Archiv für Mai 2015

Die Linke und die Krise

Dieses Thesenpapier aus dem Jahre 2012 möchte ich Euch nicht länger vorenthalten.

1 Hinführung

Am 12. Juli 2007 erschien in der Wochenzeitung Jungle World ein Aufsatz von Michael Heinrich mit dem programmatischen Titel „Profit ohne Ende“. Dem Kapitalismus, so war dort zu lesen, stehe nicht nur eine lange, sondern zudem auch eine rosige Zukunft bevor. Akute Krisengefahr vermochte der Autor zu diesem Zeitpunkt nicht zu erkennen. Bald darauf kam der 9. August 2007, der mittlerweile als der Beginn der Finanzkrise von 2007/2008 betrachtet wird. Aus der Finanzkrise ist mittlerweile eine Staatsschuldenkrise geworden, die Allgegenwart der Krise sollte in den folgenden fünf Jahren die gesellschaftliche Stimmung prägen – und tut es noch heute.

Im Jahre 2005, zwei Jahre vor dem in der Finanzkrise kulminierenden Zusammenbruch der Immobilienblase, war es ein gewisser Robert Kurz, der in seinem Buch „Das Weltkapital“ ziemlich exakt die Prozesse beschrieben hat, die schließlich zum Crash des Weltfinanzsystems führen sollten. Wollten wir also die Prognosefähigkeit kritischer Theorie zum Ausgangspunkt einer Debatte um die Ursachen kapitalistischer Krisenprozesse und die Folgen kapitalistischer Krisenverwaltung machen, so wäre der von Kurz repräsentierte Ansatz der Wertkritik die erste Wahl für eine antikapitalistische Linke.

Davon kann jedoch keine Rede sein. Während vor der Krise alle gewusst hatten, dass dem Kapitalismus schon nichts schlimmes passieren würde, wenn nicht der starke Arm der proletarischen Revolution ihm den Garaus macht, so wissen heute alle, dass das mit der Krise nur eine vorübergehende Erscheinung, ein kurzes Intermezzo, eine unglückliche Fügung, die Folge einer falschen Politik oder was auch immer sein muss.
Hinge es am Willen und Wollen der deutschen Linken – der Kapitalismus wäre quicklebendig und würde jauchzend über die Wiesen hüpfen. Stattdessen hält Angela Merkel ihm am Krankenbett das Händchen. Wie also konnte es dazu kommen? (mehr…)

Kapitalismus abwickeln?

Bei einem Vortrag im Dezember hat sich Ernst Lohoff der Frage gewidmet, wie wir den Kapitalismus loswerden können. Die vorgetragenen Überlegungen gibt es nun Online: