Vermittlungsprobleme

Gerade in Krisenzeiten (und die haben wir nun ja schon einige Zeit) ergeben sich immer wieder Vermittlungsprobleme. Viele Menschen suchen nach einfachen Erklärungen, und da kommen tiefergehende Analysen nicht immer so furchtbar gut gegen an.

Vermittlungsprobleme ganz neuer Art haben sich nun aber in Lettland aufgetan. Dort ist ein Universitäts-Dozent verhaftet worden, weil er die Finanzkrise irgendwie wohl als ein Problem für die Gesellschaft angesehen hatte.

Nach zwei Tagen der Befragung, wurde Smirnoys ohne Anklage freigelassen. Aber es läuft ein Verfahren gegen ihn, weil er schlecht über die Stabilität der lettischen Banken und der Landeswährung LATS sich ausgesprochen hat. Die Untersuchungsbeamten beschuldigen ihn “unwahre Information” verbreitet zu haben. Sie forderten ihn auf, nicht das Land zu verlassen und beschlagnahmten seinen Computer.

Die Finanzen des Landes sind ein heikles Thema in Lettland, eines welches die Regierung mit Vehemenz versucht vor Gerüchten zu schützen. Es ist eine Straftat dort, wenn man “unwahre Daten oder Informationen” über die Lage des Finanzsystem des Landes verbreitet. Es wird als Subversion angesehen. (Schall und Rauch via Wall Street Journal)

Auch das ist eine Möglichkeit, mit der Krise umzugehen. Dagegen ist natürlich kein journalistisches Kraut gewachsen. Wer die Realität nicht wahrhaben will, wird kaum von ihrer Existenz zu überzeugen sein. Ähnliches berichtete Olaf Kistenmacher bei einem Vortrag über Antisemitismus, den er unlängst in Göttingen hielt. Bei einigen Vorträgen würden ihm Aussagen der KPD in der Weimarer Republik schlichtweg nicht geglaubt, selbst wenn er die Zeitungsartikel als Folie auf den Overheadprojektor werfen könne. Das hätte er doch bestimmt retuschiert, so der Vorwurf.

Oder auch diese vermeintliche Tat einer Lehrerin irgendwo in den USA. Die hatte nämlich einem Schüler eine gebrannte Linux-CD abgenommen und freute sich schon ob des Fundes dieser Raubkopie. Das wollte die Lehrerin zunächst nicht glauben – warum schließlich sollte jemensch irgendwas für lau unter die Leute werfen? Schließlich muss sie dem Schüler zumindest soweit geglaubt haben, dass sie „sich schließlich dazu hinreißen (ließ), einen Brief an die Herstellerfirma zu schreiben, in der sie rechtliche Schritte gegen diese unlautere Praxis androhte.“ (via Chip) Sachen gibt’s, die gibt’s nicht….


7 Antworten auf “Vermittlungsprobleme”


  1. 1 Benni Bärmann 16. Dezember 2008 um 14:04 Uhr

    „Herstellerfirma“? Wohl doch eher so. Auf die Chip sollte man sich nicht gerade verlassen, wenn es um „journalistisches Kraut“ geht ;-)

  2. 2 Juli 16. Dezember 2008 um 14:33 Uhr

    gut, das ich „vermeintlich“ geschrieben habe. kam mir doch etwas krude vor, die story. aber was mir nicht klargeworden ist: hat sie nun den brief geschrieben oder nicht?

  3. 3 Benni Bärmann 16. Dezember 2008 um 18:45 Uhr

    Das hat schon so stattgefunden denke ich, nur war es halt keine „Hersttellerfirma“, sondern eine NGO, die Linux-Distributionen an Schüler verteilt hat. In meinem Link ist das alles eigentlich ganz umfassend erklärt.

  4. 4 Benni Bärmann 16. Dezember 2008 um 18:49 Uhr

    Besonders absurd wird es natürlich dadurch, dass die Chip durch die Wahl des Wortes „Herstellerfirma“ genau das selbe Unverständnis von Freier Software zeigt, wie die Lehrerin.

  5. 5 peter 16. Dezember 2008 um 19:24 Uhr

    Das ist aber mal eine komische Seite – Schall und Rauch. Geschenktipps wie der Film „Unter falscher Flagge“ oder ne CD von der „Bandbreite“, im Jahresrückblick ist Obama „…geschliffener Onkel Tom Verschnitt mit seinem zionistischen Aufpasser“, Verschwörungstheorien überall…

  6. 6 Juli 20. Dezember 2008 um 10:21 Uhr

    Hm, aber passt NGO denn? Also: gibt es tatsächlich eine anerkannte Nichtregierungsorganisation, die für das Verteilen zuständig ist? Oder ist das auch nur ne Hilfskrückenbezeichnung? (wobei sich die Krücke auf die Bezeichnung bezieht, nich auf den Benni….)

  7. 7 Benni Bärmann 20. Dezember 2008 um 12:51 Uhr

    Im Wortsinne passt es. Es ist eine Nicht-Regierungsorganisation. Nur weil man sich darunter normalerweise sowas wie Greenpeace oder Amnesty International vorstellt ist ja eine Organisation zur Verbreitung von Linux an den Schulen nicht weniger eine NGO.

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