Made in Wo-auch-immer

Globalisierung ist schon eine lustige Sache. Seit die industriellen Absatzmärkte in den 70er Jahren angefangen haben, das grenzenlose Wachstum in tendenzielle Stagnation umzuwandeln, versuchen Unternehmen auf immer neuen Wege, ihre Gewinne zu maximieren. So wird beispielsweise versucht, durch Ausgliederung einzelner Produktionssparten Vorprodukte billiger herzustellen. Wenn also bestimmte Teile des Produktes im Ausland billiger hergestellt werden können, dann freut das die unternehmerische Kalkulation. Die ganzen Einzelteile werden dann nach Deutschland zurückgekarrt und hier zusammengesetzt. Hinter wird das Siegel „Made in Germany“ draufgesetzt und alle Welt freut sich über die gute deutsche Wertarbeit – auch wenn die in weiten Teilen gar nicht aus Deutschland kommt.

Ein solches Vorgehen führte in einem anderen Fall vor kurzem zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung: da die EU Zölle auf Waren aus Nordkorea erhebt hat ein deutsches Unternehmen geklagt, dass solche Waren einführen wollte: selbige würden in Nordkorea doch lediglich zusammengesetzt, die ganzen Einzelteile hingegen stammten aus China. Und da sei es doch ungerecht, darauf gesonderte Zölle zu erheben. Das Gericht gab der Klage statt und die EU-Kommission überlegt nun, die Regelungen zum sog. Warenursprungsrecht zu verändern. Nur wenn mindestens 45% des „Wertprodukts“ aus einem Land stammen, soll es diesem zugerechnet werden können. Damit wären die koreanischen Unternehmen fein raus – die Marke „Made in Germany“ hingegen stünde vor dem aus.

Das wiederrum findet die deutsche Industrie gar nicht lustig. Wenn zwar nicht ganz die Hälfte der Produktion, aber immerhin doch fast die Hälfte in Deutschland stattfinden müsse, um auf eine Ware den Hinweis „Made in Germany“ kleben zu dürfen, dann würde dies die KonsumentInnen verwirren:

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hat die EU-Kommission davor gewarnt, durch neue Regeln die Existenz des „Made in Germany“-Labels zu gefährden. „Mit der geplanten Änderung gerät das Label ,Made in Germany‘ in Gefahr. Denn wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann „Welt Online“.

Dies wäre, so Driftmann, ein „immenser Schaden“ für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher, denen eine wichtige Orientierungshilfe fehle. Hintergrund der Äußerungen sind Pläne des zuständigen EU-Kommissars Algirdas Semeta, wonach Produkte nur dann noch den Hinweis „Made in Germany“ tragen dürfen, wenn mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen. (Die Welt)

Wer oder was als deutsch gilt und wer oder was nicht, ist offensichtlich noch immer eine wesentliche Frage deutscher Politik.