Archiv für Dezember 2008

Immanente Schranken oder: Kategoriales zur Krise

Achtung, dies ist ein theoretischer Debattenbeitrag! Er beinhaltet viele theoretische Kategorien und bezieht sich auf eine Spezialdebatte. Er hat nicht den Anspruch, die angesprochenen Themen abschließend zu klären, sondern auf Missverständnisse und Probleme innerhalb der Debatte hinzuweisen. Und er hat auch nicht den Anspruch, verständlich zu sein ,-)

Irgendwie ist grade Krise. Und so streiten sich die Gelehrten, welchen Charakter diese Krise denn wohl hat. Das ich dabei der Krisentheorie, wie sie seit etwa 20 Jahren in den Theoriezusammenhängen Krisis und Exit entwickelt wurde, zuneige, dürfte die eine oder die andere schon mitbekommen haben.

Andreas Exner von Streifzügen bzw. vom Social Innovation Network versucht derzeit, innerhalb der Debatte rund um die Krisentheorie eine Schwerpunktverschiebung zu initiieren. Die Probleme der Krise, so sagte er unlängst in einem Interview, lägen „nicht vorrangig im ökonomischen Bereich. Der Kapitalismus verjüngt sich in seinen Krisen. Der Punkt ist vielmehr, dass die Ressourcenbasis des Kapitalismus sich verengt.“

Der fundamentale Charakter des Krisenprozesses wäre gemäß dieser Interpretation kein aus derSystemnotwendigkeit des Kapitalismus hervorgehender, sondern einer, der von der begrenzten Ressourcenbasis an ihn herangetragen wird. Die Ressourcen nämlich gehen aus und das bringt das System in Bedrängnis:

„Das Kapitalwachstum wird sich geografisch immer mehr zurückziehen und der Kapitalismus wahrscheinlich in eine tiefe gesellschaftliche und politische Krise geraten. Das unterminiert seinen Bestand als Weltsystem. Ohne eine irgendwie glaubhafte Wohlstandsperspektive für alle kann es schwer überleben.“

Ich halte die Einschätzung, das eine Erschöpfung von Naturressourcen den Kapitalismus in (zusätzliche) Bedrängnis bringen könnte, für durchaus plausibel. Er hat in dem übrigens sehr empfehlenswerten Buch „Die Grenzen des Kapitalismus“ und im SIN-Blog zusammen mit seinen Mitstreitern einiges lesenswertes dazu geschrieben. Zum reinlesen sei dieser Artikel aus der Analyse und Kritik empfohlen.

Was ich aber für weniger plausibel halte, ist seine ökonomiekritische Einordnung dessen, was da passiert. Es mag ja sein, das die Linke die ökologischen Nebenwirkungen des Kapitalismus zu wenig thematisiert (dazu wurde ja hier auch schon einiges geschrieben). Das muss nun aber nicht heißen, das der Kapitalismus keine immanente Grenze hätte. Exner klingt in der zitierten Interviewpassage schon fast fortschrittsoptimistisch: Krisen hätten eben eine reinigende Wirkung, danach könne es wieder ‚von vorne‘ losgehen. Ein erster Versuch, diese Annahme zu theoretisieren findet sich im Text Produktivität und Krise. Notizen einer Debatte, zu dem ich hier einige Anmerkungen machen möchte. Nicht zuletzt, weil der Autor darum gebeten hat, Bauchschmerzen mit dem Text zu verbalisieren. Vielen bisherigen Kritiken, vor allem die Replik von Claus-Peter Ortlieb, aber den Blog-Kommentar von Holger Roloff finde ich inhaltlich weitestgehend stichhaltig, wenn auch in der Form wenig weiterführend. Es macht m.E. wenig Sinn, die eigenen Argumentationsgänge hinter Polemik zu verstecken, wenn es einem um inhaltliche Verständigung geht. Und das wäre mein Anliegen an dieser Stelle. Wenn dabei meine Argumentation oft unstrukturiert ist, so möchte ich das auf den Text zurückführen, an dem ich mich abarbeite. Denn auch dort fehlt oftmals die nötige Stringenz, weshalb manche Argumente sich doppeln oder an Punkten vorweggenommen werden, obwohl später nochmal auf sie eingegangen wird. Im übrigen gilt auch hier: Kritik ist ein Geschenk. (mehr…)

Vermittlungsprobleme

Gerade in Krisenzeiten (und die haben wir nun ja schon einige Zeit) ergeben sich immer wieder Vermittlungsprobleme. Viele Menschen suchen nach einfachen Erklärungen, und da kommen tiefergehende Analysen nicht immer so furchtbar gut gegen an.

Vermittlungsprobleme ganz neuer Art haben sich nun aber in Lettland aufgetan. Dort ist ein Universitäts-Dozent verhaftet worden, weil er die Finanzkrise irgendwie wohl als ein Problem für die Gesellschaft angesehen hatte.

Nach zwei Tagen der Befragung, wurde Smirnoys ohne Anklage freigelassen. Aber es läuft ein Verfahren gegen ihn, weil er schlecht über die Stabilität der lettischen Banken und der Landeswährung LATS sich ausgesprochen hat. Die Untersuchungsbeamten beschuldigen ihn “unwahre Information” verbreitet zu haben. Sie forderten ihn auf, nicht das Land zu verlassen und beschlagnahmten seinen Computer.

Die Finanzen des Landes sind ein heikles Thema in Lettland, eines welches die Regierung mit Vehemenz versucht vor Gerüchten zu schützen. Es ist eine Straftat dort, wenn man “unwahre Daten oder Informationen” über die Lage des Finanzsystem des Landes verbreitet. Es wird als Subversion angesehen. (Schall und Rauch via Wall Street Journal)

Auch das ist eine Möglichkeit, mit der Krise umzugehen. Dagegen ist natürlich kein journalistisches Kraut gewachsen. Wer die Realität nicht wahrhaben will, wird kaum von ihrer Existenz zu überzeugen sein. Ähnliches berichtete Olaf Kistenmacher bei einem Vortrag über Antisemitismus, den er unlängst in Göttingen hielt. Bei einigen Vorträgen würden ihm Aussagen der KPD in der Weimarer Republik schlichtweg nicht geglaubt, selbst wenn er die Zeitungsartikel als Folie auf den Overheadprojektor werfen könne. Das hätte er doch bestimmt retuschiert, so der Vorwurf.

Oder auch diese vermeintliche Tat einer Lehrerin irgendwo in den USA. Die hatte nämlich einem Schüler eine gebrannte Linux-CD abgenommen und freute sich schon ob des Fundes dieser Raubkopie. Das wollte die Lehrerin zunächst nicht glauben – warum schließlich sollte jemensch irgendwas für lau unter die Leute werfen? Schließlich muss sie dem Schüler zumindest soweit geglaubt haben, dass sie „sich schließlich dazu hinreißen (ließ), einen Brief an die Herstellerfirma zu schreiben, in der sie rechtliche Schritte gegen diese unlautere Praxis androhte.“ (via Chip) Sachen gibt’s, die gibt’s nicht….

The Cubicle – Kein Bock mehr auf arbeiten

Selbsterklärend.

“My Cubicle”
Lyrics by: Morning Sidekick
Performed by: Jym Britton
Parody on “You’re Beautiful” by James Blunt

My job is stupid my day’s a bore,
Inside this office from eight to four
Nothin’ ever happens my life is pretty bland,
Pretending that I’m working, pray I don’t get canned.

My Cubicle, My cubicle
It’s One of Sixty two
It’s my small space in a crowded place
Just a six-by-six foot booth
And I hate it that’s the truth

Well, I give a sigh as the boss walks by,
no one ever talks to me or looks me in the eye.
And I really should work but instead I just sit here and surf the Internet.

In My Cubicle, My cubicle
It doesn’t have a view.
It’s my small space in a crowded place
I sit in solitude.
And sometimes I sit here nude.