Während noch heftig ob des Charakters aktueller Krisenprozesse gestritten wird, gibt es in good old Gö-Town ab Montag eine recht umfangreiche Veranstaltungsreihe von der Gruppe 180°, deren alte Homepage übrigens offline ist, da sich Gerüchten zufolge der alte Provider mit Teilen des Gruppenvermögens aus dem Staub gemacht hat.
Am Montag geht es los mit einem Überblicksvortrag von Thomas Seidl über krisentheoretische Implikationen im Werk von Karl Marx. Beim Diskussionsstand innerhalb der Linken ist es nun auch sicherlich sinnvoll, noch mal Grundlagen Den ganzen Stoff didaktisch in ein Abendprogramm zu packen, dürfte dabei allerdings noch mal eine Herausforderung für sich sein.
Kurz danach, schon am Mittwoch nämlich, gibt sich (mal wieder) Norbert Trenkle die Ehre und referiert, wenn wir dem Titel trauen dürfe, über den Weg vom Ende des Fordismus über das Platzen der Immobilienblase bis hin zu aktuellen Krisenphänomenen zu referieren. Beide Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr, die erste im Raum ZHG 101 am Uni-Campus, die zweite im Raum ZHG 006, ebenfalls am Campus.
Für alle, die es noch genauer wissen wollen, gibt es in der Woche drauf dann einen Workshop zur Krisentheorie mit Ernst Lohoff. Dabei sollen die krisentheoretischen Grundannahmen insbesondere aus dem Vortrag zum Weltmarktbeben genauer diskutiert Wer also schon immer mal wissen wollte, was zum Henker noch mal abschmelzende Wertmasse sein soll oder wie fiktives Kapital funktioniert, dürfte hier ganz richtig sein. Stattfinden tut der Workshop im Hinterhaus des Pädagogischen Seminars (Baurat-Gerber-Straße 4-6).
Im Dezember und Januar folgen dann noch weitere Veranstaltungen, dazu vielleicht später mehr.
Vom 7.-9. Dezember 2007 findet in Frankfurt der Ums-Ganze-Kongress „No Way Out“ statt. Anhand der Theorieströmungen des (Post-)Operaismus und der Wertkritik sollen die grundsätzlichen Bedingungen, Grenzen und Herausforderungen für emanzipatorische soziale Bewegungen im 21. Jahrhundert diskutiert werden. Das klingt sehr spannend und lässt auf ein ereignisreiches Wochenende hoffen.
Einzig verwundernd stimmt die Einschätzung der OrganisatorInnen, das sie als „das grundsätzliche Ziel“ der Linken „die Überwindung des Kapitalismus“ ausmachen. Die Benennung dieser abstrakten Vokabel allerdings würde noch nichts darüber aussagen, was die je Einzelnen unter „Kapitalismus“ verstehen und wie die „politischen Subjekte“ eingeschätzt würden. Letztere Einschätzung ist sicherlich richtig, nur dachte ich bislang immer, es ginge hier „Ums Ganze“. Wer also etwa das Patriarchat nicht zu einem gegebenenfalls nach der Revolution abzuhandelnden Nebenwiderspruch machen möchte, kommt um eine Benennung an prominenter Stelle nicht herum.
Die allerdings fehlt im Aufruf – und nicht nur da. Auch die vorläufige ReferentInnen-Liste liest sich sehr stark um die Themen „Staat“ und „Kapital“ herumkonzipiert. Entsprechend sind bislang auch erst zwei ReferentInnen benannt, nämlich einerseits Sonja Buckel und andererseits Nadja Rakowitz. Die erstere hat bislang vor allem als kritische Staatstheoretikerin von sich hören gemacht, die zweite gilt nicht zuletzt durch ihr Buch „Einfache Warenproduktion“ als ausgemachte Expertin der „Kritik der politischen Ökonomie“. Nun bleibt zu hoffen, das die Liste erweitert und das Themenspektrum tatsächlich „Aufs Ganze“ gerichtet wird. Wie dem auch sei: Wir sehen uns in Frankfurt.
Zwischen Weihnachten und Neujahr steht es vielen nach ein wenig Entspannung. Wer diese Entspannung mit ein wenig theoretischem Nachdenken und praktischem Politisieren verbinden möchte, könne zur „Emanzipatorischen Transformationswerkstatt“ fahren. Die findet vom 27. Dezember bis zum 1. Januar in der Projektwerkstatt in Saasen statt. Aus grenzenloser Solidarität und weil ich selber mitfahre, dokumentiere ich hier die Einladung. Frei nach dem Motto: Wegfahren mit EmanzipationOderBarbarei. (mehr…)