Archiv für April 2009

Krise macht die Kranken fit

Während der Ruf „Wir zahlen nicht für eure Krise“ noch nicht abgeklungen ist, zieht das deutsche Proletariat bereits die Flügel ein. Trotz Grippewelle schleppen sich viele zur Arbeit – und meinen so, im anstehenden Entlassungs-Showdown bessere Karten zu haben:

„Der Krankenstand in den deutschen Betrieben ist nach Informationen von WELT ONLINE im ersten Quartal 2009 trotz Grippewelle weiter gesunken. Die Arbeitnehmer fehlten zwischen Januar und März laut den neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) 3,26 Prozent der Sollarbeitszeit – das ist der niedrigste Stand in den ersten drei Monaten eines Jahres seit der Wiedervereinigung. ( … )

Arbeitsmarktexperten machen vor allem die steigende Jobangst in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise für die sinkenden Krankenstände im ersten Quartal verantwortlich. Das Argument ist nicht neu, es wird seit Jahren als ein wichtiger Grund für rückläufige Fehlzeiten genannt. „In wirtschaftlichen Krisenzeiten haben die Beschäftigten mehr Angst, ihren Job zu verlieren. Tendenziell sinken in solchen Zeiten die Krankenstände“, sagte Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit.“ (Welt-Online)

Downtown Blues

Der Kapitalismus macht mal wieder einen Witz, über den keine*r so richtig lachen kann. Während Menschen, vorallem in den USA, aus ihren Wohnungen fliegen (die Immobilienkrise begann ja durch die Zahlungsunfähgkeit diverser Hausbesitzer*Innen) und die Wohnungen nicht selten seitdem leerstehen, ziehen die ehemaligen Bewohner*Innen jetzt in Zeltstädte:

Mehr dazu gibt’s hier

Übel: Alle 6 Sek. verhungert ein Kind

Kapitalismus, das ist die Gesellschaft, die alles zum Besten der in ihr lebenden einrichtet. Besser geht nimmer. Die „unsichtbare Hand des Marktes“ sorgt dafür, das wenn sich alle um ihren Kram kümmern, am Ende an alle gedacht ist. Schon Marx hatte darauf verwiesen, dass das wohl eher dazu führen würde, das sich alle gegenseitig bei der Verwirklichung ihrer Interessen behindern.

Da ist einiges dran und traurige Beispiele dafür stehen immer wieder in den Zeitungen. Kümmern scheint es unterdessen niemenschen:

Das größte Desaster, das die Welt derzeit erlebt, findet kaum Beachtung. Es ist eine permanente und stille Katastrophe, die der Uno-Sonderbeauftragte Olivier De Schutter in eine schockierende Zahl gefasst hat. Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind, sagte er am Montag vor einem Uno-Expertengremium. Nicht durch Krieg, Erdbeben oder Seuche, sondern weil es nicht genug zu essen bekommt. Insgesamt litten zurzeit eine Milliarde Menschen an chronischem Hunger.

Zehntausende Menschen sterben jeden Tag an dieser Unterernährung, und das ist nach Ansicht von De Schutter nicht das Ergebnis höherer Gewalt, sondern ein struktureller Mangel der Weltwirtschaft. Für die aktuelle Krise sei der Mensch selbst verantwortlich. Die globale Finanzkrise, die Energiekrise, die Folgen des Klimawandels, vor allem aber die starke Volatilität der Lebensmittelpreise seien Faktoren, die ausgerechnet die Armen der Welt am stärksten träfen. (Spiegel.de) (mehr…)

Going Twitter

Ich kann einfach keine sinnlose Web-Funktion ungenutzt an mir vorbeiziehen lassen:

http://twitter.com/Juli_

Ungleiche Gleichheit

Im postmodernen Kapitalismus soll alles vergleichbar sein. Neue Konzernstrategien wie etwa bei VW zielen darauf ab, die konzerninterne Arbeitsteilung dahingehend zu revolutionieren, dass ein steter Vergleich der Rahmendaten zwischen unterschiedlichen Produktionsstandorten möglich ist. Warenhausketten lagern mehr und mehr Vertriebssegmente an Tochterunternehmen oder Fremdanbieterinnen aus, falls die firmeninterne Statistik entsprechende Werte ausspuckt. Kennzahlenvergleiche und Budgetierung wurden in den letzten Jahren auch in kommunalen Verwaltungen und staatlichen Behörden eingeführt. Hier soll sich ebenfalls alles vor der Messlatte des Durchschnitts bewähren. Auch vor den Universitäten macht dieser Trend nicht Halt. Rankings zwischen einzelnen Universitätsstandorten gehören mittlerweile ebenso zum Alltag wie solche zwischen einzelnen Fachbereichen oder den Studierenden. Alles soll vergleichbar werden, doch das heißt nicht, dass alles gleicher würde.
Ganz im Gegenteil nehmen als Ergebnis dieser Prozesse die quantitativen Unterschiede zwischen den bewerteten Einheiten für gewöhnlich zu. Die Einkommensungleichheit wächst, die profitträchtigeren Unternehmensbereiche werden mehr und mehr gegenüber den weniger rentablen gestärkt und durch staatliche Förderprogramme werden die im Ranking erfolgreicheren Universitäten gegenüber den weniger erfolgreichen ökonomisch bevorteilt. Das ist kein Wunder: Denn dass ein Maßstab zum Vergleich existiert, ist eben nicht identisch damit, dass die Verglichenen gleicher würden. Das Vergleichbarmachen geht vielmehr mit einer verschärften Konkurrenz einher und beschleunigt die Sortierung zwischen denen, die mit den Spielregeln besser und jenen, die mit ihnen schlechter klarkommen. (mehr…)