Multikulti vs. Blitzkrieg

Ganz D-Land ist im Fußballfieber. Dabei zeichnet sich das Gefeiere und Fahnengeschwenke durch eine seltsame Mischung aus Tradition und Postmodernität aus. Beispielhaft dafür stehen die „10 Gründe, warum wir England schlagen“, wie mensch sie neuerdings bei Web-De nachlesen kann. Greifen wir uns einen beliebigen Punkt heraus, etwa die Nummer fünf:

5. Multikulti-Verwirrungstaktik

Boateng auf Özil, Özil weiter auf Khedira, Khedira auf Cacau, Tor Cacau. Solange Schweinsteiger, Mertesacker und vor allem Müller nicht an den Ball kommen, merken die Engländer überhaupt nicht, dass sie gegen das neue, multikulturelle Deutschland spielen und werden daher genauso unmotiviert und hilflos auftreten wie gegen Algerier namens Boudebouz, Guedioura oder Belhadj.

Die deutschen sind jetzt „multikulturell“, scherzt Web und weiß doch immer, dass das nur ein Scherz ist. Denn das Özil, Khedira und Cacau keine „richtigen“ Deutschen sind, sondern eher Leute die was mit algerischen Fußballstpielern denn mit deutschen Staatsbürgern zu tun hätten, ist für den gemeinen Internetredakteur eine Selbstverständlichkeit. Besonders deutlich wird das dann, wenn wir diesen Punkt kontrastieren mit Grund Nummer drei:

3. Die Panzer
Ja genau, liebe englische Yellow Press. Genau so, wie Ihr es vor dem Achtelfinale wieder ganz richtig schreiben werdet, holen wir jetzt wieder die Pickelhaube aus dem Koffer, ziehen die Panzerketten noch einmal stramm und blasen dann im Stechschritt zum Blitzkrieg.

Auf solche Ideen kann natürlich nur die Yellow-Press kommen, das die Deutschen mit Panzern durch die Gegend fahren und Zivilist*Innen abschießen würden. (In Wirklichkeit stoppen die Deutschen den Panzer, bevor sie schießen.) Das Yellow Press nix anderes ist als Boulevardjournalismus (aber auf englisch viel extravaganter klingt, so als gäbe es derlei in Deutschland gar nicht) und auch die Web-Onlineredaktion nicht viel mehr als eben das auf die Reihe kriegt, fällt bei so viel Dreistigkeit schon fast gar nicht mehr auf. Aber immerhin wissen wir jetzt, warum bei der Fußball-Berichterstattung so viele Kriegs- und Kampfmetaphern vorkommen. Das es sich auch hier eher um die eigene als die britische Wahrnehmung handelt, lässt sich übrigens im (fast) gleichnamigen Sun-Artikel nachlesen. Da tauchen Panzer nämlich nicht wirklich auf…


2 Antworten auf “Multikulti vs. Blitzkrieg”


  1. 1 cyberpunk 25. Juni 2010 um 12:25 Uhr

    Och, die „Presse“ auf der Insel ist hin und wieder auch sehr einfallsreich. Stammte aus dem englischen „Daily Star“. Bis zum Spiel am Sonntag lässt die BILD dann hoffentlich auch noch ihr „Niveau“ aufBLITZen und titelt:“Wollt ihr die totale WM?“

  2. 2 savethegreenplanet 11. Juli 2010 um 12:31 Uhr

    echt zum kotzen dieser nationalismus im fussball. die massen nehmen es aber scheinbar gerne an- endlich mal wieder deutsch sein dürfen und flagge zeigen.
    hat sich also doch nicht viel verändert seit den zeiten roms, wo es hieß „brot und spiele fürs volk“. so verhindert man, das das „volk“ die wirklichen probleme wahrnimmt, wie krieg und die eigene unzufriedenheit.
    das „brot“ wäre dann übrigens die sozialleistungen. jeder bekommt wohnung, essen und nen fernseher. der alte bismark hatte bei der einführung der sozialgesetze, ja auch die stabilisierung des staates im sinn.
    naja solange die massen diesen scheiß schlucken, bleibt einem nicht viel mehr als kopfschütteln, oder irgendwie aufrütteln.
    ^^

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