Archiv für Januar 2009

Die dritte Position

Im Nahost-Konflikt zeigt sich die deutsche Linke in ihrem schlechtesten Licht. Mailinglisten werden im Stundentakt mit identitären Grabenkämpfen zugespamt und auch die vermeintlich kritische Journalie gibt mal wieder alles. Ich bin in diesem Fall der Anhänger einer „Dritten Position“, wie sie m.E. unter anderem und unabhängig voneinander von Georg Klauda (lysis.blogsport.de), Bernhard Schmmid und der Krisis-Gruppe herausgearbeitet wurde. Die fast unlösbare Aufgabe wäre es, sich weder von der eigenen Ohnmacht noch von der Dummheit der anderen verrücktmachen zu lassen. (mehr…)

Uni als Unterwerfungsinstanz

Julian Bierwirth

In den letzten Jahren ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen durchregiert worden. Das bislang Privateste, das Ich, wurde als ökonomische Ressource entdeckt. Der direkte Konkurrenzkampf zwischen den Einzelnen soll die Lösung sein für zunehmend enger werdende Handlungsspielräume. Alle werden zu Marktsubjekten und sollen sich selbst als ökonomische Ressource begreifen ihre kreativen und produktiven Potenziale aktivieren, sollen sich unterwerfen und zugleich aktiv einbringen, am besten so transparent und offensichtlich, dass die eigenen Bemühungen auch immer erkennbar sind.

Diese Entwicklung lässt sich auch innerhalb der Bildungsreformen nachzeichen, von denen die heutige Studienrealität geprägt ist. Die Studiengebühren etwa tragen dazu bei, dass Studierende sich als TrägerInnen von Humankapital wahrnehmen. Gleichzeitig kann so das Lernarrangement als eines der Konkurrenz organisiert werden: Studierende müssen nicht nur den Lehrstoff lernen, sondern zugleich sich als unternehmerisches Individuum zu verstehen, das seine zukünftigen Ressourcen ausbildet. Studiengebühren führen so zu einer strukturellen Isolation und Vereinzelung der frischgebackenen Kund*Innen, die gerade versuchen, zu erfolgreichen Verkäufer*Innen zu werden. Als von ihrer Umwelt abgeschlossene Einheit versuchen sie sich durchzuboxen., (mehr…)

Großstadt-Tanzvergnügen vs. Dorfdisco

Manche Dinge verstehe ich einfach nicht. Warum etwa über Selbstverständlichkeiten ein solches Aufheben gemacht wird. Da gibt es in Göttingen seit Jahren im Kabale jeden Dienstag ab 20.30 Uhr Frauenkneipe. Das kümmert eigentlich niemenschen so richtig und ist im Grunde auch kein Problem. Das es in einer von Männern beherrschten Welt wenigstens einmal in der Woche eine Kneipe in der Stadt gibt, in der frau ausgehen kann, ohne von selbigen beherrscht zu werden, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Es macht die Welt nicht viel besser, macht sie aber für die eine oder andere ein wenig angenehmer. (mehr…)

At a place called Vertigo

Dieser Text ist zuerst erschienen im Zusammenhang 19. Der Zusammenhang ist die hochschulpolitische Zeitung des Basisdemokratischen Bündnis Göttingen.

Ein neuer Gaul wurde ins Rennen geschickt: das Vertigo. Der neue Veranstaltungs- und Partykeller unter dem Verfügungsgebäude (VG) auf dem Hauptcampus der Universität soll der ADF einen Wahlsieg bescheren und wird entsprechend im Wadenbeißer und in der AstA-Revista als das neue, heiße Projekt verkauft. Wie Sauerbier. Denn so richtig vom Hocker reißen tut der Laden wohl niemanden. Shootingstars sehen anders aus.

Kein Wunder, stammt Vertigo doch vom lateinischen „Schwindel“ ab. Ebenfalls kein Wunder dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass der Name des Clubs gleichzeitig der Titel eines Horrorfilms von Alfred Hitchcock ist. Und auch der gleichnamige Song von U2, an dem der Titel wohl gebildet sein dürfte, passt ins Programm: „Lights go down/It‘s dark/The jungle is your head/Can‘t rule your heart“. Eine Kopfgeburt, die ihren geistigen Vätern als furchtbar wilde Sache vorkommen mag und für die sich außer dem zuständigen Sachbearbeiter Andreas Redeker niemand so recht begeistern mag.

Erinnern wir uns: um die Inneneinrichtung des Ladens zu finanzieren, musste der AstA den Semesterbeitrag um 2 Euro und damit um satte 25 % erhöhen. Zusätzlich hat die Uni noch mal eine Viertelmillion Euro in den Umbau des Kellers gesteckt. Begründet wurde dieser Kraftakt mit den vielfältigen Möglichkeiten, die dieser Raum für die Studierendenschaft bereithielte. Das sah die jedoch anders und so gab es recht bald eine von fast allen Fachschaften unterstützte Unterschriftenliste, in der sie deutlich klarmachten, das der Raum für sie keinerlei Attraktivität versprühe und sie ihn wohl auch nicht nutzen würden.

Die Liste der Kritik war seinerzeit lang: die Benutzung sei für studentische Gruppen zu teuer, mit nur einem Raum konzipierte Partykeller ohnehin nur für Nichtraucher*Innen-Parties geeignet. Der AStA zeigte sich davon unbeeindruckt und setzte sein Monument dennoch unter das VG. Schon bei der Eröffnungsparty wurde auch dem AstA bewusst, dass auch in diesem Fall nicht alles Gold ist, was glänzt. Da es keine beheizte Möglichkeit zum Rauchen gab, hatte sich ein überaus renitentes Individuum die Kippe doch glatt im Keller angezündet. Woraufhin umgehend die Polizei gerufen wurde. Auch der Vorwurf, die ADF wolle den Raum nur zu ihrem Privatvergnügen bauen, hat sich in gewisser Weise bewahrheitet. Auf der Eröffnungsparty nämlich gab es Freibier – allerdings nicht für die zahlenden Gäste, sondern für eine extra geladene Clique von Hochschulpolitiker*Innen.

Und so waren alle bisherigen Veranstaltungen im Vertigo bislang auch nur unter massiver organisatorischer Hilfe aus dem AStA zustandegekommen. Das großartige Kulturprogramm, das im wesentlichen aus Kartenspielabenden wie der Doppelkopfhochschulmeisterschaft, Konzerten von UniRoyal und Erasmus-Parties besteht, versucht krampfhaft den Anschein zu erwecken, als würde der Keller von der Studierendenschaft tatsächlich genutzt.

Schlechte Umsetzung mit System

Dieser Text ist zuerst erschienen im Zusammenhang 19. Der Zusammenhang ist die hochschulpolitische Zeitung des Basisdemokratischen Bündnis Göttingen.

Im Rahmen der Bachelor-Studiengänge läuft nicht immer alles rund. Das war auch in der letzten AstA-Revista zu lesen, der recht regelmäßig erscheinenden Zeitung des amtierenden AstA. Dort hatte die ehemalige Außenreferentin Imke Buß (ADF) ihre ganz persönliche Interpretation des Bologna-Prozesses dargestellt. Die Problemeinsbesondere mit dem Bachelor seien Folgen „schlechter Umsetzung“ im Grunde positiv zu bewertender Reformideen. Wir hätten es also mit Entscheidungen zu tun, „die eigentlich nicht im Sinne des Bologna-Prozesses sind“. 1Die von den politischen Entscheidungsträger*Innen verabschiedeten Erklärungen sprechen hier jedoch eine ganz andere Sprache. (mehr…)