Politik und Wirtschaft (1)

Kaum schreibe ich hier mal wieder was, schon holt die Realität mich ein. Das kleine bisschen Wirtschaftswachstum, das derzeit in den Medien gehypt wird, hatte ich auf die anstehende Bundestagswahl zurückgeführt. Das ist keine drei Tage her, und schon schreibt die Financial Times Deutschland, die ja nun nicht gerade als systemkritisches Blatt bekannt ist:

Eine Art Stillhalteabkommen zwischen Industrie und Regierung verhindert derzeit einen größeren Arbeitsplatzabbau in Deutschland. Der Pakt gelte bis zur Bundestagswahl am 27. September, erfuhr die Financial Times von mehreren Spitzenmanagern. „Deutschland ist momentan vor Veränderungen sicher. Aber nach der Wahl wird sich die Botschaft ändern. Das ist ganz normal“, sagte Hakan Samuelsson, Vorstandschef des Münchner Dax-Konzerns MAN.

Das Eingeständnis der Manager belegt Befürchtungen, dass den deutschen Arbeitnehmern die härtesten Einschnitte noch bevorstehen – auch wenn die Wirtschaft wieder zu wachsen beginnt. Bislang verzichten die meisten Unternehmen auf Stellenstreichungen.

Die Bundesregierung fördert diesen Kurs, etwa durch das milliardenteure Programm zur Kurzarbeit. Experten bezweifeln jedoch, dass die Wirtschaft diesen Kurs beibehalten kann: In puncto Produktivität haben die deutschen Unternehmen zuletzt deutlich an Boden verloren, vor allem im Vergleich zur US-Industrie, die die Krise zur Sanierung genutzt hat.

Den Angaben der Managern zufolge bestehen im Maschinenbau und der Automobilindustrie weiterhin hohe Überkapazitäten. „Mit Kurzarbeit lässt sich dem nicht beikommen, denn die Unternehmen haben richtig zu leiden“, sagte der Unternehmer Reinhold Würth. Samuelsson zufolge verliert Deutschland in vielen Fällen hinsichtlich notwendiger Umstrukturierungen kostbare Zeit. Die USA seien im Anpassen schneller. [Daniel Schäfer (Frankfurt) Richard Milne (London) und Birgit Marschall (Berlin) in der FTD vom 25.08.2009]


9 Antworten auf “Politik und Wirtschaft (1)”


  1. 1 crull 25. August 2009 um 14:26 Uhr

    Aha, deutsche Unternehmen leiden ganz dolle, solange sie das Leid nicht an Menschen weitergeben können. Was diesen Menschen allerdings zu Gute kommen wird, denn was gibt es Nützlicheres als Profit? Nichts!

  2. 2 Juli 25. August 2009 um 14:42 Uhr

    Wieso „aha“?

  3. 3 Entdinglichung 25. August 2009 um 16:10 Uhr

    kennt mensch irgendwo her, die Grosswerften haben 1983 ihre Massenentlassungen bzw. Betriebsstillegungen erst verkündet, nachdem die CDU bei den Wahlen im März die Bundestags- und schleswig-holsteinischen Landtagswahlen (Barschel „holte“ damals die absolute Mehrheit) gewonnen hatte um Kohls Aufschwung-Wahlkampf nicht zu stören

  4. 4 crull 25. August 2009 um 18:21 Uhr

    „Aha“, weil einem der Würth was sagen will, nämlich das, was bei mir nach dem „Aha“ steht. Auch wenn dieser Würth das SO sicher nie sagen würde.

  5. 5 Juli 25. August 2009 um 21:23 Uhr

    Welcher Würth auch immer…. ich jedenfalls kenne niemanden, der das sagen wollte, was hinter dem „aha“ steht. aber ich muss ja auch nich alle kennen…

  6. 6 crull 27. August 2009 um 17:47 Uhr

    Was sagt der Würth denn sonst?!

  7. 7 crull 27. August 2009 um 17:49 Uhr

    Was heißt überhaupt „Welcher Würth auch immer“? Lies halt, was und wen du zitierst, dann verstehst du auch, was man auf deinen Eintrag antwortet…

  8. 8 Juli 27. August 2009 um 22:49 Uhr

    ach da. jetze hab ichs auch.

    im zweifel allerdings fragt sich ja tatsächlich, was die leute „davon“, nämlich von lohnverzicht, hätten. wäre es ihr arbeitsplatz und damit die in dieser gesellschaft einzig akzeptierte garantie auf zumindest partielle teilhabe am gesellschaftlichen reichtum – wer würde es ihnen verdenken?

  9. 9 crull 04. September 2009 um 14:52 Uhr

    Mit einiger Verspätung meine Antwort: Eine Verschlechterung schlechter Verhältnisse bleibt halt eine Verschlechterung schlechter Verhältnisse. Nämlich bedeutet Lohnverzicht nichts anderes als die (im noch „besten“ Fall“ zeitlich beschränkte) Aufgabe der elenden Möglichkeit der „Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum“, kann also nie jemandem zu Gute kommen, der ja gerade auf den Lohn, auf den er verzichtet, angewiesen ist. Andersrum, also bei Steigerung des Lohnes, kommt einem allerdings auch nichts zu Gute, außer vom verqueren Standpunkt des Kapitalismus-Fans aus, dem ein erweiterter Zugriff auf ges. Reichtum ungeachtet des ganz grundsätzlich weiterhin existierenden Ausschlusses von diesem vorkommt als Wohltat – oder eben gerechter Lohn. Sowas nennt man ver-rückt (Es sei denn, man ist Psychologe).

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