Krisenerklärung kurz und knapp


6 Antworten auf “”


  1. 1 rhizom 08. März 2012 um 9:53 Uhr

    Das erklärst du mir mal: Zu wenig Wert hat zu wenig Kaufkraft zur Folge, um diesen zu wenigen Wert zu realisieren? Das ist doch Bullshit. Die andere Erklärung macht doch viel mehr Sinn: Die seit den 80er Jahren stagnierenden Löhne werfen die Frage auf, wer die ganze Scheiße eigentlich noch konsumieren soll.

    Die New York Times hat auf zwei Kompensationsstrategien für die im Verhältnis zur Wertschöpfung immer niedrigeren Löhne hingewiesen, welche jetzt beide an ihre Grenze gestoßen sind: private Verschuldung (aber irgendwann kann man die Zinsen nicht mehr zahlen!) und zunehmende Erwerbsarbeit von Frauen (die aber dummerweise auch Wert erzeugen, das Realisationsproblem also nicht entschärfen und überdies fast schon alle berufstätig sind!).

    Bumm, eine „finale“ Krise des neoliberalen Akkumulationsregimes! (Den Kapitalismus selbst stürzt nicht die Krise, sondern nur die Arbeiterklasse.)

    Ansonsten bleibt noch anzumerken, dass die aus den 80er Jahren stammende Diagnose von einer „zunehmemenden Freisetzung von Arbeitskräften“ schon lange nicht mehr glaubhaft ist. Die Beschäftigtenquote ist durch den Anstieg der Frauenerwerbsarbeit heute auf einem Allzeithoch, und durch die niedrigen Löhne hatte der Arbeitsmarkt – gerade in den USA – auch wenig Probleme damit, diese zusätzlichen Arbeitskräfte zu absorbieren.

    Von vollautomatischen Fabriken wie früher VW in Wolfsburg redet heute kein Mensch mehr; stattdessen wird die Lebensarbeitszeit immer weiter verlängert. Wer wollte auch teure Maschinen kaufen, wo es billige Menschen gibt? Nur dummerweise können billige Menschen halt nichts kaufen…

  2. 2 bigmouth 08. März 2012 um 13:11 Uhr

    die globale anzahl von kapitalistischen beschäftigungsverhältnissen hat ein rekordhoch erreicht. die steigt auch seit 1985 andauernd. da wird doch offensichtlich, dass krisis/exit was falsch verstehen

  3. 3 Benni 08. März 2012 um 15:40 Uhr

    @bigmouth: Na das alleine ist ja noch kein Argument, wenn gleichzeitig die Reallöhne sinken. Mit Statistik alleine kommt man da glaube ich nicht wirklich weiter (ohne jetzt zu wissen, ob Kurz recht hat oder nicht).

  4. 4 bigmouth 11. März 2012 um 13:39 Uhr

    kurz schreibt aber, es würde „mit immer weniger Arbeitskraft“ produziert, und es sei „zu viel Arbeitskraft überflüssig“. aber das stimmt so halt nicht

  5. 5 Juli 11. März 2012 um 15:14 Uhr

    @bigmouth

    das mag ja nicht falsch sein, dass es so viele kapitalistische beschäftigungsverhältnisse gibt wie noch nie. nur ist damit ja relativ wenig gesagt. denn die produktion von wert erfolgt ja bekanntlich immer auf grundlage des (heute welt-)gesellschaftlichen durchschnitts. und da kann es eben sein, dass die arbeit von billiglöhner*Innen auf dem trikont mit der von hochindustrialisierten arbeitsplätzen in mitteleuropa oder nordamerika messen muss. insofern ist es natürlich eine strategie, der objektiven überflüssigkeit von arbeitskraft (die ja gleichzeitig notwendig bleibt, nur auf einer anderen ebene) durch billigproduktion zu niedrigstlöhnen unterhalb des produktivitätsniveaus zu reagieren. nur ist dass dann eine verlaufsform des problems objektivenüberflüssigseins und kein gegenargument.

  6. 6 Juli 11. März 2012 um 15:19 Uhr

    @rhizom

    der einbruch der wirtschaft in den 1970er Jahren war nur unglücklicherweise vor dem beginn der neoliberalen wirtschaftspolitik und des von ihr vorangetriebenen krisenlösungsversuchs durch senkung der reallöhne. interessanterweise gab es ja direkt davor sogar eine massive ausweitung der staatstätigkeiten (auch und gerade in den usa), die heute geradezu als sozialistisch durchgehen würde. erst als dieser plan gescheitert ist, sind die eliten auf den neoliberalen deredulierungskurs eingeschwenkt.

    zu der these mit der zunehmenden beschäftigung habe ich ja eben schon was gesagt. ein anderer aspekt, gerade was die beschäftigungsverhältnisse in den metropolen angeht, wäre dann die verteilung auf unterschiedliche wirtschaftssektoren. hier wäre dann zu fragen, ob und inwieweit diese als produktive arbeit darstellbar sind – oder ob in den entsprechenden bereichen nicht eher das anderswo produzierte wertprodukt verzehrt wird.

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