Der Glaube an die Zukunft

Schlimm muss es stehen für den Kapitalismus, wenn die Financial Times Deutschland sich bemüßigt fühlt, einen fiktiven Brief von Adam Smith (tatsächlich geschrieben von David Rubenstein zu publizieren, in dem dieser seinen Glauben an den Kapitalismus bekräftigt: Mein Glaube an den Kapitalismus ist unerschütterlichspricht der Altmeister und fügt hinzu:

Was ist nur aus meinem geliebten Kapitalismus geworden? Länder wanken, Proteste grassieren, Arbeitslosenzahlen vervielfachen sich. Es gibt Defizite allerorten, und die Tugenden des Kapitalismus stehen infrage. Ausgehend von ein paar Hundert Jahren der Beobachtung hege ich einige neue Gedanken, wie dieses System noch ein paar Hundert Jahre mehr erhalten werden kann„.

Die Terminologie ist treffend gewählt: Um Glauben muss es sich schon handeln, wenn wir uns ansehen was Adam Smith alias David Rubenstein als Lösung der Krise vorschlägt. Vier Punkte zählt er auf, die sofort angegangen werden müssen: (1) die Rettung der EU, (2) Schuldenabbau in den USA, (3) die Integration der Schwellenländer sowie (4) den Ausbau des Bildungssystems.

Nun fragen wir uns also, ob nicht die Rettung der EU und der Ausbau des Bildungssystems genau die Gelder kosten, die im Rahmen des Schuldenabbaus gespart werden sollen. Mit ziemlicher Sicherheit hackt die eine Krähe hier der anderen ein Auge aus – falls überhaupt noch eins übrig ist.

Und, auch das sollte nicht unerwähnt bleiben: der Brief könnte tatsächlich von einem der Klassiker stammen, wiederholt er doch einen der größten Fehlannahmen der ökonomischen Klassik: Ökonomie existiert bei hiernicht als System der Konkurrenz, sondern als friedliches Nebeneinander. Wie David Ricardo schon in der Theorie der komparativen Kostenvorteile ausgeführt hat, handelt es sich beim Kapitalismus für ihn um ein Spiel, bei dem alle gewinnen können. Das er dies anhand eines Beispieles erläutert, das eher einer sozialistischen Planwirtschaft als dem freien Markt entspricht, hat die Wirtschaftsweisen noch nie sonderlich gekümmert. Und auch hier ist diese Denke mit dabei: wenn alle Staaten das Richtige tun (hier: ihre Bildungsausgaben steigern), dann werden auch alle Staaten gewinnen. Verlieren tun nur die, die ihre Bildungsausgaben icht genug steigern. Was dann hinterher immerhin die Ausrede ermöglicht, sie hätten sich nicht genug angestrengt.