Archiv der Kategorie 'Bildung & Bildungskritik'

Turboabi

Die taz gibt die Frage der Woche aus: „Schadet das Turbo-Abi den Kindern?“ fragt die Bild tageszeitung und bittet um reaktionen. Hier ist meine:

Bei der Frage, ob das Turbo-Abi den Kindern schadet, soll es sich um die „Frage der Woche“ handeln. Aber wer bitte soll sich darum streiten? SchülerInnen, die sich ihre Jugend freiwillig mit Bulimie-Lernen versauen, sind äußerst rar gesät. Und auch LehrerInnen, die Spaß dabei haben, Kindern Dinge beizubringen, die diese mangels Zeit ohnehin nicht verarbeiten können, haben offensichtlich ihren Job verfehlt.
Für das Turbo-Abi sind in aller Regel nur Leute, die nicht wissen, worum es geht. Es erscheint ihnen als kluger Schachzug, in Zeiten von Globalisierung und Wissensgesellschaft den Nachwuchs ein Jahr früher als bisher in die freie Wildbahn zu entlassen. Auch einige besonders emphatielose Eltern mögen das für einen Konkurrenzvorteil der eigenen Brut halten.
Wer hingegen die Augen aufmacht und sieht, wie sich die SchülerInnen hier schon in frühen Jahren aufreiben, mit Burn-Out und Depressionen schon vor dem Abitur gesegnet werden und für die Vielfalt außerschulischer Bildungsmöglichkeiten, vom Sportverein über den Musikunterricht bis hin zum Engagement in Jugendverbänden keine Zeit mehr haben – der kann nicht ernsthaft behaupten, an dieser Frage gäbe es substantiell etwas zu diskutieren.

Besser Treffen

Viele werden es kennen: Egal ob beim Treffen der Politgruppe, beim Meeting der WG oder beim Plenum zur Vorbereitung von Großevents – immer ist es zäh, nervig und stressig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass solche Treffen als Interaktion von vielen Einzelnen eine ziemlich anspruchsvolle Sache sind. Und wir selber lange Jahre davon abgehalten wurden, uns selber um solche Fragestellungen zu kümmern. Das hat unlängst auch die Gruppe 180° in einem längeren Text durchdekliniert, den ihr hier findet.

Etwas grundsätzlicher und differenzierter auf den möglichst stress- und hierarchiefreien Ablauf von Gruppentreffen geht ein Text ein, der seit kurzem über einige Mailinglisten verschickt wird und den ich zur Besseren Verfügbarkeit nun online zur Verfügung stellen möchte: Besser Treffen

Zum Anlesen hier das Geleitwort:

Zum Geleit
Ziel dieses Textes ist es, Anregungen und Hilfestellungen für eine selbstorganisiertere (d.h. effektivere und produktivere) gemeinsame Arbeitsstruktur und -kultur anzubieten.
Über die folgenden Hinweise für die bessere Gestaltung von Treffen hinaus gibt es sicher viele weitere wichtige Empfehlungen, Tipps und Ratschläge. Das Besondere an der hier vorliegenden Zusammenfassung ist, dass sie auf der Basis eines emanzipatorischen Anspruchs geschrieben wurde.
Die hier zusammengetragenen Gedanken und Hinweise sind im Wesentlichen Ergebnis und Zusammenfassung
meiner langjährigen Praxiserfahrung.

Die hier vertretene Basisargumentation für die Verbesserung von Treffen lautet:

1. Die Vielfältigkeiten und Ressourcen aller Mitmachenden sind zu berücksichtigen, zu wertschätzen und zu nutzen.
2. Je höher der Grad der Selbstorganisation eines Arbeitszusammenhanges ist, desto mehr kann er nachhaltige Erfolge realisieren.
3. Weil vertikale Strukturen für die Realisierung des Optimums an nachhaltigen Erfolgen hinderlich sind, sind sie in horizontale zu überführen.
4. Für den Ablauf von Treffen ist zentral, welche Haltung die Teilnehmenden zueinander einnehmen.
5. Methoden erhöhen, wenn sie richtig genutzt werden, die Teilhabemöglichkeiten und erleichtern erfolgreiches Zusammenarbeiten.

Im Fadenkreuz: Leistungsorientierte Mittelvergabe

Viele Studierende klage derzeit über steigenden Lern- und Arbeitsdruck während des Studiums. Die Universitäten stellen sich derweil taub. Wo der Druck von studentischer Seite groß genug ist, wird vorsichtig verhandelt. Sobald der Druck wieder nachlässt, wird alles so belassen, wie es bislang war. Als eine Ursachenbeschreibung dafür habe ich bislang die Vorstellung von Elite wahrgenommen: wenn die Uni Elite sein will, muss sie auch entsprechende Leistungsanforderungen bereitstellen. Das ist sicherlich nicht falsch, ließe sich aber präzisieren. Ein wesentlicher Mechanismus scheint mir dabei die Leistungsorientierte Mittelvergabe zu sein:

„Das neue Bildungsmodell stellt Bildung auf Wissens- und Kompetenzerwerb um und zerlegt den Prozess in einzeln abgeprüfte Kurse, die nahezu beliebig kombiniert werden können. Die Vielzahl der damit verbundenen Einzelprüfungen eignen (sic!) sich als Leistungsindikatoren für das „Qualitätsmanagement“. An die gemessenen Erfolge wird dann an den Universitäten die so genannte „Leistungsorientierte Mittelverteilung“ geknüpft. Dieses System belohnt die Zerlegung eines Studiengangs in eine möglichst große Zahl kleinster Kurseinheiten mit entsprechenden Teilprüfleistungen. Wer auf mehr LOM-Punkte kommen will, bricht sein Curriculum auf viele kleine Kurse mit eigener Prüfung herunter. So spielen sich NPM (New Public Management, Anm. Eob) und Bologna gegenseitig in die Hände. Wie LOM innerhalb der Universitäten den Bologna-Prozess unterstützt, so bringt LOM auch in der Mittelverteilung zwischen den Universitäten den Bologna-Zug in Fahrt. Die möglichst konsequente Umsetzung des Programms bringt den Universitäten finanzielle Vorteile.“ (Richard Münch: Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.)

Elite ist also in diesem Fall nicht nur ideologisch, sondern auch monetär bestimmt: wer elite-mäßig Kohle abziehen will, der muss eben ein gut durchstrukturiertes, den Alltag der Studierenden zerstörendes Lehrprogramm auflegen. Der Wissenschaftsrat findet das gut. und bemerkt am Beispiel der Medizin:

„In der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) sieht der Wissenschaftsrat ein zentrales Instrument der Forschungs- und Lehrförderung, das sowohl innerhalb der Fakultäten als auch auch der Ebene eines Bundeslandes zum Einsatz kommen sollte. Ziel ist, Leistungsträger zu belohnen und Anreize zu setzen, Leistungen in Forschung und Lehre zu steigern. ( … ) Er empfiehlt, mindestens 40 % des Landeszuführungsbetrags fakultätsintern anhand von Leistungsparametern in Forschung und Lehre aufzuteilen. Dabei sind Forschung und Lehre als getrennte Leistungsbereiche aufzufassen, die auch getrennte Budgets und Zuweisungsmodalitäten erfordern.“ (Wissenschaftsrat: Leistungsorientierte Mittelvergabe in der Hochschulmedizin)

Im weiteren geht es in dem Paper nur um die Forschung, Lehre ist halt nicht so wichtig. Entsprechende folgen zeitigen solche Überlegungen dann aber trotz alledem. Allerdings konnte ich bislang keine Hinweise darauf finden, wie diese LOM konkret umgesetzt wird. In Niedersachsen scheint es sich derzeit noch um vergleichsweise oberflächliche Parameter zu handeln. Das CHE merkt für den Bereich der Fachhochschulen an:

„Die niedersächsische Fachhochschulformel stellt im Kern auf drei Indikatoren ab: Aufnahmekapazität (d.h. die Zahl der von der Hochschule vorgehaltenen Studienplätze), die Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit und die Zahl der Absolventen. Dabei wird der Indikator der Aufnahmekapazität mit 60% am stärksten gewichtet, während die beiden letztgenannten Indikatoren mit jeweils 20% gewichtet werden.“ (Che)

Dazu kommt, das der vom LOM betroffene Bereich derzeit noch eher niedrig ist:

„Die meisten Länder praktizieren ( … ) den Ansatz, begrenzte Teile der staatlichen Haushaltsmittel auf Basis eines Formelmodells zu verteilen ( … ). Die Ausgangshaushalte bzw. der überwiegende Teil der staatlichen Haushahltsmittel werden in diesen Ländern nach wie vor jährlich auf traditionellem Wege ( … ) bestimmt. So werden z.B. in Niedersachsen 10% der staatlichen Zuschüsse über ein Formelmodell verteilt, in Bayern ca 1,5% (Universitäten) bzw. 0,6% (Fachholschulen).“

Für Niedersachsen hieße das: zehn Prozent der staatlichen Mittel laufen über LOM, entsprechend also 6% als Aufnahmekapazität (weshalb es sich für die Unis lohnt, viele Studierende zu haben), nur 2% für Studierende innerhalb der Regelstudienzeit (weshalb der Anreiz, Leute jenseits der Regelstudienzeit zu kicken, derzeit noch vergleichsweise klein – aber immerhin vorhanden – ist) und weitere 2% für erzielte Studienabschlüsse.

Wissenschaft oder Fabrik?

In den derzeitigen Bildungsprotesten wiederholt sich einiges von dem, was es schon häufiger gab. Das gilt für die Aktionsformen wie für die Widersprüchlichkeit der studentischen Forderungen. Fast fühlt mensch sich an den guten alten Adorno erinnert, der bereits 1968 bemerkte:

„Auf der einen Seite handelt es sich um eine wirklich emanzipatorische Bewegung, die dazu führen möchte, daß der Gedanke nicht gegängelt wird, daß den universalen Zwängen der Anpassung, wie sie die Gesellschaft ausübt und wie sie von der Kulturindustrie nun auch noch verwaltet werden, so etwas wie die Bildung von autonomer [Urteils]kraft gegenübergestellt wird. Und diese Erwägungen führen dann über das bloß Institutionelle der Universität hinaus und werden zu einer Kritik einer Gesellschaft, die, indem sie die Menschen in stets wachsendem Maß integriert – wie man das so nennt – gleichzeitig den Menschen ihre Möglichkeit unterschlägt. ( … ) Gleichzeitig aber und neben diesen in einem sehr weiten und keineswegs bloß innerwissenschaftlichen Sinn emanzipatorischen Tendenzen ( … ) findet sich eine zweite, gar nicht deutlich davon geschiedene, die, da es nun einmal um Vernunft gehen soll und um vernünftige Einrichtung, das, was Horkheimer die ‚instrumentelle Vernunft‘ nennt und als instrumentelle Vernunft kritisiert hat, völlig in das Zentrum stellt und die eigentlich darauf hinausläuft, die Universität zu verschulen, sie zu einer Fabrik von Menschen zu machendie die Ware Arbeitskraft in möglichst rationeller Weise hervorbringt und die Menschen befähigt, ihre Ware Arbeitskraft gut zu verkaufen; eine Tendenz, die ihrerseits notwendig gerade auf Kosten jener Autonomie-Bewegung geht, die Ihnen gleichzeitig als Ideal einer solchen Reform vorschwebt.“ (Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, S. 100f)

Humankapital vs. ‚Bildung als Kulturgut‘

Die aktuellen Transformationen im Bildungssystem werden oftmals vor dem Hintergrund verschiedener Bildungsverständnisse diskutiert. Auf der einen Seite steht die Ausbildung als Angleichung der Zöglinge an die gesellschaftlichen Normvorstellungen, auf der anderen Seite steht die Individuierung der Subjekte doch humanistische Bildung. (1|2|34|5) Einen damit verwanndten Aspekt hat Richard Münch in seinem Buch „Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co“ herausgearbeitet. (mehr…)

Kein hitzefrei in jedem System?

Die Redical [m] hat sich eines in der linken ziemlich vernachlässigten Themas angenommen: der Kritik des gesellschaftlich vorherrschenden Erziehungssystems. Dazu hat ihre AG „Hitzefrei bei jedem Wetter“ (ganz großer Name, by the way) einen Reader mit dem Titel „Deutschlands wichtigste Ressource oder wie Kinder in einem menschenverachtenden System erzogen werden“ publiziert. Da das Thema in der linken keine große Rolle spielt, ist die AG schließlich dort gelandet, wo Linke viel zu häufig landen, wenn sie sonst nichts zum Thema finden: beim GSP resp. dem dazugehörigen Bremer Ex-Profen Freerk Huisken. An den nämlich erinnert die Broschüre doch deutlich, teilweise bis in die Formulierungen hinein. Doch leider wurden nicht nur diese, sondern auch die falschen Inhalte übernommen. Das ist schade, hätte die Linke doch ein gutes Paper zu dem Thema mal brauchen können. (mehr…)

Fragment zur Bildungstheorie

Im Kapitalismus treffen wir typischerweise zwei ganz unterschiedliche Vorstellungen davon an, was in pädagogischen Institutionen (also Schulen, Hochschulen, aber auch Kindergärten etc.) sinnvollerweise passieren sollte. In ihrem Rahmen nämlich sollen die je Einzelnen unter die jeweiligen Zwecksetzungen und von Staat und Gesellschaft untergeordnet werden. Es gilt wahlweise die für den Kapitalismus notwendigen Tätigkeiten zu erlernen oder einfach nur unabdingbare Tugenden wie das Ausführen sinnloser Tätigkeiten, das Akzeptieren von Befehl und Gehorsam, die gezielte Focussierung der Aufmerksamkeit auf ein von außen bestimmtes Thema etc. (mehr…)

Studiengebühren und ’soziale Gerechtigkeit‘

In der taz legte Christian Füller vor ein paar Tagen seine alte Argumentation für Studiengebühren wieder auf: da es in aller Regel nur die Eltern von Reichen schaffen würden, an die Universitäten zu kommen, sollten die für dieses Privileg auch bezahlen. Schließlich haben sie es ja. Der Staat sollte seine Mittel lieber in Kindergärten sowie Sonder- und Hauptschulen stecken, das sei sozial gerechter. Diesen Standpunkt, den auch schon Marx vertreten habe, gelte es nun politisch umzusetzen und die Bildungspolitik vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Dass Füller als „ausgewiesener Kenner der Bildungslandschaft Deutschlands“ gilt, hilft da auch nicht weiter. Denn neben simplem Aufzählen von Fakten sollten doch schon auch ein paar Bezüge hergestellt werden. (mehr…)

Deutsche Jugend verwahrlost!

Immer wieder gehen die Meldungen durch die Medien: die deutsche Jugend verwahrlost! Sie verliert mehr und mehr ihre Werte, hat keinen Anstand mehr. Jugendliche, so können wir vernehmen, hocken den ganzen Tag vor ihrem Computer, zocken gewalttätige Computerspiele und verblöden zusehens. Außerdem verrohen die Umgangsformen, selbst einfache zivilisatorische Standarts werden nicht mehr eingehalten. Kein Respekt mehr vor dem Alter und auch die Jugendkriminalität nimmt mehr und mehr zu.

Da kann es nur schlimmer. Und so kam es schlimmer: (mehr…)

Ab ins Bootcamp

Öfter mal was neues: Nachdem schon vor einiger Zeit die Einführung von Zwangsarbeit für Arbeitslose gefordert wurde, gehen die KameradInnenaus CSU und CDU mittlerweile noch einen Schritt weiter und fordern gar die Einführung von Bootcamps. Damit möchten zumindest ihre Generalsekretärin Christine Haderthauer und Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) die scheinbar außer Rand und Band geratenen Jugendlichen zur Räson bringen. (mehr…)

Reformbemühungen

Der Kapitalismus neigt dazu, immer weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nach seine Prinzipien zu organisieren. Das ist eine alte Erkenntnis, die schon Kalle Marx in Coproduktion mit seinem Kumpel Friedrich Engels auf überaus lesenswerte Art und Weise verschriftlicht hat:


Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose „bare Zahlung“. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt
.

Eines dieser unzähligen Verhältnisse ist die alte, patriarchal-aristokratische Universität. (mehr…)

Wissenschaftliches

Mensch fragt sich ja immer wieder, wie WissenschaftlerInnen so dazu kommen, sich genau mit dem Thema zu beschäftigen, mit dem sie das dann tun. Hier ein exemplarisches Beispiel:

ZEIT Campus: Sie haben in Ihrer Diplomarbeit Orte fotografiert, an denen Menschen anonym Sex haben. Wie sind Sie darauf gekommen?

Holger Stöhrmann: Ich habe zufällig in einer Zeitung gelesen, dass solche Treffpunkte immer beliebter werden. Das fand ich spannend.

„Das fand ich spannend“. „Ich habe zufällig in einer Zeitung gelesen, …“. So kommen Forschungsfragen zustande. Ein hoch auf die systematische Erforschung gesellschaftlicher Problemfelder.

Neuer Trend: Studis gründen Stiftungen

Wir erinnern uns: die Gelder der Studiengebühren fließen in die Lehre und nur in die Lehre. Da führt kein Weg dran vorbei. Darauf verwiesen die diversen Wissenschaftsminister immer voll stolz – und haben nicht selten auch juristische Absicherungen in die Gesetzestexte eingebaut, um den Schein zu wahren. Und die Zuweisungen der Universitäten werden auch nicht gekürzt, so dass die Unis tatsächlich mehr Geld haben, das sie ausgeben können. Für die Lehre. Aber das hatten wir ja schon.

Nun gibt es an zwei NRW-Unis einen neuen Trend: zumindest Teile der Studiengebühren werden in eine Stiftung gesteckt. (mehr…)

Zur Frage von Bildung und Diskussionskultur

Das Gescheitsein zur Dummheit wird, liegt in der historischen Tendenz.
[Theodor W. Adorno]

Es gibt eine Kritik an der Linken, insbesondere an der studentischen, der sowohl in öffentlichen als auch in szene-internen Debatten immer wieder auftaucht: die Linke sei elitär und ausschließend in Wortwahl und Formulierung. Sie müsse es schaffen „die Leute da abzuholen wo sie stehen“, die eigene Analyse runterbrechen und vereinfachen und überhaupt endlich mal aufhören, sich dauernd zu streiten, sondern die Kräfte lieber darauf verwenden, den gemeinsamen Feind zu bekämpfen.

Dieser Auffassung soll im Folgenden widersprochen werden. Wie sich das gehört natürlich mit ausschließender Sprache, kompliziertem Satzbau, übermäßig vielen Fremdwörtern dergleichen und mehr. Trotz alledem lohnt es sich natürlich für alle, den Text zu lesen. Die Ansicht, das Lesen eines Textes wäre vergebens, wenn sich der Inhalt nicht umgehend erschließt, ist ohnehin schlicht falsch: was bleibt, ist doch zumindest die Erkenntnis, sich nun wohl selbst mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen.

Der Text ist die (wirklich nur sehr) leicht überarbeitete Fassung, deren Orginal vor längerer Zeit in der Göttinger Drucksache erschienen ist. (mehr…)

Studierendenschaft in Münster für Studiengebühren

In Münster versucht die Studierendenschaft gerade, die Brillianz Göttinger StudierendenvertreterInnen zu überbieten. Dort sind Studiengebühren nicht zwangsweise vorgeschrieben, wie das etwa in Niedersachsen der Fall ist. Es gibt lediglich die Option, sie einzuführen. Und so stimmte der Senat ab. 23 Mitglieder, 12 dafür, 11 dagegen. Und die eine Stimme, die letztlich das Zünglein an der Waage war, kam nicht etwa aus der ProfessorInnenschaft, sondern von den Studis. Da hat scheinbar jemand zu viel Geld. (mehr…)