Kreative Antirepression

Derzeit scheint das Leben in Hamburg nicht sonderlich spaßig zu sein. Was nicht zuletzt auch an der dort regierenden Sozialdemokratie (SPD) liegt. Die gibt sich nämlich in alter Noske-Pose, beschimpft linke Protestant*Innen als „Verbrecher“ und ist auch sonst für alle jenseits der guten alten heterosexuellen und männlichen Arbeiterelite eher eine Bedrohung als ein Segen. Wie dem auch sei – nicht unerhebliche Teile Hamburgs gelten nun als Gefahrengebiet und wie immer wenn der Staat hart durchgreift, findet sich die eine oder andere kreative Möglichkeit, damit umzugehen. Hier nun meine bisherigen Favourites.

Dezidiert nicht zu kreativer Antirepression gehört der routinemäßige Hinweis der US-Botschaft, die Landsleute mögen doch die Gegend um Hamburg meiden:

„Die US-Botschaft in Berlin hat am Dienstag per E-Mail eine eindringliche Warnung an Landsleute verbreitet, die in Hamburg leben oder die Stadt in den nächsten Tagen besuchen möchten. Sie sollten in der zum Gefahrengebiet erklärten Sperrzone Vorsicht walten lassen, „besonders in der Nähe von großen Versammlungen, Protesten oder Demonstrationen“, heißt es darin. […] ie Pressestelle der US-Botschaft bestätigte die Authentizität des Schreibens. Es handele sich dabei um „eine Routineangelegenheit“, hieß es auf Anfrage.“

Lustiger ist da schon dieser im vorauseilenden Gehorsam verfasste Brief, der mich über den Freitag von unterm durchschnitt erreichte.

Ebenfalls Charme hat dieser Bericht von zwei Passantinnen, die sich völlig unbedarft durch Hamburg zu bewegen versuchten:

“Ich und eine Freundin spazierten heute bei dem schönen Wetter warm angezogen und mit einem schwarzen Tuch vorm Gesicht (es ist ja schließlich Winter) durch das Hamburger Gefahrengebiet. Weil zwischendurch die Sonne rauskam trugen wir außerdem eine Sonnenbrille um unsere Augen vor dem gefährlichen UV-Licht zu schützen.
In unseren Taschen führten wir allerhand nützliche Sachen mit uns mit, auf die bei einem Spaziergang nie zu verzichten ist: Sozialistische Literatur, ein Märchenbuch, Sexspielzeug, Panzertape, Reizunterwäsche, Kondome, eine Banane, Fünf-Freunde-Kassetten, Rettungsdecken, Landkarten, Feuchttücher, Schnur, Schokolade und in kleine Tütchen abgepackte getrocknete Petersilie und Algenpulver, sowie einen Beutel mit Katzenscheiße.
Weil uns die verstärkte Präsenz der Gesetzeshüter etwas verschreckte, sind wir immer ein bisschen schneller gegangen wenn wir sie hinter einer Ecke auftauchen sahen, oder haben auch mal spontan unsere Richtung gewechselt und haben kleine Sprints eingelegt, um ihnen nicht zu nahe kommen zu müssen.
Komischer Weise hat das ihre Aufmerksamkeit auf uns gelenkt, und schon bald hatten wir eine grüne Wanne auf unseren Fersen. Vor Angst flüchteten wir in den beschaulichen Florapark. Als wir auf der anderen Seite wieder herauskamen wartete besagte Wanne schon auf uns. Wir liefen den Bürgersteig in die andere Richtung davon, so dass die Wanne aufwendig wenden musste und uns dann mit Vollgas verfolgte. Sie musste dann falschherum in eine Einbahnstraße fahren um unsere Flucht zu stoppen. Fünf schwer bewaffnete Cops sprangen aus dem Wagen, liefen uns nach, packten mich am Rucksack damit ich stehen blieb und umstelle uns. Sie nahmen unsere Personalien auf. Als wir nach dem Grund für die Kontrolle fragten, sagten sie, es handele sich um Routinekontrollen, weil wir uns in einem Gefahrengebiet befänden. Auf die Frage, wieso wir denn vor Ihnen weggelaufen wäre sagten wir, dass uns so schwer bewaffnete Leute Angst machen würden.
Als sie meinen Rucksack öffneten fanden Sie direkt das oben auf liegende Tütchen mit getrockneter Petersilie. Sie nahmen es heraus, inspizierten es, rochen daran und stellten fest: „Riecht nach Tee“. Sie machten sich ausgiebig Notizien über unser Aussehen und Verhalten, führten ein Telefonat, tuschelten ein bisschen über uns und ließen uns dann wieder gehen.
Kaum waren wir hundert Meter gegangen, stand dort eine weitere Polizeieinheit in der Ecke. Erschrocken liefen wir davon, und sie liefen uns sofort hinterher.
Schnell hatten sie uns eingeholt (wir hatten keine Lust uns wirklich Mühe zu geben mit dem Weglaufen) und umstellten uns. Sie wollten unsere Personalien haben und teilten uns abermals mit, wir befänden uns in einem Gefahrengebiet. Eine Polizistin meinen Rucksack und fand wieder das oben aufliegende Päckchen mit Petersilie. Panisch und hektisch verlangte die ihre Kollegen herbei, die mit einer Taschenlampe hineinleuchteten. Sie holte das Tütchen heraus und stellte sachkundig fest: „Nun, das sieht mir ja nach Marihuana aus. Das werden wir gleich einmal konfiszieren und zur Untersuchung an die KTU schicken. Wenn das wirklich das ist wonach es aussieht, können Sie mit einer Strafanzeige rechnen. Außerdem müssen wir Sie jetzt mit zur Wache nehmen.“
Auf der Wache musste ich mich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Sie wollten eigentlich, dass ich mich komplett ausziehe damit sie meine Körperöffnungen kontrollieren können, aber ich habe mich geweigert und sie haben nicht weiter darauf bestanden. Anschließend wurde der Rucksack durchsucht und alle meine sorgfältig eingepackten Gegenstände hatten ihre kleinen Auftritt. Anschließend war es relativ offensichtlich, dass das ganze von uns gewollt war. Die Polizei begann daran zu zweifeln, dass sich in dem kleinen beschlagnahmten Tütchen tatsächlich das illegale Pflänzchen befinden sollte. Ich sagte, dass es sich um Petersilie handelt, worauf sie einsahen, dass das recht wahrscheinlich war. Ich bat sie trotzdem darum, es doch gerne in der KTU untersuchen zu lassen, weil sie mich nun auch etwas verunsichert hätten, ob es nicht vielleicht doch ein gefährlicher Stoff sei, aber sie wollten nun nicht mehr, und gaben es mir zurück.
Anschließend konnten wir gehen.
Etwas enttäuscht waren wir nur, dass wir keinen Platzverweis bekommen haben. So haben wir wohl leider nicht die volle Punktzahl erzielt.”

Nicht schlecht wäre übrigens auch die folgende Maßnahme: einfach mal aus der SPD austreten (Aber bitte nicht extra für den Gag eintreten vorher – das wäre vielleicht auch ein blödes Signal…).


1 Antwort auf “Kreative Antirepression”


  1. 1 C 21. Januar 2014 um 22:23 Uhr

    lustiger Text

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