMW: Mehrere Automobilhersteller müssen ihre Produktion aufgrund schwächelnder Nachfrage drosseln. Die VW-Tochterfirmen Seat und Skoda haben bereits angekündigt, die Produktion in Spanien und in Prag zu drosseln.

Bei Opel bricht der Absatz ein. Wie das Unternehmen am Dienstag in Rüsselheim berichtete, wird deshalb im Opel-Werk im thüringischen Eisenach ab der kommenden Woche für drei Wochen die Produktion eingestellt. Im Bochumer Opel-Werk stünden die Bänder bereits seit der vergangenen Woche still.“

Es geht voran...Die Anleger flüchten derweil in vermeintlich „sichere“ Werte – was auch das Problem mit der unsicheren Auftragslage in der Elektro-Industrie lösen könnte:


“ Die Verschärfung der Finanzkrise hat die Nachfrage nach Gold in Deutschland explodieren lassen. „Wir werden totgeschlagen mit Aufträgen“, sagte Gunter Siegel vom Goldhändler Westgold. Die Anfragen kämen von Privatpersonen und von Banken. Gerade private Anleger flüchten aus den Aktien und legen ihr Geld in Gold an.

Eine Angestellte des führenden Edelmetallhändlers Pro Aurum sagte, es würden keine Bestellungen mehr angenommen. Ihr Haus sei bereits „lahmgelegt“ durch die vielen Anrufer. Die Lager seien weitgehend leer. Jochen Hitzfeld von der Hypo-Vereinsbank sagte, es gebe bereits Wartelisten. Produkte wie Barren zu 100, 250 und 500 Gramm seien schon vergriffen.

Gold gilt in Krisenzeiten als sichere Anlageform. Am Mittwoch stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) auf mehr als 900 Dollar. Die Rekordmarke von 1000 Dollar ist damit zwar noch fern. Im September hatte eine Unze aber zeitweise noch weniger als 750 Dollar gekostet.

In den Vereinigten Staaten steigt unterdessen im Zuge der Finanzkrise die Nachfrage nach Fernsehern und Computern. Derzeit werden dort rund 40 Prozent mehr Flachbild-Fernseher als im vergangenen Jahr verkauft, iwie Shawn DuBravac vom amerikanischen Unterhaltungselektronikverband CEA sagte.

Bei anderen Geräten der Unterhaltungselektronik gebe es einen ähnlichen Trend. „Die Verbraucher igeln sich zuhause ein“, sagte DuBravac. „Die Menschen geben sich überall in ihrem Leben mit weniger zufrieden, so dass sie sich wenigstens bei Technikprodukten etwas gönnen wollen.“ Auch Laptops, Handys und Navigationsgeräte seien in der Krise bei den amerikanischen Bürgern beliebt.“