Enteignung sozialer Kämpfe

Wie immer, wenn weiße, männliche Deutsche demonstrieren, war auch auf den Demos zu „Dresden Nazifrei“ nicht immer alles so einwandfrei, wie die naive BetrachterIn aus der Ferne das zunächst glauben könnte. Eine recht umfangreiche Kritik hat die Gruppe Karano (Kritik und Analyse rassistischer Normalität) vor kurzem auf ihrem Blog veröffentlicht. Hier wird nicht nur, aber vor allem aus der Perspektive von People of Color (PoC). Der Text spricht weitestgehend für sich und ich möchte hier nur auf eine Passage hinweisen, die eine interessante Kritikperspektive auf das sog. Pali-Tuch wirft:

„Auf der Demo haben weiße Teilnehmer_innen mit Kofiyye die Kurdistan- und die Palästina-Flagge geschwungen. Das ist eine Aneignung von Kämpfen, die vorhandene Machtstrukturen reproduziert. Das ist nicht nur rassistisch, sondern auch neokolonialistisch. Haben die Eltern weißer Demonstrierender den Krieg und die Verfolgung in Kurdistan und/oder Palästina miterlebt? Sind sie etwa selbst Kurd_innen oder Palästinenser_innen? Nein! Demnach müssen sie sich zunächst mit ihren Privilegien als Weiße in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen, eines dieser Privilegien ist es zum Beispiel nicht über Flucht- und Rassismuserfahrungen zu verfügen, die Kurd_innen, Palästinenser_innen und andere PoCs Tag für Tag erleben. Ihr wollt solidarisch sein? Dann hört auf euch unsere Kämpfe anzueignen! Solidarisiert euch ohne gleich für andere zu sprechen.“

(via Der Braune Mob)


7 Antworten auf “Enteignung sozialer Kämpfe”


  1. 1 nicolai 29. März 2012 um 1:58 Uhr

    Aber dann ist das ja harte Arbeit und macht gar keinen Spaß!

  2. 2 Gerd 29. März 2012 um 9:52 Uhr

    Wenn ich es recht sehe werden in dem Text Menschen wegen ihrer Hautfarbe und ihrer sexuellen Orientierung angegriffen.Das ist krasser Rassismus, egal ob man nun sagt Schwarze wären faul und geil oder Weiße wären rassistisch und neokolonialistisch.

  3. 3 Juli 31. März 2012 um 8:37 Uhr

    Ich find das legitim…

  4. 4 unerträglich 31. März 2012 um 12:29 Uhr

    krieg und flucht als wertvolle identätsbildungsinstanzen, die eine dazu befähigen, authentisch zu sprechen. das nenn ich mal ein lob!

  5. 5 ff 01. April 2012 um 22:40 Uhr

    Mich erinnert das eher an identitäre Subkultur oder Motorradgangs: Du darfst nur unsere Farben (ähem Fahne) tragen, wenn du auch wirklich zu uns gehörst.

  6. 6 Juli 22. April 2012 um 16:52 Uhr

    nur das es zwischen motorradgangs und gesellschaftlichen herrschaftsverhältnissen noch einen kleinen unterschied gibt…

  7. 7 ff 23. April 2012 um 17:12 Uhr

    Das stimmt. Es ging mir aber bei dem vergleich um die ewingeforderte authentische Position der Kritik. Streng genommen handelt es sich ja erstmal nur um eine politische Stellungnahme mittels kultureller Symbole. Über die Sinnhaftigkeit, gerade der hier aufgeführten Symbole lässt sich streiten.
    Aber hier geht es ja um die Einforderung von Identität als Voraussetzung einer politischen Stellungnahme. Das halte ich für ziemlich sinnlos.
    Was ist das denn für ein Kritikverständnis, das nur Angehörige der eigenen politisachen/kulturellen Gruppe autorisiert Kritik zu üben/sich politisch zu positionieren?

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