Kluge Wörter (?) – Neee

Mitten zwischen Arbeitswahn („Im Grunde geht es um eine Restitution der Würde der Arbeit.“) und mindestens verkürzter, wenn nicht gar strukturell antisemitischer Krisendiagnose („Eine Gesellschaftsordnung, die um ein bodenloses Finanzkapital kreist, hat den Menschen aus dem Blick verloren. Ankerlos vagabundiert ein in der Produktionssphäre überschüssig gewordenes Finanzkapital um die Welt und destruiert die reale Wirtschaft.“) fand ich in diesem Kommentar von Nobby Blüm diesen einen klugen Satz – die Krisis wirds freuen:


Das Realprinzip Arbeit und damit Wertschöpfung und Produktion realer Güter und Dienstleistungen ist der Kern jeder soliden Wirtschaftsordnung.

Das ist selbstverständlich falsch. Das gilt nicht für „jede Wirtschaftsordnung“, sondern nur für die kapitalistische. Aber immerhin: „Realprinzip“ und „Produktion“. Schade nur, das auch die christliche Sozialethik jede richtige Erkenntnis gleich in reaktionäres Geschwätz verwandelt.


3 Antworten auf “Kluge Wörter (?) – Neee”


  1. 1 Entdinglichung 22. Oktober 2008 um 14:15 Uhr

    leider ergeben einzelne kluge Wörter nur bei richtiger Zusammenstellung einen klugen Satz … ein Lesehinweis dazu: Jakob Moneta: Norbert Blüm. Herz-Jesu-Marxist oder kapitalistischer Propagandist? (1985) … und „solide Wirtschaftsordnung“ klingt fast schon wie eine Drohung

  2. 2 Ernst 23. Oktober 2008 um 18:49 Uhr

    Naja. „Wirtschaftsordnung“ als gegen andere gesellschaftliche Sphären wie die „politische Ordnung“ verselbständigter Zusammenhang gibt es auch nur in der Warengesellschaft. Diese Sphärentrennung wird allenthalben ontologisiert. So wie die Menschen selbstverständlich „schon immer“ „gearbeitet“ haben, haben sie auch immer Wirtschaft und Politik betrieben, vielleicht anders aber prinzipiell gab’s das schon immer. Dass in Antike und Mittelalter bestimmt nie von den Ansprüchen von und den Diskussionen in Politik & Wirtschaft™ die Rede war, wird schnell übersehen, wenn mensch die Daseinsformen und Existenzbestimmungen (und -bedingungen) des Kapitals mit transhistorischen Kategorien in eins setzt. Insofern ist ebenso klar wie kritikwürdig, dass Blüm und der Rest der LEUTE™ „Wirtschaftsordnung“ nur als kapitalistische Warenproduktion denken können und gegenüber jeder anderen auch nur ansatzweise vorstellbaren Ordnung der Dinge als die solideste empfinden, obwohl die Krise gerade letzteres widerlegt.

    Nur so, weil ichs loswerden will: Wenn die bürgerliche Subjektivität die vorherrschende, ja mittlerweile gar allgemeine menschliche Bewusstseinsform auf der Welt ist und diese mit der Weltkrise der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft ebenfalls Zerfallserscheinungen zeigt, dann, kann mensch sagen, haben wir es heute jeden Tag im Wortsinne mit verkommenen Subjekten zu tun, oder?

    Schöne Grüße vom Weltuntergang,
    der Ernst

  3. 3 Juli 25. Oktober 2008 um 11:38 Uhr

    Ja, kann mensch durchaus.

    indem sinne versucht ja auch die kriis in ausgabe 32 den islamischen religionismus als zerfallprodukt krisenbürgerlicher subjektivität zu deuten. lohnt sich mda mal reinzuschauen…

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.