Politik und Wirtschaft (2)

Das Verhältnis von Wirtschaft und Politik ist – durch die Krise ungetrübt – ein stetig gutes. Beide verfolgen ein recht ähnliches Interesse – die Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung – und stehen sich daher auch gerne solidarisch zur Seite. Neulich etwa ging ein Fall durch die Presse, gemäß dem die Anwaltskanzlei für Kreditrecht Linklaters für das Bundeswirtschaftswirtschaftsministerium ein fachbezogenes Gesetz erstellte – ganz uneigennützig freilich. (1|2)

Pünktlich zur Bundestagswahl kann nun die CDU erneut mit einem derartigen „Skandal“ aufwarten. In den Räumen der hochgeschätzten Bundeskanzlerin nämlich durfte Joseph Ackermann, seineszeichens Chefantreiber bei der Deutschen Bank, sein 60-jähriges Erdenjubiläum begehen:

Am 22. April 2008 traf sich eine illustre Runde von 30 Personen im Kanzleramt, um den runden Geburtstag eines Mannes aus ihrer Mitte zu feiern. Eingeladen hatte kein geringerer als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der am 7. Februar 2008 genau 60 Jahre alt geworden war – und der seinen Geburtstag gern im Kanzleramt nachfeiern wollte. ( … )

Offenbar hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstselbst dem Manager Ackermann, Chef einer privaten Bank, die Offerte unterbreitet, ihre Amtsräume für die private Feier zu nutzen. So stellte es zumindest Ackermann dar. In einem Interview für eine ZDF-Sendung am 11. August plauderte er nebenbei auch über den feuchtfröhlichen Abend und wie es dazu gekommen war. ( … )

(Die Pressestelle der Kanzlerin lies verlauten,) die Kanzlerin habe Ackermanns 60. Geburtstag „vielmehr zum Anlass genommen“, an besagtem Dienstag, 22. April 2008, im „repräsentativen Bereich ihres Kanzlerbüros“ ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten.

Ein Abendessen der Kanzlerin also, bei dem die Gästeliste vom Geburtstagskind zusammengestellt wurde. Eine Feier im Dienste der Gesellschaft, mit dem mächtigen Finanzmanager Ackermann, der damals noch das volle Vertrauen Merkels genoss. Übrigens eine Ehre, die sonst keinem anderen in den vergangen vier Jahren zuteil wurde, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht.(sueddeutsche zeitung)


1 Antwort auf “Politik und Wirtschaft (2)”


  1. 1 Thiel Schweiger 25. August 2009 um 18:16 Uhr

    Im „Spiegel“ gabs mal ne nette Geschichte, in der klar dargestellt wurde, dass es regelmäßig im Kanzleramt kleine Abendessen gibt, bei denen Ackermann und andere Größen aus Wirtschaft und Gewerkschaften miteinander in ungezwungener Runde über neue Gesetzesvorhaben plaudern. Die Skandalisierung dieses einen Ereignisses ist in diesem Sinne völlig lächerlich – es handelt sich hier wiedereinmal um die Spitze des Eisbergs. Dagegen, dass die Führer der Wirtschaft der Kanzlerin mit Rat und Tat zur Seite stehen hat ja an sich niemand etwas.

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