Archiv für Februar 2012

Die Exit! kommt demnäxt mit einem neuen Heft heraus, indem sich auch ein Text von Elmar Flatschart zu Fragen der Umsonstökonomie befindet.

Handreichung zur Kleiderordnung

Muss es die Klasse sein, die kämpft?

earendil hat in einem Kommentar die Frage aufgeworfen, was denn diese Kritik an Personalisierungen immer solle und ab da nicht die berechtigten Momente des Klassenkampfes hinten runterfallen:

Grundsätzlich kann ich aber die wertkritische Aversion gegen alles, was nach personalisierter Kapitalismuskritik riecht, nicht verstehen. Die Konzentration auf die allgemeinen Formprinzipien des Kapitalismus darf nicht den Blick auf die Klassenherrschaft verstellen, und es darf auch nicht jede Wut auf die herrschende Klasse oder auch konkrete Vertreter_innen davon als Vernichtungswunsch denunziert werden.

Leider komme ich grade nicht dazu, das ausführlich zu kommentieren, aber eine erste Idee, warum das so ist, gibt vielleicht dieser wenn auch sehr improvisierte Einführung in diese Fragestellung, die Norbert Trenkle mal auf dem Um’s Ganze-Kongress gehalten hat und der auch hier heruntergeladen werden kann:

In diesem Sinne möchte ich also in keinster Weise die Notwendigkeit sozialer Kämpfe in Frage stellen – die ergibt sich ja bei der Alternative von Emanzipation und Barbarei fast von alleine. Es bleibt eben nur die Frage, warum es denn unbedingt die Klasse sein soll, die da kämpft. Und wogegen sie denn kämpfen sollte, wenn sie dies schon als Klasse tut. Und ob das Bild dahinter nicht ein bisschen einfach ist und übersieht, dass Kapitalismus eben nicht einfach zwischen oben und unten verläuft und die Menschen sich fein säuberlich auf zwei Seiten der Barrikade aufstellen. Sondern das Herrschaft eine etwas kompliziertere Sache ist, die mitten durch die Subjekte hindurchgeht und deshalb zu ihrer Überwindung mehr braucht als die „Wut auf die herrschende Klasse“.

Und, auch das nur nebenbei, den Vernichtungswunsch brauche ich ja gar nicht zu erfinden. Den schreiben die Autor*Innen des traditionellen Marxismus ja seit jahrzehnten selber und teilweise wortwörtlich in ihre Texte hinein. Und zwar mit einer Kontinuität, die einigermaßen erschreckend ist.

Zur Konstruktion von Geschlechterstereotypen in der Alltagskultur: If male superhero costumes were designed like female superhero costumes

The evil is always and everywhere

(Motto frei nach der 1. Allgemeinen Verunsicherung)

Drei mal habe ich nun schon in der Sache Schramm geschrieben. Eine Frage ist nun in dieser Auseinandersetzung offen geblieben, die allerdings ein weites Feld aufstößt: die Frage nämlich, was denn an dem Kritik-Konzept von Georg Schramm und dem, was er an der Wirtschafts- und Finanzkrise zu krititisieren hat, schlichtweg analytisch falsch ist. Das Ansinnen ist sicherlich nicht ganz unproblematisch, da einen Kabarettisten an politischer Theorie zu messen immer auch die Ansprüche der politischen Theorie (die Welt zu erklären) auf die Ansprüche des Kabarett (die Welt auf scharfzünnig-witzige Weise zu kritisieren) überträgt. Doch mir scheint, das die vom Kabarett ja durchaus angestrebte Gesellschaftskritik sich durchaus daran messen lassen muss, ob sie etwas mit der Realität zu tun hat. Sonst hieße es ja Science Fiction(mehr…)

Mutig, mutig, so eine Bewerbung.

Der autoritäre Mob

Es gibt Zitate, würden sie nicht gepostet, müsste mensch sie erfinden. Aber sie werden wirklich gepostet. In der Kommentarspalte. Hier auf diesem Blog. Und weil es so schön ist, hier ein Best-Of.

Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Ausgangssituation: Ich hatte auf einen deutschen Kabarettisten hingewiesen, der gegen explizit nichtchristliche „Geldverleiher“ polemisiert hatte, die er als „parasitär“ bezeichnet hatte, weil sie sich in einem „Wirtstier“, das sind nämlich „wir“, eingenistet haben. Meine Frage, ob das irgendwas mit Antisemitismus zu tun haben könnte, blieb bis zum Ende der Diskussion heißumstritten. Eine inhaltliche Einordnung zu der Frage, die ich einen Tag später verfasst habe, ist derweil bislang unbeantwortet geblieben. (mehr…)

Antisemitismus und Kapitalismuskritik

Als ich gestern einen Beitrag zu Georg Schramm und dessen Äußerungen über parasitäre nichtchristliche Geldhändler verfasst habe, hatte ich zwar bereits mit Kritik gerechnet, nicht aber mit der, die da kam. Gerechnet hatte ich mit dem Hinweis auf die strukturelle Bedeutung von Antisemitismus für die Konstitution der deutschen Nation und flapsigen Bemerkungen wie „Hier wächst zusammen was zusammen gehört“. Nicht gerechnet habe ich damit, dass sich tatsächlich Menschen hinstellen und da keinerlei Nähe zum Antisemitismus sehen wollen. Und weil sich das in Kommentarspalten immer nur halb verständlich machen lässt, hier ein etwas weiter ausholender Versuch der Systematisierung. Ich werde dabei zunächst etwas allgemeiner auf Funktionsweisen des Kapitalismus (I) und damit verbundene Ideologiebildungen (II) eingehen und sodann derenUnterschiede im Detail untersuchen (III). Dabei bitte ich immer zu beachten, das es sich hierbei um einen Blogbeitrag und nicht um eine Doktorarbeit handelt ;-) (mehr…)

Ein Antisemit als Bundespräsident?

So langsam wird es zur Selbstverständlichkeit: schon wieder ist ein Bundespräsident abgetreten worden. Das wäre nicht weiter schlimm, würde nicht alle Welt rumheulen, damit würde „das Amt“ beschädigt. Bis in die Linkspartei hinein gibt es die Furcht um das Ansehen Deutschlands in der Welt. So weit, so schlecht – und wie so oft hat alles wesentliche Hermann L. Gremliza bereits dazu gesagt:

(mehr…)

Wohnungsnot und Jugendprotest

Bereits vor längerer Zeit hatte ich in einem Beitrag auf Wohnungslosigkeit als Folge der Immobilienkrise von 2007/2008 hingewiesen (nämlich hier und hier. Die Geschichte geht immer gleich: Kredit aufnehmen, arbeitslos werden, Kredit nicht bedienen können, Wohnung wird geräumt, Betroffene wohnen in Zeltstädten oder alten Lagerräumen oder auf der Straße. Die Wohnung steht derweil leer. Nicht, weil sie prinzipiell unbenutzbar wäre. Sondern weil die Kette Gehalt – Geld – Wohnung nicht mehr funktioniert. Sehr anschaulich wird das auch in diesem eher bewegungspolitisch ausgerichtetem Beitrag über Jugendproteste in Spanien: