70% Kollaps

Economy goes down: Nachdem schon einige Wochen lang ein Bankhaus nach dem anderen in die Pleite gesteuert ist und es die Versicherer ihnen mit unglaublicher Zielsicherheit nachgemacht haben, kommt es in dieser Woche dicker als erwartet. Seit Tagen schließen die Börsen weltweit negativ, der Dow Jones, der Nikkei und der Dax rutschen in lange nicht gesehene Tiefen. Eine in konzertierter Aktion von diversen Notenbanken beschlossene Zinssenkung brachte für knappe zwei Stunden Aufschub, dann gingen die Kurse weiter in den Keller. In Indonesien und Russland wurden die Börsen einfach ganz geschlossen und mit Island steht bereits der erste Staat vor dem Meineid.

Derweil ergreift die Krise auch die Realwirtschaft. An vielen Standorten diverser Automobilkonzerne wird die Produktion eingeschränkt und mit SAP hat der größte europäische Softwarehersteller ernste Probleme. Auch der Mittelstand ist – wenn wunderts – leicht verschnupft und blickt nicht gerade sehr freudig in die Zukunft. Im Finanzsektor geht es derweil auch munter weiter und so hat sich herausgestellt, das die 85 Mrd. Dollar, die für die Rettung des Versicherers AIP geplant waren, nicht ausreichen und nochmal um weitere 48 Mrd. erweitert werden müssen, so das ganze denn Wirkung zeigen soll.

Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch Einschätzungen wie die eines scheinbar prominenten Aktienhändlers. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruches des Wirtschafts- und Finanzsystems schätzte er auf geschmeidige 70%. „Aber vielleicht hat ja noch jemand eine Idee.“

Schade nur, das es an jedweder emanzipatorischen Alternative zu dem Scheiß fehlt, der mehr und mehr am Abschmieren is….


17 Antworten auf “70% Kollaps”


  1. 1 Rakete 09. Oktober 2008 um 0:48 Uhr

    Was machen wir denn, wenn der Kapitalismus morgen zu Ende is?

  2. 2 Benni Bärmann 09. Oktober 2008 um 1:16 Uhr

    @rakete: Ich bin auch ratlos, aber man muss wenigstens was versuchen: http://www.keimform.de/2008/10/08/community-building-in-zeiten-der-galoppierenden-krise/

  3. 3 Juli 09. Oktober 2008 um 10:14 Uhr

    @Rakete

    naja, „zu Ende“ wird er ja wohl so schnell nicht sein. Aber es könnte schon darauf hinauslaufen, das die Handlungsspielräume schlagartig geringer werden. Was dann mit den staatlichen Leistungen für Bildung und Kultur, Soziales und Infrastruktur passiert, kannst Du Dir sicherlich vorstellen. Good Bye Stadtradio, sag ich mal….

    Da ich aber davon ausgehe, das es besser nicht werden wird, stellt sich tatsächlich die Frage, was jetzt alternativ to the whole shit wohl passieren soll….

  4. 4 ABC 09. Oktober 2008 um 10:21 Uhr

    Kommentar:
    @Rakete: Gegenstandpunkt abonieren!

  5. 5 rasskolnikov 09. Oktober 2008 um 10:22 Uhr

    Warum steht Island vor dem „Meineid“? Und wem gegenüber soll ein Staat Meineid begehen – etwa „seinen“ BürgerInnen gegenüber?

    Btw. hier noch ein satirisches Video, das gemacht wurde als die Krise noch eine alleinige Sache der Wall Street war; dennoch gut gemacht:
    http://www.youtube.com/watch?v=dE-LDfroa1w

  6. 6 Juli 09. Oktober 2008 um 10:28 Uhr

    @rasskolnikov

    Das Problem in Island scheint mir dies zu sein: die drei größten Banken sind abgeschmiert bzw. schwieren grade. Das hätte zur Folge, das die gesamte Isländische Ökonomie im Arsch ist, alle Arbeitslos werden und der Staat entsprechend keine Kohle mehr kriegt. Mal so als vereinfachte Annäherung. Alternativ kann die Regierung die Banken stützen. Dumm nur, das die ein vielfaches an Verbindlichkeiten notieren, als der isländische Staatshaushalt so hergibt. Wenn also Island die kompletten Kohlen rausschmeißt, um die Banken zu stützen – naja, dann hat die Regierung auch kein Geld mehr… Und reichen tuts trotzdem nicht.

    Ich finde, das hat schon Momente von Meineid…

  7. 7 MPunkt 09. Oktober 2008 um 11:09 Uhr

    Das heißt „Offenbarungseid“ und nicht „Meineid“ (eine Lüge unter Eid). Reißt die Finanzkrise auch jegliche Sprachbeherrschung mit in den Abgrund?

  8. 8 Juli 09. Oktober 2008 um 11:45 Uhr

    Jupp, stimmt.

    Da haste mal wahr…. Ich bin halt auch nur Teil der Krisensubjektivität. Und die kritische KritikerIn soll sich ja auch nicht aus der Kritik ausnehmen….

    Hach, was is das wieder peinlich…

  9. 9 Benni Bärmann 09. Oktober 2008 um 12:13 Uhr

    @Juli: Der Staat kann immer beliebig viel Geld drucken, das ist nicht das Problem. Das Problem ist höchstens die daraus entstehende Inflation. Das gilt im übrigen auch für Merkels „Garantien“. Wenn wirklich die Deutsche Bank abkackt und mit ihr der Rest der Banken, dann kann der Staat zwar das Geld drucken, dass er den Sparern garantiert hat, nur ists dann auch sofort nix mehr wert.

  10. 10 lahmacun aka Laura 09. Oktober 2008 um 12:34 Uhr

    ISLAND, alter!

  11. 11 scheckkartenpunk 09. Oktober 2008 um 12:41 Uhr

    na dann – ordentlich schulden machen wenn’s so weit ist

  12. 12 Benni Bärmann 09. Oktober 2008 um 13:45 Uhr

    @punk: Wenn Du dann noch jemanden findest, der Dir was leiht… wird ja jetzt schon schwierig.

  13. 13 scheckkartenpunk 09. Oktober 2008 um 14:06 Uhr

    zumindest kann dann das bafög gut zurückbezahlt werden

  14. 14 classless 09. Oktober 2008 um 17:31 Uhr

    Wieso soll denn der Kapitalismus zu Ende sein? Sieht doch bloß nach autoritärer Krisenverwaltung aus. Das alte Staat-Markt-Ping-Pong hört doch nicht einfach auf. Es müßte schon aktiv beendet werden, oder nicht?

  15. 15 Juli 09. Oktober 2008 um 19:04 Uhr

    Wer schrieb denn, der Kapitalismus sei am Ende? Außer der waagen Andeutung von dem Typen im Spot hab ich sowas nich mitgekriegt…

  16. 16 fatalflaw 09. Oktober 2008 um 19:34 Uhr

    es muss „kollaps“ heißen, auch wenn etwas kollabiert.
    deutsch ist ja so eine gemeine sprache…

  17. 17 Peter 25. Oktober 2008 um 20:38 Uhr

    Deutsches Anleger-Fernsehen, was es nicht alles gibt. :-) Immerhin hat der Börsenmensch in dem Spot tatsächlich mal versucht, die Leute auf einen Aktienabsturz vorzubereiten, die meisten anderen verbreiten im TV oft Durchhalteparolen und Sätze wie „im nächsten Herbst geht schon alles wieder nach oben“. Ich fürchte ja, dass da noch einiges kommt…

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.