Archiv der Kategorie 'Kultur'

Hating Emos

Mit den Emos hat der krisengeschüttelte bürgerliche Livestyle sein neues Hass-Objekt gefunden. Dabei ist sind Emos selber bereits Teil des kapitalistischen Krisenprozesses. Besser: Teil einer Krise der Subjektivierung, wie sie mit der Krise der kapitalistischen Formen einhergeht. Das wird deutlich, wenn wir uns Roger Behrens Einschätzung, was denn nun Emos überhaupt seien, noch mal kurz vor Augen führen:

:„Es macht auch keinen Sinn, dass sie sich auf ihre Vorformen wie die Hardcore-Bewegung aus den Achtzigern und die Emocore-Szene aus den Neunzigern beziehen. Denn das, was gegenwärtig als Emo, also als »Emotionen«, verhandelt wird, unterscheidet sich signifikant von der popkulturellen Gefühlswelt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Grob gesagt ist der Unterschied der, dass sich Jugendkulturen wie Disco, Punk oder Hardcore auf eine Allgemeinheit der Emotionen beriefen, die gegen die Allgemeinheit des herrschenden Prinzips der Rationalität gerichtet war: die Liebe, der Hass, die Sehnsucht. Das waren Stereotypen, aus denen sich beispielsweise ein subkulturell-ästhetischer Stil entwickeln ließ, nämlich Subversion, Dissidenz, Provo­ka­tion; überhaupt begründete sich in der Abweichung ein Lifestyle.“

Während also bislang Emotionen als ein Phänomen des Allgemeinen aufgetreten sind, erscheinen sie nun als Phänomen des Besonderen. (mehr…)

Der Ruf ist wiederhergestellt

Nicht nur das alle glauben, das der Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe zwingend hetig sein müsse. Jetzt wurde auch noch der ob seines Alters für viele jenseits jedweder Sexualität stehende Albus Dumbledore sozusagen in Flagranti erwischt: NIcht nur, das auch Dumbledore sexuelle Vorlieben hatte – er war nicht mal ordentlich heterosexuell.

„Dumbledore sei früher in den charmanten Zauberer Gellert Grindelwald verliebt gewesen, fuhr sie fort. Als dieser sich den dunklen Künsten zugewandt habe, sei Dumbledore „fürchterlich enttäusch gewesen“. Schließlich besiegte er Grindelwald in einer berühmten Zauberer-Schlacht.“

Auch eine Möglichkeit, sich der romantischen Zweierbeziehung zu entziehen. Jedenfalls erklärt es so einiges…

Quelle: Spiegel Online

Teilzeit-Zivis

Die Medienberichterstattung über die Demo in Rostock, die Proteste gegen den G8 und die Gewalt (von wem auch immer) bietet eine lustige Widersprüche, die nicht unerwähnt bleiben sollen:

Am Mittwoch, dem 6. Juni taucht in den Medien ein Bericht auf, in dem Demonstrierende versuchen, einen Zivilpolizisten zu enttarnen. Ein Beispiel dafür gibt es auf SpiegelOnline, der Bericht ging allerdings auch durch diverse Fernseh-Nachrichtensendungen. Mittlerweile hat die Polizei das auch bestätigt: „Die Polizei hat den Einsatz von getarnten Zivilbeamten bei Demonstrationen zum G8-Gipfel bestätigt.“ hieß es dazu etwa bei SpiegelOnline. Er habe allerdings keinesfalls provoziert – weshalb er ja auch schwarz vermummt war.

Am 6. Juni (Donnerstag) tauchen die selben Bilder wieder auf, diesmal allerdings in einem völlig anderen Kontext. Diesmal dienen sie allerdings als Beleg für friedlich Demonstrierende, die böse Gewalttäter aus ihren Reihen verbannen (auf gewisse Weise dann ja auch wieder richtig). Beispiele dafür gibt es hier und hier. (mehr…)

Pottern verboten

Das lesen resp. hören von Harry-Potter-Romanen, in Fachkreisen auch unter der Bezeichnung „pottern“ bekannt, unterliegt zur Zeit größeren rechtlichen und finanziellen Gefahren. Zumindest, wenn eins im thüringischen Pößneck bei der Druckerei GGP arbeitet. Warum, das erklärt uns das Börsenblatt des deutschen Buchhandels:

„Nach Informationen des „Thüringen Journals“ des MDR werden in den nächsten Tagen zunächst 250.000 Exemplare der englischsprachigen Ausgabe „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gedruckt. Alle Mitarbeiter und Praktikanten der Druckerei GGP hätten in den vergangenen Tagen eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreibe müssen, wonach sie weder Texte lesen noch Fotos oder Kopien anfertigen durften – Taschen- und Autokontrollen inklusive. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Mitarbeitern neben der fristlosen Kündigung auch die volle Übernahme der Vertragsstrafe des britischen Verlags.“

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G8 und Gewalt – zwei Episoden aus der deutschen Presselandschaft

Die Bild-Zeitung kann mittlerweile, daran besteht kein Zweifel mehr, bereits zur immer größer werdenden Masse an G8-Gegnerinnen gerechnet werden. Und so betitelt sie ihr Interview mit Außenminister Steinmeyer auch mit den kritischen Worten: „Wie reagiert der Staat auf G8-Gewalt?

G8, das hat die Bildzeitung richtig erkannt, das bedeutet nämlich Gewalt. Und sind unglücklicherweise die G8 nichts als ein Bündnis mehrerer Staaten. Weshalb es eine komische Frage ist, wie der Staat auf G8-Gewalt reagiert. Eine spannendere Frage wäre schon, wie die, bei denen demnächst humanitär-militärisch interveniert werden soll, auf die Gewalt der G8 reagieren. Also ganz spezielle Staaten, die „< G8" sozusagen, rein mathematisch gesprochen.

Gedanken dieser Art schossen mir durch den Kopf, als ich heute mal über die Bild-Homepage zappte. Bei genauerem Hinsehen viel dann allerdings auf, das es Bild gar nicht um die Gewalt der G8 geht, sondern um die Gewalt derer, die gegen die G8 protestieren möchten. (mehr…)

BILD analysiert den Aufschwung

Kaum scheint die Sonne mal für ein paar Wochen, schon wissen alle: es gibt sie! Sowohl der Aufschwung als auch der Klimawandel sind stets in aller Munde. Und miteinander zu tun haben beide sicherlich nicht. Und so präsentiert uns die Bild-Zeitung heute die Gründe für die grandios tolle konjunkturelle Lage in Deutschland und fragt: „Wem gehört der Aufschwung?“ (mehr…)

Egotronic & Radetzkymarsch

In Berlin war mal wieder eine Demo. Echt total coole Antifas haben ihre politische Botschaft vermittelt, wie wir uns bei Indymedia überzeugen können:

Mit Elektrobeats und Fußballgesängen ging es quer durch Kreuzberg, bis auf der Warschauer Brücke die Bullen plötzlich die Demo blockierten.

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Bild dir deinen Glauben.

Im November letzten Jahres gab es einen ganz besonderen Gastkolumnisten bei Bild. Nur für eine Kolumne, zugegeben, aber immerhin. Die Rede ist von niemand geringerem als dem ehemaligen us-amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore. Der mahnte damals an das es nun wohl Zeit werde sich endlich mal den ökologischen Problemen dieses Planeten zu widmen, ganz ähnlich wie er das auch in seinem Filmchen „Die unbequeme Wahrheit“ gemacht hat. (mehr…)

Die neuen Kommissare

Was haben Quincy, ‚Skull Bones – Die Knochenjägerin‘ und diverse CSI-Auflagen miteinander gemeinsam? Bei allen diesen Serien geht es um eine ganz spezifische Wandlung in einem bestimmten filmischen Genre – dem Krimi. Und auch in Deutschland gibt es jetzt mit „Post Mortem“ den ersten CSI-Ableger. Sehr passend bemerkte dazu der Focus: „In der ersten Folge der neuen RTL-Fernsehserie „Post Mortem“ tappen farblose Charaktere durch bizarre Ermittlungen.“ Auch wenn der Focus das nur auf die deutsche Kopie beschränkt sehen will, drüfte das für einen Großteil der anderen genannten Serien ebenfalls gelten. Ihre Spannung ziehen sie weniger über die zur Schau gestellten Charaktere denn über deren Spezial-Fähigkeiten. Sie sind ExpertInnen und tragen als solche die Expertokratie in die Serienlandschaft. (mehr…)

Dieter Bohlen & die popkulturellen Massenproduktionen

Wenn BILD aufschreit, dann ist das ein Grund, sich das mal genauer anzukucken. Bei der aktuellen Runde von „Deutschland sucht den Superstar“ hat Dieter Bohlen – eigentlich wie immer – ordentlich rumgepöbelt. Und nun mag ihn die Bildzeitung nicht mehr. (mehr…)

Wagner tötet Eisbären

„Unsere Erde hat Fieber!“ Mit diesen Worten beginnt der Exklusivbericht von Al Gore in der heutigen Bild-Zeitung. Das unser Planet aber erhöhte Temperatur hat, bleibt nicht ohne Folgen für seine Bewohner: „Eisbären ertrinken.“ Wir sind geschockt! Das ist ja fast wie damals:

„Das Überleben unserer Zivilisation und die Bewohnbarkeit der Erde stehen auf dem Spiel. Denken Sie daran, was in der Krise des weltweiten Faschismus geschehen ist. Zu Beginn war auch die Wahrheit über Hitler unbequem.“

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Du bist Harald-Schmidt!

Das im Fernsehen meist Schrott läuft und die Leute im zweifelsfall dummer davor weggehen als sie sich davorgesetzt haben, scheint manchmal schon zum allgemeinen Wissensbestand geworden zu sein. Trotzdem setzen sich auch kluge Menschen immer wieder vor die Glotze. Warum? Weil es da ja auch Ausnahmen gibt. Harald Schmidt zum Beispiel. (mehr…)

Vorbilder für die Jugend

Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch ein jung und motiviert war (ja, das ist schon eine Weile her…), da spaltete sich die Jugend recht häufig in zwei Teile. Es gab da auf der einen Seite die, die „Die drei ???“ gehört haben und auf der anderen Seite die, die „TKKG“ gehört haben. Und sind beide Sendungen sicherlich nicht gerade die Speerspitze der Emanzipation, aber ich bekenne trotzdem, leidenschatliche Hörerin der „drei ???“ gewesen zu sein. Auch wenn die Hierarchien klar waren (der Erste Detektiv sagt, wo es langgeht und ist schlauer als anderen) und auch die sportliche Leistungsfähigkeiten der aktiven Detektive wohl eher überhöht wurde (der „Zweite“, Peter Shaw, hat wohl so ziemlich jeden Erwachsenen im Wettlauf abgehängt), so kommt das wohl noch lange nicht an TKKG heran. (mehr…)

Über, unter oder gleich ganz weg?

Juli Zeh ist ein Begriff, oder? Sie ist, für alle die sich da nicht so auskennen, eine von diesen hoffnungsvollen deutschen Nachwuchsschriftstellerinnen, hat das Schreiben in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut gelernt und gilt als irgendwie links-liberal, warum weiß niemand so genau. So richtig an der Uni war sie auch mal, Jura hat sie da studiert. Völkerrecht war ihr Fachgebiet, Schwerpunkt nation-building.

Und was so eine gelernte nation-builderin ist, setzt das einmal erworbene Humankapital natürlich umgehend in schriftstellerische Glanzleistungen um. Für solcherlei Späße zu haben ist ja bekanntlich die Zeit, die sich dabei vermutlich unheimlich hip fühlt. Die nation jedenfalls, die Juli Zeh gerne builden möchte, ist die Deutsche. Die ist zwar schon da, könnte aber etwas Aufmunterung gebrauchen. Meint Juli Zeh. (mehr…)

Solidarität? Nein, danke…

… betitelt die Neon einen Artikel in ihrer August-Ausgabe. Das mit dem Sozialstaat, so der Tenor des Textes, sei am Ende. Und immer mehr junge Menschen kehren ihm deshalb den Rücken – und fühlen sich dabei gut. Warum nun ist der Sozialstaat und insbesondere die Rentenversicherung am Ende? „Schon Konrad Adenauer versäumte es mit der Begründung „Kinder kriegen die Leute immer“, die Rente an die demografische Entwicklung zu binden. Heute ist der Generationenvertrag ungerecht. Warum also in einen Verein eintreten, der seit Jahrzehnten schlecht geführt wird?“ Das Ganze wird dann auch noch schön ausgeschmückt: „Früher war klar: Der Staat zahlt deinen Eltern Geld fürs Kinderkriegen, fürs Eigenheim, sogar für die Fahrt mit dem Auto zur Arbeit. Oma vergnügt sich derweil auf Kur im Allgäu. Und man selbst plant zehn Jahre fürs Jurastudium ein. Heute ist klar: Wer die Aussicht hat, in dreißig Jahren vom Sozialhilfesatz zu leben, der hat nichts mehr zu verlieren.“

Nun stellt sich bei der aufgemachten Rechnung natürlich die Frage nach den Zusammenhängen: was genau soll das Argument mit dem demografischen Faktor? Wenn immer weniger Erwerbstätige für immer mehr RentnerInnen sorgen müssen, so ist das doch nur dann ein Problem, wenn sich die produzierten Gebrauchsgegenstände nicht entsprechend verändern. Bei stetig steigender Produktivität, bei der Fähigkeit von Industrie und Landwirtschaft, mit immer weniger Arbeitsaufwand immer größere Mengen an Gebrauchsgegenständen herzustellen, sollte das doch eigentlich kein Problem sein. Die Rechnung allerdings wird gar nicht erst aufgemacht. Das es nicht reicht, das sehen wir ja. (mehr…)