Slavoj Žižek gilt als große Nummer in der Linken. Von einigen wird er sogar als Stichwortgeber der Occupy-Bewegung verhandelt. Dieser Slavoj Žižek also macht sich neuerdings auch über den Kapitalismus und eine Kritik daran Gedanken. Aus irgendeinem Grund ist ihm dabei wohl Moishe Postone über den Weg gelaufen. In einem Interview hat er sich zu dem dann wie folgt geäußert: (mehr…)
Beiträge von Juli
Globalisierung ist schon eine lustige Sache. Seit die industriellen Absatzmärkte in den 70er Jahren angefangen haben, das grenzenlose Wachstum in tendenzielle Stagnation umzuwandeln, versuchen Unternehmen auf immer neuen Wege, ihre Gewinne zu maximieren. So wird beispielsweise versucht, durch Ausgliederung einzelner Produktionssparten Vorprodukte billiger herzustellen. Wenn also bestimmte Teile des Produktes im Ausland billiger hergestellt werden können, dann freut das die unternehmerische Kalkulation. Die ganzen Einzelteile werden dann nach Deutschland zurückgekarrt und hier zusammengesetzt. Hinter wird das Siegel „Made in Germany“ draufgesetzt und alle Welt freut sich über die gute deutsche Wertarbeit – auch wenn die in weiten Teilen gar nicht aus Deutschland kommt.
Ein solches Vorgehen führte in einem anderen Fall vor kurzem zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung: da die EU Zölle auf Waren aus Nordkorea erhebt hat ein deutsches Unternehmen geklagt, dass solche Waren einführen wollte: selbige würden in Nordkorea doch lediglich zusammengesetzt, die ganzen Einzelteile hingegen stammten aus China. Und da sei es doch ungerecht, darauf gesonderte Zölle zu erheben. Das Gericht gab der Klage statt und die EU-Kommission überlegt nun, die Regelungen zum sog. Warenursprungsrecht zu verändern. Nur wenn mindestens 45% des „Wertprodukts“ aus einem Land stammen, soll es diesem zugerechnet werden können. Damit wären die koreanischen Unternehmen fein raus – die Marke „Made in Germany“ hingegen stünde vor dem aus.
Das wiederrum findet die deutsche Industrie gar nicht lustig. Wenn zwar nicht ganz die Hälfte der Produktion, aber immerhin doch fast die Hälfte in Deutschland stattfinden müsse, um auf eine Ware den Hinweis „Made in Germany“ kleben zu dürfen, dann würde dies die KonsumentInnen verwirren:
Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hat die EU-Kommission davor gewarnt, durch neue Regeln die Existenz des „Made in Germany“-Labels zu gefährden. „Mit der geplanten Änderung gerät das Label ,Made in Germany‘ in Gefahr. Denn wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann „Welt Online“.
Dies wäre, so Driftmann, ein „immenser Schaden“ für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher, denen eine wichtige Orientierungshilfe fehle. Hintergrund der Äußerungen sind Pläne des zuständigen EU-Kommissars Algirdas Semeta, wonach Produkte nur dann noch den Hinweis „Made in Germany“ tragen dürfen, wenn mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen. (Die Welt)
Wer oder was als deutsch gilt und wer oder was nicht, ist offensichtlich noch immer eine wesentliche Frage deutscher Politik.
Schlimm muss es stehen für den Kapitalismus, wenn die Financial Times Deutschland sich bemüßigt fühlt, einen fiktiven Brief von Adam Smith (tatsächlich geschrieben von David Rubenstein zu publizieren, in dem dieser seinen Glauben an den Kapitalismus bekräftigt: „Mein Glaube an den Kapitalismus ist unerschütterlich“ spricht der Altmeister (mehr…)
Soeben durfte ich im Rahmen des Geschlechterforschungs-Kolloquiums an der Universität Göttingen Zeuge eines sehr großartigen Vortrages über Antiziganismus und Antisemitismus von (so die Uniseite) Dr. Markus Gerke, York University Toronto (Kanada) sein. Der Referent selber hat allerdings nicht behauptet Doktor zu sein. Davon ab war’s aber sehr spannend und ich möchte der Weltöffentlichkeit wenigstens dieses eine Schmankerl nicht enthalten.
Einige erinnern sich vielleicht noch an die Brandstiftungen und Ausschreitungen gegen eine Roma-Siedlung in Turin, die am 11. Dezember in fast allen deutschen Onlinemedien erwähnt wurde. (mehr…)
Gunnar Heinsohn gibt sich gerne als kritischer Geist und wird nicht zuletzt von Peter Sloterdijk als Wirtschaftswissenschaftler mit Zukunftspotential angepriesen.1 Dass das nichts werden kann, wenn es von Sloterdijk kommt, dürfte klar sein. Denn auch der versteht sich als Hohepriester der Konkurrenzgesellschaft, kritisiert die heute von ihm wahrgenommene Lethargokratie und fordert den Aufbruch der Leistungträger. Das passt ganz offensichtlich zu einer Theorie, in der das Eigentum die zentrale Kategorie bildet. (mehr…)
Anmerkungen zu Gunnar Heinsohn
Vor kurzem wurde ich auf einen vermeintlichen Wirtschaftstheoretiker hingewiesen, dem ein brillianter Ansatz zur Erklärung der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen nachgesagt wurde. Es handelte sich dabei um niemand geringeren als Gunnar Heinsohn. Nie gehört? Is auch besser so. Da sich aber allem Anschein nach ernsthaft Menschen Gedanken machen über dass, was der Mann so loslässt, möchte ich hier dazu beitragen, seine Gedanken etwas besser einordnen zu können. (mehr…)
Marc-Uwe Kling und sein Känguruh haben unlängst einen Running Gag aus falsch zugeordneten Zitaten gemacht:
Besonders sarkastisch ist dabei wohl diese Variante:
Als überdurchschnittlich realitätstauglich kann hingegen diese Zitatzuordnung gelten:
…. sind die Bösen schuld daran:
Da es ja offensichtlich (nicht zu Unrecht) zum guten Ton gehört, Georg Kreisler die letzte Ehre zu erweisen, möchte ich an dieser Stelle nicht nur auf sein Interview verweisen, das er vor einigen Jahren der Konkret gegeben hat, sondern zudem auf die sehr gefühlvolle Stellungnahme seiner Tochter, Sandra Kreisler, verweisen. Und wo wir schon mal dabei sind sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Kreisler durchaus ein beachtlicher Ökonom war:
Sehr großartig fand ich das Ende eines Vortrages über die Krise, den Lothar Galow-Bergemann vor einiger Zeit gehalten hat – und den anzuhören sich durchaus lohnt:
Den ganzen Vortrag gibts hier.
In der Dezember-Ausgabe der Konkret gibt es ein nicht uninteressantes Interview mit Thomas Ebermann, Michael Heinrich, Robert Kurz und Joseph Vogl. Die vier streiten in dem von Hermann L. Gremliza moderierten Gespräch über den Charakter, die Ursachen und die Folgen der vor unseren Augen vor sich gehenden Krisenprozesse. Dabei wird nicht viel neues erzählt, trotz allem werden die unterschiedlichen Einschätzungen und Blickwinkel hier sehr deutlich, so dass es sich durchaus lohnt, sich das Ding mal anzutun. (Im kommenden Jahr soll es übrigens mit einigen Erweiterungen auch als Buch erscheinen.) (mehr…)
Der Mainstream-Feuilleton hat uns in den letzten Tagen zwei lesenswerte Kommentare zur Geschlechterpolitik beschert: einmal in der FAZ und einmal bei Spiegel-Online. Mehr davon!
Anmerkungen zu Heinz-Jürgen Voß‘ „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit“
Nicht selten ist es so, das im Untertitel eines Buches das eigentliche Programm vorgegeben wird. So auch in diesem Fall: Natürlichkeit ist der Ausgangspunkt und der zentrale Gegenstand der Argumentation dieses Buches. Denn im Laufe der Jahrhunderte, so stellt Voß gleich zu Beginn des Buches fest, haben sich die Begründungsmuster für gesellschaftliche Herrschafts- und Unterdrückungspraktiken verändert. Während lange Zeit der Wille eines kaum je beweisbaren Gottes als Ursache für die spezifische soziale Stellung einzelner Menschen angegeben wurde, so stehen heute die Naturwissenschaften, allen voran die Biologie, hoch im Kurs der Legitimationsbeschaffung. (mehr…)