Wissenschaft oder Fabrik?

In den derzeitigen Bildungsprotesten wiederholt sich einiges von dem, was es schon häufiger gab. Das gilt für die Aktionsformen wie für die Widersprüchlichkeit der studentischen Forderungen. Fast fühlt mensch sich an den guten alten Adorno erinnert, der bereits 1968 bemerkte:

„Auf der einen Seite handelt es sich um eine wirklich emanzipatorische Bewegung, die dazu führen möchte, daß der Gedanke nicht gegängelt wird, daß den universalen Zwängen der Anpassung, wie sie die Gesellschaft ausübt und wie sie von der Kulturindustrie nun auch noch verwaltet werden, so etwas wie die Bildung von autonomer [Urteils]kraft gegenübergestellt wird. Und diese Erwägungen führen dann über das bloß Institutionelle der Universität hinaus und werden zu einer Kritik einer Gesellschaft, die, indem sie die Menschen in stets wachsendem Maß integriert – wie man das so nennt – gleichzeitig den Menschen ihre Möglichkeit unterschlägt. ( … ) Gleichzeitig aber und neben diesen in einem sehr weiten und keineswegs bloß innerwissenschaftlichen Sinn emanzipatorischen Tendenzen ( … ) findet sich eine zweite, gar nicht deutlich davon geschiedene, die, da es nun einmal um Vernunft gehen soll und um vernünftige Einrichtung, das, was Horkheimer die ‚instrumentelle Vernunft‘ nennt und als instrumentelle Vernunft kritisiert hat, völlig in das Zentrum stellt und die eigentlich darauf hinausläuft, die Universität zu verschulen, sie zu einer Fabrik von Menschen zu machendie die Ware Arbeitskraft in möglichst rationeller Weise hervorbringt und die Menschen befähigt, ihre Ware Arbeitskraft gut zu verkaufen; eine Tendenz, die ihrerseits notwendig gerade auf Kosten jener Autonomie-Bewegung geht, die Ihnen gleichzeitig als Ideal einer solchen Reform vorschwebt.“ (Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, S. 100f)