Jörg Haider ist tot

Jörg Haider ist Tod. Ich habe lange überlegt, ob diese Tatsache für einen schlechte Witz eignet, oder ob das nicht unangebracht wäre. Dann kam dieser Nachruf von Andreas, und dann schien alles wesentliche im Grunde schon gesagt:

„Derweil nimmt im Online-Standard die allgemeine Betroffenheit ihren Lauf. Selbst Leute, die ihn nicht gemocht haben wollen, mögen ihn auf einmal, jetzt, wo er tot ist. Aber nicht, weil er tot ist.

Was fühlt die österreichische Seele, wenn sie jemanden so betrauert, fassungslos, wie man schreibt, den sie nicht gemocht haben will, ja nicht einmal gewählt haben soll oder je hätte. Man fühlt sich an ganz andere Kaliber erinnert. Er war einer der ihren, nicht der anderen. Der Standard gibt keine Möglichkeit zu Postings. Von der pietätlosen Art gäbe es eine zu große Zahl.

Zwischen 1997 und 2002 sind auf dem Weg von Marokko nach Spanien schätzungsweise 10.000 Menschen ertrunken (3sat). 20.000 bis 30.000 Menschen insgesamt sollen laut Experteneinschätzungen pro Jahr bei der Flucht nach Europa umkommen, weil die EU die Grenzen schließt (borderline-europe). Amtlich dokumentiert sind für den Zeitraum zwischen 1993 bis April 2005 laut der Organisation Unite 6.366 Todesfälle von Migrantinnen und Migranten, die beim Versuch gestorben sind, in die EU zu kommen, davon über 90 Prozent auf See, schreibt Corinna Milborn in “Gestürmte Festung Europa”.

Eine große Zahl.“

Den Rest hat dann dieser junge Mann erledigt:


11 Antworten auf “Jörg Haider ist tot”


  1. 1 classless 13. Oktober 2008 um 10:47 Uhr

    Deine Überschrift liest sich, als würde Haider in einem Film den Tod spielen.

  2. 2 Juli 13. Oktober 2008 um 13:10 Uhr

    @ classless

    hihi, stimmt. war die überschrift von dem youtube-video… was der sich wohl dabei dachte?

    @ lahmacun

    hätte das eher als verweis auf die merkwürdigkeit österreichischer trauerarbeit verstanden: um den einen rechtsradikalen weinen alle, während sich um andere todesfälle keine sau kümmert. davon, das haider die grenzen aufgeschoben hätte, hab ich jedenfalls nix gelesen

  3. 3 lyzi 13. Oktober 2008 um 13:48 Uhr

    tja, haider tot, demokratie ganz. :(

  4. 4 Juli 13. Oktober 2008 um 13:51 Uhr

    mensch kann sich auch dumm anstellen….

  5. 5 lahmacun 13. Oktober 2008 um 13:59 Uhr

    wie stellt man sich denn gscheit an?

  6. 6 miss taken identity 13. Oktober 2008 um 14:22 Uhr

    mensch kann sich auch dumm anstellen….

    Ich für meinen Teil lese diesen blog auch nur um dir dabei zu zuschauen. Wertkritik ist wie ein schlimmer Autounfall.

  7. 7 Laura 13. Oktober 2008 um 14:44 Uhr

    wo sind meine kommentare hin? :( (

  8. 8 lyzi 13. Oktober 2008 um 16:21 Uhr

    lol

  9. 9 Laura 13. Oktober 2008 um 17:14 Uhr

    und wo ist mein 1. kommentar, ihr sauberen demokraten?

  10. 10 lyzi 14. Oktober 2008 um 17:45 Uhr

    „saubere demokraten“ = widerspruch in sich. 8D

  11. 11 Elenore sand 15. Oktober 2008 um 5:00 Uhr

    siehe dazu
    http://www.hoerdat.in-berlin.de/wiki/index.php/Steirisches_Erz:_Das_Geheimnis_des_B%E4rentales

    Steirisches Erz: Das Geheimnis des Bärentales oder wie postmodern ist Jörg Haider?

    von Günther Jacob und Peter Kessen

    Regie: N.N.
    Produktion: DLF, NDR 2001
    Länge: 44 Minuten

    Sprecher: N.N.

    Die „Welt“ bezeichnet ihn als „Chamäleon“, dem „Stern“ gilt er als „Verführer mit Sex-Appeal“, für die „Zeit“ ist er der „Erreger aus den Alpen“, und die EU tat sich überaus schwer, ohne Ansehensverlust ihren Boykott gegen die österreichische Bundesregierung aufzuheben. Ist Jörg Haider ein Rechtsradikaler bzw. Nationalsozialist oder ein Neonazi und seine FPÖ eine „Nazipartei“ oder ist Haider lediglich ein „populistischer Modernisierer mit braunen Flecken“?

    Ein Jahr nach der Regierungsbeteiligung der FPÖ will das Feature die verharmlosende Phänomenologie vom „bösen Kasperle Jörgl“ umstürzen, Haider historisieren: als Phänotyp der ungeschriebenen Geschichte des schwarz-weiß-roten Nachkriegswirtschaftswunders, dessen Fundamente Haider und seine Gegner seltsam ähnlich werden lässt. Es geht nicht um einen fassadenhaften Antifaschismus, sondern um das Erbrecht als symbolischen und realen Tausch zwischen den Generationen. Zu hören sind u. a. Zeitzeugen, die Auskunft geben über den Erzabbau während des 3. Reiches und über die Behandlung von Zwangsarbeitern im Bärental in Österreich.

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