Mal was neues: Rezession

Nachdem lange Zeit die Finanznachrichten den Wirtschaftsteil der Zeitungen überschatteten, geht es nun mehr und mehr um allgemeine konjunkturelle Fragen.

Bei BMW etwa überlegen die Verantwortlichen, „die geplante Produktion von 1,5 Millionen Autos um 25.000 Autos zu kürzen“ (SZ) und entsprechend Werke für einen gewissen Zeitraum stillzulegen. Auch bei Opel sieht’s ähnlich aus. Hier wurde „die zeitweilige Schließung in nahezu allen europäischen Fabriken bekannt gegeben.“ Damit soll die Produktion „bis zum Jahresende um rund 40.000 Fahrzeuge“ gesenkt werden. (SZ) Dazu kommt für BMW, dass das Hauptgeschäft in den USA abläuft und da viel über Leasing finanziert wird – und ob da alle Raten der geleasten Autos reinkommen, scheint ebenfalls eher unwahrscheinlich.

In den USA sieht es ohnehin nicht sonderlich gut aus mit dem Absatz von Automobilen. Ein Marktforschungsunternehmen geht davon aus, „dass die Autoverkäufe in den Staaten auf 13,6 Millionen fallen, was einen 16-prozentigen Rückgang bedeute. Nächstes Jahr könnten es sogar nur noch 13,2 Millionen verkaufte Autos sein. ( … ) Im vergangenen Jahr waren es in den Vereinigten Staaten noch 16,1 Millionen gewesen. “ (SZ) Auch bei den Lastkraftwagen geht der Absatz zurück und Daimler will eine der drei Produktionsreihen in Nordamerika einstampfen – was 3500 Beschäftigten den Job kosten wird. (SZ)

In Europa sieht es auch über Deutschland hinaus nicht viel besser aus. Volvo „gab am Mittwoch wegen sinkender Nachfrage die Entlassung von weiteren 3000 Mitarbeitern bekannt und erhöht damit die Stellenstreichungen auf insgesamt 6000.“ Der Unternehmenschef begründete den Schritt mit einer „“schnell einbrechende(n) Marktlage der weltweiten Autoindustrie“. (SZ) VW will ‚immerhin‘ auf den Bau neuer Fabriken derzeit verzichten und die VW-Tochter Skoda will „in diesem Jahr 13.000 Fahrzeuge weniger bauen als geplant.“ (SZ) Renault baut „allein in Frankreich knapp 5000 Stellen“ ab (SZ), Citroen will die Produktion um 32.000 Wagen reduzieren, da „der Absatz in Westeuropa um 17 Prozent gesunken sei, um 40 Prozent allein in Spanien.“ (SZ)

Um die Automobilbranche steht es also nicht gut. Und auch in anderen Branchen gibt es Anzeichen dafür, das die Lage nicht nur nicht besser wird, sondern sich fühlbar verschlechtern könnte. Laut SZ von heute (Seite 22) meldet der Flughafenbetreiber Fraport einen Rückgang der Passagiere um 3,9%, der Modekonzern Ahlers will „etwas mehr als 100 Stellen abbauen“ – wegen der „eingetrübten Konjunktur“. MAN will 2200 Leiharbeiter*Innen-Stellen streichen und „das Produktionsvolumen im Nutzfahrzeugbereich verkleinern.“ Der Automobilzulieferer Leoni senkt – oh Wunder – die Gewinnerwartung (immerhin gibts noch eine). Der Softdrinkproduzent Pepsico streicht 3300 der 185.000 Stellen. Auf Seite 23 denkt SAP über Zwangsurlaub nach und der „deutsche Maschinen- und Anlagenbau“ erlebt „das abrupte Ende des Aufschwungs“. Und so sprechen die Arbeitgeberverbände bereits von einer „veränderten Lage“ und wollen die Tarifverhandlungen möglichst weit hinausschieben – und perspektivisch mit niedrigsten Abschlüssen hinter sich bringen. (SZ) „Gespart werden muss“ heißt einmal mehr das Motto.

Hier tut sich ein spannendes Konfliktfeld auf: Wenn die zu verteilenden Reichtümer absinken, dann nehmen die Verteilungskämpfe zu. Wie die ausgehen werden, bleibt abzuwarten. Zu befürchten gibt es jedenfalls nichts Gutes.