At a place called Vertigo

Dieser Text ist zuerst erschienen im Zusammenhang 19. Der Zusammenhang ist die hochschulpolitische Zeitung des Basisdemokratischen Bündnis Göttingen.

Ein neuer Gaul wurde ins Rennen geschickt: das Vertigo. Der neue Veranstaltungs- und Partykeller unter dem Verfügungsgebäude (VG) auf dem Hauptcampus der Universität soll der ADF einen Wahlsieg bescheren und wird entsprechend im Wadenbeißer und in der AstA-Revista als das neue, heiße Projekt verkauft. Wie Sauerbier. Denn so richtig vom Hocker reißen tut der Laden wohl niemanden. Shootingstars sehen anders aus.

Kein Wunder, stammt Vertigo doch vom lateinischen „Schwindel“ ab. Ebenfalls kein Wunder dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass der Name des Clubs gleichzeitig der Titel eines Horrorfilms von Alfred Hitchcock ist. Und auch der gleichnamige Song von U2, an dem der Titel wohl gebildet sein dürfte, passt ins Programm: „Lights go down/It‘s dark/The jungle is your head/Can‘t rule your heart“. Eine Kopfgeburt, die ihren geistigen Vätern als furchtbar wilde Sache vorkommen mag und für die sich außer dem zuständigen Sachbearbeiter Andreas Redeker niemand so recht begeistern mag.

Erinnern wir uns: um die Inneneinrichtung des Ladens zu finanzieren, musste der AstA den Semesterbeitrag um 2 Euro und damit um satte 25 % erhöhen. Zusätzlich hat die Uni noch mal eine Viertelmillion Euro in den Umbau des Kellers gesteckt. Begründet wurde dieser Kraftakt mit den vielfältigen Möglichkeiten, die dieser Raum für die Studierendenschaft bereithielte. Das sah die jedoch anders und so gab es recht bald eine von fast allen Fachschaften unterstützte Unterschriftenliste, in der sie deutlich klarmachten, das der Raum für sie keinerlei Attraktivität versprühe und sie ihn wohl auch nicht nutzen würden.

Die Liste der Kritik war seinerzeit lang: die Benutzung sei für studentische Gruppen zu teuer, mit nur einem Raum konzipierte Partykeller ohnehin nur für Nichtraucher*Innen-Parties geeignet. Der AStA zeigte sich davon unbeeindruckt und setzte sein Monument dennoch unter das VG. Schon bei der Eröffnungsparty wurde auch dem AstA bewusst, dass auch in diesem Fall nicht alles Gold ist, was glänzt. Da es keine beheizte Möglichkeit zum Rauchen gab, hatte sich ein überaus renitentes Individuum die Kippe doch glatt im Keller angezündet. Woraufhin umgehend die Polizei gerufen wurde. Auch der Vorwurf, die ADF wolle den Raum nur zu ihrem Privatvergnügen bauen, hat sich in gewisser Weise bewahrheitet. Auf der Eröffnungsparty nämlich gab es Freibier – allerdings nicht für die zahlenden Gäste, sondern für eine extra geladene Clique von Hochschulpolitiker*Innen.

Und so waren alle bisherigen Veranstaltungen im Vertigo bislang auch nur unter massiver organisatorischer Hilfe aus dem AStA zustandegekommen. Das großartige Kulturprogramm, das im wesentlichen aus Kartenspielabenden wie der Doppelkopfhochschulmeisterschaft, Konzerten von UniRoyal und Erasmus-Parties besteht, versucht krampfhaft den Anschein zu erwecken, als würde der Keller von der Studierendenschaft tatsächlich genutzt.