Archiv der Kategorie 'Arbeit'

Krise macht die Kranken fit

Während der Ruf „Wir zahlen nicht für eure Krise“ noch nicht abgeklungen ist, zieht das deutsche Proletariat bereits die Flügel ein. Trotz Grippewelle schleppen sich viele zur Arbeit – und meinen so, im anstehenden Entlassungs-Showdown bessere Karten zu haben:

„Der Krankenstand in den deutschen Betrieben ist nach Informationen von WELT ONLINE im ersten Quartal 2009 trotz Grippewelle weiter gesunken. Die Arbeitnehmer fehlten zwischen Januar und März laut den neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) 3,26 Prozent der Sollarbeitszeit – das ist der niedrigste Stand in den ersten drei Monaten eines Jahres seit der Wiedervereinigung. ( … )

Arbeitsmarktexperten machen vor allem die steigende Jobangst in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise für die sinkenden Krankenstände im ersten Quartal verantwortlich. Das Argument ist nicht neu, es wird seit Jahren als ein wichtiger Grund für rückläufige Fehlzeiten genannt. „In wirtschaftlichen Krisenzeiten haben die Beschäftigten mehr Angst, ihren Job zu verlieren. Tendenziell sinken in solchen Zeiten die Krankenstände“, sagte Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit.“ (Welt-Online)

The Cubicle – Kein Bock mehr auf arbeiten

Selbsterklärend.

“My Cubicle”
Lyrics by: Morning Sidekick
Performed by: Jym Britton
Parody on “You’re Beautiful” by James Blunt

My job is stupid my day’s a bore,
Inside this office from eight to four
Nothin’ ever happens my life is pretty bland,
Pretending that I’m working, pray I don’t get canned.

My Cubicle, My cubicle
It’s One of Sixty two
It’s my small space in a crowded place
Just a six-by-six foot booth
And I hate it that’s the truth

Well, I give a sigh as the boss walks by,
no one ever talks to me or looks me in the eye.
And I really should work but instead I just sit here and surf the Internet.

In My Cubicle, My cubicle
It doesn’t have a view.
It’s my small space in a crowded place
I sit in solitude.
And sometimes I sit here nude.

ALG II zu Hoch

Chemnitz tut was gegen Arbeitslosigkeit. Zumindest die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der dortigen TU. Von dort aus haben nämlich 2 Ökonomen festgestellt, was das „eigentliche“ Problem ist, an dem Deutschland krankt:


„Zwei Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftler halten einen Hartz-IV-Regelsatz von 132 Euro für ausreichend – nur rund ein Drittel der bisherigen Höhe. Das geht aus einer Studie hervor, die am Mittwoch auf der Internetseite der Technischen Universität Chemnitz veröffentlicht wurde.

Für alle Bereiche des Lebens, ob Ernährung, Kommunikation oder Kultur, sehen die Wissenschaftler erhebliches Kürzungspotenzial des derzeitigen Regelsatzes von rund 350 Euro. „Die sozialen Geldleistungen sind an der Obergrenze angekommen“, sagte der Leiter der Studie, Friedrich Thießen, der taz.“ (taz)

Nun wundern sich alle, wann in den letzten Jahren die Sozialausgaben erhöht worden sind. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Schauen wir uns lieber an, was die Kollegen da veranstaltet haben. Wer das ebenfalls nachvollziehen möchte, dem sei diese Kurzfassung und diese Langfassung der Studie empfohlen. (mehr…)

Labour Kills – mal anders

Am Montag, dem 1. Juli 2008 ist die Bundeswehr im schnuckeligen Göttingen auf Nachwuchsfang gegangen. Eine Veranstaltung im Arbeitsamt sollte helfen, den gefühlten Nachwuchsmangel der deutschen Kriegsmaschinerie zu beseitigen (mehr Infos: 1|2|3).

Laut taz kam von den ebenfalls anwesenden ProtestiererInnen die Auskunft, es handele sich „‚Rekrutierungsveranstaltung‘. Die Bundeswehr nutze die Notlage von Arbeitslosen aus.“ Das ist sicherlich nicht ganz falsch, enthält aber eine wesentliche Wahrheit über den Kapitalismus, der mit dem Satz so direkt noch nicht ausgesprochen ist: das es im Kapitalismus nämlich um Arbeit geht. Scheiß egal welcher Job, hauptsache der Rubel rollt. Egal ob du gerne Brot backen oder Autos reparieren willst – im Zweifelsfall musst du halt Leute erschießen. Ein Job ist so gut wie der andere. Nur das dieser eben mit überdurchschnittlich krassen anti-emanzipatorischen Nebenwirkungen ausgestattet ist:

Hungertod

Wer zur Gesellschaft gehören will, braucht Arbeit. Fehlt letztere, geht der Kontakt zur ersteren nur allzuschnell verloren. Das ist traurig, aber derzeit eben der gängige Standart. Und es entbehrt auch nicht einer gewissen Logik, erfogt die Zuteilung von Lebenschancen doch auch tatsächlich über die Arbeit – zumindest in dieser Gesellschaft.

Immer wieder gibt es dann aber die Geschichten von Leuten, die mit dem Verlust ihrer Arbeit und dem damit einhergehenden Verlust ihres gesellschaftlichen Lebens auch gleich auf ihr biologisches verzichten möchten. Das neueste Beispiel ließ sich vor kurzem in der Welt nachlesen:

„Die Geschichte ist unfassbar: Ein arbeitsloser Mann geht in den Wald, um zu sterben. Der 58-Jährige aus Hannover hat sich im Solling offenbar bewusst zu Tode gehungert. Er hatte den Kontakt zu seiner Familie und seine Wohnung verloren. Seine letzten Wochen dokumentierte er in einem Tagebuch. Ein Verbrechen schließt die Polizei nach Abschluss ihrer Untersuchungen aus. ( … )

Aus dem in blaues Plastik eingebundenen Büchlein geht hervor, dass der frühere Außendienstler schon länger arbeitslos war. Seine Ehe sei gescheitert, seine erwachsene Tochter habe sich von ihm losgesagt. Ab Oktober bekam er kein Arbeitslosengeld mehr. Er musste seine Wohnung räumen. Er hätte zwar Hartz IV beantragen können, tat dies aber nicht, so dass er völlig ohne Geld dastand.

In dieser Situation machte sich der 58-Jährige irgendwann im Spätherbst mit dem Fahrrad auf den Weg von Hannover Richtung Solling. Uslar liegt mehr als 100 Kilometer südlich der niedersächsischen Landeshauptstadt. Warum der Mann ausgerechnet den Hochsitz im Wald beim Uslarer Ortsteil Schlarpe aufsuchte, sei unklar, sagt Polizeisprecher Falkenhain. Aus dem Tagebuch geht aber hervor, dass der 58-Jährige dort mindestens dreieinhalb Wochen zugebracht hat und in dieser Zeit keine Nahrung zu sich nahm. Er trank nur ab und an ein paar Tropfen Wasser. In seinem Tagebuch berichtet er von Schmerzen und davon, dass er nicht mehr leben wolle.“

Arbeit macht krank

Arbeit macht krank. Das ist nichts neues, sollte aber immer wieder festgestellt werden (wie das die Zeit gerade wieder getan hat):

„In der aktuellen Statistik der Rentenversicherer sind seelische Krankheiten die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit: Für 27 Prozent der männlichen und 38 Prozent der weiblichen Frührentner war dies der Grund, aufzuhören. Und Auslöser ist immer öfter die Arbeit selbst.“

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Zwangsarbeit rules

Michi Glos geht in die näxte Runde. Nachdem er sich bereits vor einiger Zeit für eine allgemeine Arbeitspflicht ausgesprochen hatte, legt er nun ein Konzept vor, wie er sich das vorstellt:

Das Wirtschaftsministerium hat ein Konzept erarbeitet, das eine Arbeitspflicht für alle Sozialhilfeempfänger vorsieht. Jeder Erwerbslose müsste demnach einer regulären Beschäftigung oder einer öffentlich bereitgestellten Arbeit (in Art der Ein-Euro-Jobs) nachgehen. Andernfalls bekäme er keine staatliche Unterstützung mehr. Wer einen normalen Job hat, dadurch aber zu wenig zum Leben verdient, bekäme einen öffentlichen Zuschuss, sodass er die Höhe des Arbeitslosengeldes II erreicht.

Das neue Gesetz soll 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Mindestens. Arbeitslos ist dann jedenfalls niemand mehr…

Arbeitslosigkeit abgeschafft

„CSU schafft Arbeitslose ab“ titelt n-tv und berichtet:

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat sich für eine Arbeitspflicht für alle Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen und damit am Wochenende Protest beim Koalitionspartner SPD ausgelöst. „Jeder Bezieher von Hartz-IV soll künftig eine Gegenleistung erbringen“, sagte der CSU-Minister dem „Spiegel“. Jeder solle sein Einkommen mit einem regulären Job am Markt verdienen. Für Geringverdiener könne es einen staatlichen Zuschuss geben. „Sollte er keine Arbeit finden, erhält er die Grundsicherung, muss dann aber nach unserem Modell eine Gegenleistung erbringen. Dies erhöhe den Anreiz, auch gering bezahlte Arbeit anzunehmen. Ein entsprechendes Kombilohn-Modell wolle Glos demnächst vorstellen.

Die Arbeitslosen, das Vorurteil ist allgemein bekannt, sind ohnehin alle faul und wollen gar nich arbeiten. Statt dessen bestupsen sie den Staat wo es nur geht. Nun gibt es leider eine Studie diverser Wohlfahrtsverbände, aus der hervorgeht, das die Missbrauchsraten verschwindend gering sind. Je nach Fallgebiet liegen sie bei unter 3 Prozent, der finanzielle Schaden liegt meist bei unter einem Prozent der insgesamt ausgegebenen Gelder. (mehr…)

Klassenkampf 2007

Das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität in Göttingen wird fleißig zur Verbesserung der Arbeitsrealität in Deutschland geforscht. Und oft gilt das kleine, gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut als „irgendwie links“. Was ja, wenn wir uns mal anschauen wer da so beschäftigt ist, in Teilen sicherlich auch gilt. Allerdings ist das Sofi auch immer mal wieder in die Kritik geraten, etwa wenn dort versucht wurde, das wissenschaftliche Schönschreiben des 5000 × 5000 Projektes bei VW. Jetzt forscht das Sofi (unter anderem und in Zusammenarbeit mit der gewerkschaftlichen Kooperationsstelle der Uni) zu aktuellen Formen des Klassenkampfes:

In einer Reihe ‚stilbildender’ Unternehmen macht Michael Schumann vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) neue Interessenkoalitionen aus, die Mitarbeiter und Management im gemeinsamen Bemühen um Beschäftigungssicherung und mehr Wettbewerbsfähigkeit einen. Neue Chancen für eine innovative Arbeitsgestaltung entstehen dort, wo Reserven für Arbeits- und Prozessoffensiven identifiziert und wo die Mitgestaltung der Beschäftigten angestrebt werden (vgl. Schumann 2003). Erfolgreichen Unternehmenskulturen gelingt die Einbindung des kreativen Potenzials ihrer Beschäftigten unter Win-Win-Konditionen. (mehr…)

Aufhebung der Arbeitsteilung?

Fordistische Fließbandarbeit gilt als Synonym für kapitalistische Produktivkraftentwicklung. An Fließbändern stehen in einer Reihe die ArbeiterInnen, die dann immer nur die eine, immergleiche Bewegung vollführen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden auseinandergerissen, die ProduzentInnen sind vereinzelt, sie kennen nicht den Zusammenhang von dem was sie tun. Mustergültig beschrieben ist dies Bild in Bini Adamczak’s wunderbareen kleinen „Geschichte wie endlich alles anders wird“: (mehr…)

Ideen zum Widerspruch von Konsumtion und Produktion

Im Kapitalismus gibt es eine Reihe von Widersprüchen. Nicht nur den zwischen Wert und Gebrauchswert, das ganze zeichnet sich auch auf einer oberflächlichen Ebene ab. Das klassische Beispiel ist hier wohl der widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Sehr eindrucksvoll ist auch der zwischen Produzierenden und Konsumierenden. (mehr…)

Noch immer nicht weg: Armut in Deutschland

Manchmal fällt es sogar den PolitikerInnen der großen Parteien auf: In Deutschland, da gibt’s Armut! Nachdem die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben hatte zu eben dieser Frage, bricht nun die Diskussion los. SPD und CDU versuchen nun, sich als Anwältinnen derer aufzuspielen, die da keine Chance mehr haben. Sehr schön nachzulesen etwa in der Frankfurter Rundschau. Ottmar Schreiner und Ursula Engelen-Kefer haben – in ihrer Funktion als arbeitsmarktpolitische SPD-Prominenz der Hartz-Gesetzgebung eine Mitschuld an dem ganzen Schlamassel gegeben. CDU-Sozialpolitiker Ralf Brauksiepe widerspricht dem ganz dolle: „Hartz IV ist sicher nicht Schuld an den Problemen“ – was ja sogesehen auch erstmal richtig ist. Schuld ist wohl die hiesige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Nur war es innerhalb dieser ja auch mal besser, wenn auch schlimm genug. Und das war eben vor Hartz IV. Wenn Schreiner sagt: „Millionen Menschen haben keine Chance mehr, aus dem Niedriglohnsektor mit seinen Hungerlöhnen herauszufinden“, dann sollte Brauksiepe nicht vergessen, dass das doch wohl der einzige Sinn des Niedriglohnsektors ist: das da dauerhaft Menschen zur Verfügung stellen, die zu billigsten Löhnen verfügbar sind. (mehr…)

Von Lehrstellen und Leerstellen

Das mit der Jugendarbeitslosigkeit ist eins von diesen jährlich wiederkehrenden Themen, bei denen sich im Laufe der Jahre nicht wirklich viel ändert. Die genauen Zahlen schwangen immer ein bisschen, im Grunde sieht es aber aus wie dieses Jahr: 49.500 Menschen, die gerne eine Ausbildung machen möchten, haben noch keinen Ausbildungsplatz. Da ist dann schon die Reihe derer abgezogen, die keinen Arbeitsplatz gekriegt hat und statt dessen lieber weiter zur schule geht, Zivildienst macht oder zum Bund geht: „Von den deutschlandweit 763.100 Bewerbern fand weniger als die Hälfte einen Ausbildungsplatz. Rund 80.000 zogen es daher vor, weiter zur Schule zu gehen oder ein Studium zu beginnen. Knapp 64.000 kamen in einer der zahlreichen Maßnahmen von Agentur und Bundesländern unter. Mehr als 110.000 gingen erst einmal zum Bund oder leisteten Zivildienst. 86.000 nahmen ohne Ausbildung einen Job an.“ (tageszeitung) Für viele von denen ist das allerdings keine entgültige Lösung. Wir werden sie wiedersehen – in der Statistik vom nächsten Jahr. (mehr…)

Generation Praktikum

Ja, die gibt’s wirklich. Seit die Lohnarbeit knapper wird, zumal in ihren regulierten und dauerhaften Varianten, setzen immer mehr Leute auf Praktika. 56 Prozent aller Hochschulabsolventen beginnen ihre berufliche Karriere gemäß einer Studie der DGB-Jugend mit einem Praktikum – und haben es trotzdem zunehmend schwer, eine Festanstellung zu finden. Da kann nun auch Arbeitsminister und Vizekanzler Franz Müntefering nicht mehr mit ansehen. Das zumindest berichtet die Financial Times Deutschland:

„Es sei nicht in Ordnung, wenn in Unternehmen junge Menschen als Hospitanten oder Praktikanten mit der Arbeit von Vollzeitkräften betraut, dafür aber nur wenig oder gar nicht bezahlt würden. Diesen Betrieben müsse die Gesetzeslage erklärt werden, forderte Müntefering. Junge Menschen, die aus den Universitäten kämen, dürften nicht missbraucht werden, sondern sollten ordentlichen Lohn bekommen. Er verwies darauf, dass es eine Vereinbarung von 300 Unternehmen gebe, die solche Praktika-Methoden nicht mitmachten.“

Nun mag das ein sehr ehrenwertes Anliegen sein, verwundert tut es allerdings schon. Schließlich war es doch nicht zuletzt seine SPD, die eine Haltung eingefordert hat, jederzeit abrufbereit zu sein, jeden Job anzunehmen und sich für nichts zu schade zu sein. Und es verschleiert es ein wenig den Beudeutungswandel, den Praktika in den letzten Jahren durchgemacht haben. (mehr…)

Wettbewerbsvorteile für Bus und Bahn

Der Visionär, SPD-Politiker und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat angekündigt, eine Initiative zur Qualitätssteigerung im öffentlichen Personennahverkehrs zu starten. Die arg gebeutelten Anbieterinnen von Bus und Bahndienstleistungen sollen personelle Unterstützung bekommen, und zwar von Hartz IV- EmpfängerInnen. Das Pilotprojekt dafür ist in Leipzig, wie heute in der Tagespresse zu lesen war (1|2|3). (mehr…)