Archiv für März 2010

Bürgerliche Kälte am Beispiel von Stuhl und Kartoffel

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Menschen Dinge als Waren produzieren und tauschen? Es tut ihnen nicht gut. Sie müssen sich selber und alle anderen als bl0ße Funktion für das je andere Bedürfnis anerkennen. Sie müssen einander – strukturell – fremd bleiben, dürfen sich füreinander nicht interessieren. Vieles von dem, was die Moderne an Unannehmlichkeiten bereithält, lässt sich daher bereits auf dieser Ebene der ‚Kritik der Politischen Ökonomie‘ analysieren und kritisieren. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat den damit einhergehenden Irrsinn Ernst Lohoff, der damit gleichzeitig ein brilliantes Stück Sekundärliteratur zur Wertformanalyse hervorgebracht hat: (mehr…)

Arm, aber mutig

(Der nachfolgende Text wurde in einer gekürzten und leicht veränderten Version in der Jungle World 08/2010 veröffentlicht.)

Der Kapuzinermönch richtet seinen besorgtem Blick in die Kamera: Viel zu viele Jugendliche in Deutschland lebten in zu großer Not, hätten keine Arbeit und kein zu Hause. Deshalb, so Bruder Paulus, unterstütze er das Europäische Jahr 2010, weil es die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben fordere. Die Kamera zoomt dichter an den Geistlichen heran. Alles im Auftreten des Bettelmönchs ist auf einen Effekt aus: der sorgsam einstudierte Text, der mitfühlende Blick, das aufmunternde Nicken beim Sprechen, die sorgsam eingestreuten Vokabeln aus einer vermeintlichen Alltagssprache von Jugendlichen: es soll Lebensnähe und Fürsorglichkeit, Kompetenz in der Sache und Ernsthaftigkeit im Anliegen gleichermaßen zum Ausdruck bringen. (mehr…)