Kein Boden

Optimist*Innen gehen bereits wieder von einem sich stabilisierenden Mini-Wachstum nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland aus. Auch die Erwartungs-Indizes wie der Ifo-Index ziehen wieder an. Dabei steht der Tiefpunkt zumindest was Arbeitsplätze und Binnennachfrage angeht noch bevor.

Zum einen ist in Deutschland anfang September die Abwrackprämie ausgelaufen. Zwar ist im letzten Monat noch mal die Zahl der Neuzulassungen von Autos ganz ordentlich gewesen, doch im Grunde im wissen alle, dass auch das nur Spätfolgen der Abwrackprämie sind. Entsprechend sind bereits deutliche Rückgänge beim Auftragseingang zu verspüren und auch der für den deutschen Export nicht unwichtige US-Markt schrumpft ordentlich. Ein Minus von gut 22% musste die Branche verzeichnen. Auch hier ist das entsprechende Förderprogramm unlängst ausgelaufen.

Ein anderer Grund für die bislang nicht eingetretene Entlassungswelle ist die Kurzarbeit. Dazu hat die IG Metall unlängst einige Rahmendaten zusammengetragen:


Während die gesamtwirtschaftliche Produktion im letzten Quartal 2008 und ersten Quartal 2009 saisonbereinigt insgesamt um sechs Prozent schrumpfte, ging die Zahl der Erwerbstätigen gerade einmal um 0,5 Prozent zurück. ( … )

Während es im Oktober 2008 nur 71.000 Kurzarbeiter gab, bezogen im März 2009 bereits mehr als 1,2 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld. Das tatsächliche Ausmaß der Kurzarbeit lässt sich allerdings nur über die konkreten Ausfallzeiten ermitteln. Laut Bundesagentur für Arbeit fiel bei den Kurzarbeitenden über ein Drittel der regulären Arbeitsvolumens (34,5%) aus. Umgerechnet entsprach das einem Arbeitsausfall von gut 430.000 Vollzeitbeschäftigten. (Wirtschaft aktuell)

Dazu kommt noch das Problem, das die Industrie bereits seit Jahren mit riesigen Überkapazitäten durch die gegend wirtschaftet. Überkapazität heißt: da ließe sich mehr herstellen und verkaufen, als tatsächlich über den Ladentisch wandert. Und das in nicht unbeträchtlichem Ausmaß:


„Die weltweite Produktionskapazität der Autoindustrie beziffern Experten für 2009 auf mehr als 90 Millionen Autos – doppelt so viele wie der voraussichtliche Absatz. „Die Überkapazitäten werden allerdings weitgehend ignoriert“, weiß Uwe Röhrig, Inhaber der Berliner Automobilberatung ICC International Car Concept .“

Für andere Branchen gilt das ganz ähnlich. Thyssen-Krupp hat gerade aufgrund der Überkapazitäten auf dem weltweiten Stahlmarkt die Stahlproduktion gesenkt.

Es steht also nicht gut durch für die Wirtschaft. Bislang konnten die Folgen des dramatischen Wachstumsrückganges nur durch eine immense Aufblähung der staatlichen Ausgaben aufgefangen werden. So schreibt Tomasz Konicz nicht zu unrecht:


„Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) [extern] beziffert den weltweiten Umfang der staatlichen Konjunkturhilfen auf rund drei Billionen US-Dollar. Dieser gigantische staatliche Nachfrageschub entspricht laut IfW ca. 4,7 % des Welteinkommens. ( … ) Angesichts dieser teilweise gigantischen Aufwendungen scheint ein Wirtschaftswachstum, wie es beispielsweise in Japan oder den USA realisiert wurde, doch äußerst bescheiden. ( … ) Offensichtlich findet nur dort eine konjunkturelle Erholung statt, wo die konjunkturellen Aufwendungen des Staates hoch genug sind.“
(Hurra, der Pseudo-Aufschwung ist da)

Dauerhaft lässt sich eine solche Subvention nicht durchhalten, das ist klar. In Deutschland geht es nach der Wahl ja nun auch darum, die entsprechenden Einschnitte bei den Staatsausgaben vorzunehmen. Davon allerdings wird die Wirtschaft auch nicht wieder anspringen, ganz im Gegenteil. Es bleibt also lediglich die Hoffnung auf die näxte Blase. Wo die herkommt werden wir sehen. Die Zeiten selbsttragenden Wirtschatswachstums scheinen jedenfalls vorbei zu sein…