Archiv für August 2011

Turboabi

Die taz gibt die Frage der Woche aus: „Schadet das Turbo-Abi den Kindern?“ fragt die Bild tageszeitung und bittet um reaktionen. Hier ist meine:

Bei der Frage, ob das Turbo-Abi den Kindern schadet, soll es sich um die „Frage der Woche“ handeln. Aber wer bitte soll sich darum streiten? SchülerInnen, die sich ihre Jugend freiwillig mit Bulimie-Lernen versauen, sind äußerst rar gesät. Und auch LehrerInnen, die Spaß dabei haben, Kindern Dinge beizubringen, die diese mangels Zeit ohnehin nicht verarbeiten können, haben offensichtlich ihren Job verfehlt.
Für das Turbo-Abi sind in aller Regel nur Leute, die nicht wissen, worum es geht. Es erscheint ihnen als kluger Schachzug, in Zeiten von Globalisierung und Wissensgesellschaft den Nachwuchs ein Jahr früher als bisher in die freie Wildbahn zu entlassen. Auch einige besonders emphatielose Eltern mögen das für einen Konkurrenzvorteil der eigenen Brut halten.
Wer hingegen die Augen aufmacht und sieht, wie sich die SchülerInnen hier schon in frühen Jahren aufreiben, mit Burn-Out und Depressionen schon vor dem Abitur gesegnet werden und für die Vielfalt außerschulischer Bildungsmöglichkeiten, vom Sportverein über den Musikunterricht bis hin zum Engagement in Jugendverbänden keine Zeit mehr haben – der kann nicht ernsthaft behaupten, an dieser Frage gäbe es substantiell etwas zu diskutieren.