Archiv der Kategorie 'Kuriositäten'

Alles Scheiße

Eine werden sich noch an die Kampagne des Ums-Ganze-Bündnisses unter dem Motto „Staat Nation Kapital Scheiße – Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“ erinnern. Zur Erinnerung habe ich noch mal ein schickes Demo-Mobi-Plakat rausgesucht:

Das klingt erstmal ziemlich einleuchtend. Fand ich zumindest. Bis ich dann auf dieses Zitat von Erich Fried aufmerksam gemacht wurde:

„Während der Studentenbewegung sagte man: „All diese Dinge: Staat, Schule, Kirche – das ist Scheiße.“ Ich würde das nicht so sagen, einerseits ist das eine Überschätzung, denn Exkremente sind ein unbedingt notwendiges Produkt des Körpers und die unbedingte Notwendigkeit der Kirche, der Schule und des Staates müßte erst bewiesen werden. Aber andrerseits sind in diesen Institutionen alle Elemente der Entfremdung, der Verfälschung und des Unrechts enthalten, je autoritärer sie sind, desto mehr.“ (Erich Fried in: Joern Schlund, „Habe Angst vor dem, der keine Zweifel kennt“ – Gespräche mit Erich Fried. Basel: Z-Verlag 1988, S. 68)

Jetzt muss ich das wohl alles noch mal überdenken…

Sarrazin will Deutsche ausweisen!

Der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin hat wieder zugeschlagen. Diesmal will der Deutsche ausweisen. In einem Interview gegenüber der BILD-Zeitung sagt er:

„Wer bei uns lebt, muss auch die grundsätzlichen Werte des westlichen Abendlandes akzeptieren, die sich auf Religionsfreiheit, Gewaltverzicht und die Gleichberechtigung der Frau beziehen. Das haben wir nicht ausreichend verdeutlicht und eingefordert.“

Es soll also, nehmen wir Sarrazin beim Wort, nicht sein, das sich Menschen hinstellen und bestimmte Religionen für wichtiger halten als andere oder etwa fordern, alle Menschen hätten sich an die Wertmaßstäbe einer bestimmten Religion anzupassen. Nehmen wir beispielsweise Innenminister Friedrich. Der hat sich vor einem guten Jahr hingestellt und diesen Satz gesagt:

„Die Prägung des Landes, der Kultur aus vielen Jahrhunderten, der Wertmaßstäbe, ist christlich-abendländisch.“

Soetwas, stellt Sarrazin also klar, will er in Deutschland nicht mehr sehen. Genauso wie etwa die folgende Aussage des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl nunmehr jenseits von gut und böse ist:

„Das Gewaltmonopol des Staates darf nicht angetastet werden. Wer dies versucht, muss die ganze Härte des Staates zu spüren bekommen“

Kohl spricht sich hier ganz klar und eindeutig für Gewalt aus. Und damit sie besonders effektiv ausgeübt werden kann, möchte er sie innerhalt einer speziell dafür geschaffenen Instanz („Staat“) angesiedelt sehen. Damit allerdings soll nun Schluss sein, sagt Sarrazin. Keine Gewalt!

Und – last but not least – ist auch die „Gleichberechtigung der Frau“ ein wesentlicher Pfeiler der Politik von Sarrazin. Hier sind nicht nur Leute angesprochen wie Eva Hermann, die von einer „heilen Familie“ mit kochender Hausfrau träumen, sondern nicht unwesentliche Teile der deutschen Bevölkerung:

„So ergab eine Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner.de unter 5850 allein lebenden Männern, dass 83 Prozent von ihnen sich die kluge Frau am liebsten doch hinter den Herd wünschen. Karriere ja, aber Rollentausch im Falle eines Babys: ein deutliches Nein! „

Sarrazin hat sich also einiges vorgenommen, wenn er seine Ansprüche umsetzen will. Warum er mit der BILD-Zeitung im weiteren ausschließlich über Migrant*Innen mit muslimischem Glauben spricht, erschließt sich mir nicht. Von der Studie, auf die sich das Interview bezieht, kann jedenfalls nicht viel zu halten sein, wie Sarrazin selbst betont: „Die Studie zeigt wie mein Buch, dass ( … )“ So, die Studie zeigt also ungefähr soviel wie sein Buch? Also nix, außer der Beschränktheit der Autorin? Dann können wir uns ja entspannt zurücklehnen….

Der autoritäre Mob

Es gibt Zitate, würden sie nicht gepostet, müsste mensch sie erfinden. Aber sie werden wirklich gepostet. In der Kommentarspalte. Hier auf diesem Blog. Und weil es so schön ist, hier ein Best-Of.

Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Ausgangssituation: Ich hatte auf einen deutschen Kabarettisten hingewiesen, der gegen explizit nichtchristliche „Geldverleiher“ polemisiert hatte, die er als „parasitär“ bezeichnet hatte, weil sie sich in einem „Wirtstier“, das sind nämlich „wir“, eingenistet haben. Meine Frage, ob das irgendwas mit Antisemitismus zu tun haben könnte, blieb bis zum Ende der Diskussion heißumstritten. Eine inhaltliche Einordnung zu der Frage, die ich einen Tag später verfasst habe, ist derweil bislang unbeantwortet geblieben. (mehr…)

Made in Wo-auch-immer

Globalisierung ist schon eine lustige Sache. Seit die industriellen Absatzmärkte in den 70er Jahren angefangen haben, das grenzenlose Wachstum in tendenzielle Stagnation umzuwandeln, versuchen Unternehmen auf immer neuen Wege, ihre Gewinne zu maximieren. So wird beispielsweise versucht, durch Ausgliederung einzelner Produktionssparten Vorprodukte billiger herzustellen. Wenn also bestimmte Teile des Produktes im Ausland billiger hergestellt werden können, dann freut das die unternehmerische Kalkulation. Die ganzen Einzelteile werden dann nach Deutschland zurückgekarrt und hier zusammengesetzt. Hinter wird das Siegel „Made in Germany“ draufgesetzt und alle Welt freut sich über die gute deutsche Wertarbeit – auch wenn die in weiten Teilen gar nicht aus Deutschland kommt.

Ein solches Vorgehen führte in einem anderen Fall vor kurzem zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung: da die EU Zölle auf Waren aus Nordkorea erhebt hat ein deutsches Unternehmen geklagt, dass solche Waren einführen wollte: selbige würden in Nordkorea doch lediglich zusammengesetzt, die ganzen Einzelteile hingegen stammten aus China. Und da sei es doch ungerecht, darauf gesonderte Zölle zu erheben. Das Gericht gab der Klage statt und die EU-Kommission überlegt nun, die Regelungen zum sog. Warenursprungsrecht zu verändern. Nur wenn mindestens 45% des „Wertprodukts“ aus einem Land stammen, soll es diesem zugerechnet werden können. Damit wären die koreanischen Unternehmen fein raus – die Marke „Made in Germany“ hingegen stünde vor dem aus.

Das wiederrum findet die deutsche Industrie gar nicht lustig. Wenn zwar nicht ganz die Hälfte der Produktion, aber immerhin doch fast die Hälfte in Deutschland stattfinden müsse, um auf eine Ware den Hinweis „Made in Germany“ kleben zu dürfen, dann würde dies die KonsumentInnen verwirren:

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hat die EU-Kommission davor gewarnt, durch neue Regeln die Existenz des „Made in Germany“-Labels zu gefährden. „Mit der geplanten Änderung gerät das Label ,Made in Germany‘ in Gefahr. Denn wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann „Welt Online“.

Dies wäre, so Driftmann, ein „immenser Schaden“ für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher, denen eine wichtige Orientierungshilfe fehle. Hintergrund der Äußerungen sind Pläne des zuständigen EU-Kommissars Algirdas Semeta, wonach Produkte nur dann noch den Hinweis „Made in Germany“ tragen dürfen, wenn mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen. (Die Welt)

Wer oder was als deutsch gilt und wer oder was nicht, ist offensichtlich noch immer eine wesentliche Frage deutscher Politik.

Der unangepasste Außenseiter von Rechts außen

Anmerkungen zu Gunnar Heinsohn

Vor kurzem wurde ich auf einen vermeintlichen Wirtschaftstheoretiker hingewiesen, dem ein brillianter Ansatz zur Erklärung der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen nachgesagt wurde. Es handelte sich dabei um niemand geringeren als Gunnar Heinsohn. Nie gehört? Is auch besser so. Da sich aber allem Anschein nach ernsthaft Menschen Gedanken machen über dass, was der Mann so loslässt, möchte ich hier dazu beitragen, seine Gedanken etwas besser einordnen zu können. (mehr…)

The Meaning Of Friendship

Freud würde vermuten, dass es kein Zufall ist: während ich für gewöhnlich meine Veröffentlichungen hier archiviere, habe ich das in diesem Fall nicht getan.

The Grand Coulee haben sich nun aufgemacht, diese Fehlleistung gesellschaftskritisch aufzuarbeiten und soziohistorisch einzubetten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Lyrics:

1

Engels & Marx
took a walk in the park,
and Engels was awfully silent.
Marx bit his lip -
was it something he did say? -
when Engels with tears in his eyes said:

Oh, my Mary has died!
She was the love of my live…
Oh, those wild Irish eyes
shone like stars in disguise!
My youth is spent like her smile…
And your letter, my friend –
no word of kindness to spare?

2

Marx averted his gaze,
red was his face,
when he mumbled
into his beard
somethng about lack of money
and how Ricardo and Smith
drove him to tears.

Engels said: „Oh, please, Marx -
Come on and show me some compassion and love!
Well, assuming you still know
what that is.
It can’t be our relationship is only
about economics, the fight against
the bourgeoisie, the trouble with the anarchists -
and ‚comrade’ should be more than just a word now,
won’t you agree?

So, tell me now:
What’s the meaning of friendship?
Do you know, Marx?
Do you know?
It’s more than just mere affection –
Don’t you know, Marx?
Don’t you know?
A friend is someone
you don’t ask for a favor,¬.
Someone who will grant it for free.
Someone who will lend you a hand when you’re feeling
empty and lonely and useless and hopeless and beat…

3

And Marx thought to himself:
„Don’t you know, old friend?
Don’t you know?
I love you more than just anything -
and more than gold, oh,
more than gold.
I would love you to dance on my grave,
when I’m dead,
when I’m dead.
And I would love to tell you
you’re the greatest friend
I ever had…“

But he just said:
„Look, Engels, I’m sorry for what I said.
I’m a cynic, I didn’t mean it –
don’t you know it?
Can you forgive me?“
And Engels said:
„That’s the easiest part –
ain’t forgiving mistakes
what friendship is
just all about?“

PS: Nicht uninteressant in diesem Kontext ist auch dieser etwas ältere Beitrag hier.

Friedlicher Aufstieg Deutschlands

Der Jubel ist kaum verflogen ob des Siegs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Loser-Finale bei der Herren-Weltmeisterschaft, da zeigt der neue Bundespräsident Christian Wulff, das zumindest er mit den Siegen der Kicker mehr verbindet als eine lustige Party:

Für seine Verdienste um den deutschen Fußball soll Bundestrainer Joachim Löw das Bundesverdienstkreuz erhalten. Das kündigte Bundespräsident Christian Wulff auf der letzten DFB-Pressekonferenz der WM in Erasmia an. Für die Nationalmannschaft schlug er das „Silberne Lorbeerblatt“ vor. (Tagesschau)

(mehr…)

Ein Flaggerl für das Gaggerl

Während der gewöhnliche Deutsche brav Flaggen schwenkt (1|2), die Mär vom teuren Benzinpreisen widerlegt (1|2|3) und aus unerklärlichen Gründen in den Nationalfarben Belgiens umherzulaufen begonnen hat, gibt es durchaus gute Gründe, die Umgebung mit lustigen Fähnchen zu verschönern: (mehr…)

Wahlkampf gerne auch mal rassistisch

Im Wahlkampf geben die Parteien alles. Da kommt es nicht ganz so genau darauf an, was sich hinter dem gesagten, geschriebenen oder gezeigten so steht. Hauptsache, die Protagonist*Innen glauben, dass es gut ankommt. Den netten Versuch der CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld, einfach mal etwas mehr zu zeigen als die anderen, dürfte den meisten bekannt sein:

CDU hat bessere Argumente

Die Grünen haben sich da nicht lumpen lassen und gleich ordentlich einen draufgesetzt:

Grünne sehen schwarz

Den Vogel abgeschossen haben dürfte (wenn auch nicht im wörtlichen Sinne) wohl der Kamerad Rüttgers. Jürgen R. aus NRW hat es geschafft, sogar die völkischen Lobhudeleien von Lafontaine, die dieser für die heimischen Arbeitnehmer*Innen für gewöhnlich übrig hat, zu überbieten. Aber immerhin ist es doch schön, wenn mal ganz deutlich wird, was der deutsche Konservatismus so zu bieten hat:


Rüdgers beleidigt Rumänen und würgt Chinesen – WEB.DE Video

Jetzt wissen wir bescheid: der Rumäne kann nicht arbeiten und der Chinese übernimmt die heimische Wirtschaft. Oder so ähnlich.

Neuer Werbefeldzug des Ums-Ganze-Bündnis

Es gibt Kampagnen, die sind einfach immun gegen Vereinnahmung….

Es geht ums Ganze

(via)

Keine weiteren Fragen

Mit der Justiz ist das so eine Sache. Sie hat, aller Ideologie zum Trotz, die Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung zur Aufgabe. Wenn nun also Menschen, insbesondere und sehr gerne linke Menschen, sich die Kritik an und den Widerstand gegen den resp. die Zumutungen des Systems ein bissel ernster nehmen als die Polizei erlaubt – dann, ja dann geht es unter Umständen so aus wie im Falle des Göttinger Aktivisten, der ohne Beweise und aufgrund nachweisbarer Falschaussagen zu 120 Tagessätzen verurteilt wurde. Er soll, nachdem er bei der Räumung eines besetzten Raumes an der Göttinger Uni verhaftet wurde, während der anschließenden Protestdemonstration einen Polizisten geschlagen haben. Die entsprechend anberaumte Verhandlung mutierte recht flott zur Farce:

Angesichts des Prozessverlaufs erscheint das Ergebnis zunächst absurd. Lediglich ein Polizist belastete den Angeklagten direkt, behauptete, ihn in der fraglichen Situation erkannt zu haben und von ihm angegriffen worden zu sein. Die übrigen fünfzehn Beamt_innen, die im Prozessverlauf auftraten, beschrieben nur die Gesamtsituation. Dabei hatten sie sich allerdings mehr als offensichtlich abgesprochen, ihre Darstellungen glichen sich teilweise sogar in der Wortwahl. Eine Beamtin, gab zu, vor ihrer Aussage mit allen beteiligten Beamt_innen noch einmal gesprochen zu haben. Kein leichtes Unterfangen, sind diese doch inzwischen über Dienststellen in ganz Niedersachsen verstreut. Trotz dieser intensiven Vorbereitung konnte keine_r von ihnen die Aussage des Hauptzeugen stützen. Obwohl mehr als motiviert, war die Staatsawaltschaft während des gesamten Prozesses nicht in der Lage, irgendwelche Belege für dessen Behauptungen vorzubringen. Dafür hatte man sich aber sehr darum bemüht, sämtliche Gegenbeweise verschwinden zu lassen. Gleich mehrere Polizeivideos wurden von den Einsatzkräften mutwillig gelöscht und ihre zeitweilige Existenz in den vorgelegten Akten nicht einmal erwähnt. Erst durch die eingehende Befragung der Polizeizeug_innen wurde deutlich, in welchem Umfang hier wichtige Daten vernichtet wurden. Auch Aufnahmen, auf denen die fragliche Situation nach Aussage einer Polizistin eindeutig enthalten gewesen sein muss, wurden von den zuständigen Beamt_innen in weiser Vorraussicht ohne Aktenvermerk gelöscht.

Trotz dieser Gründlichkeit konnte die Aussage des Belastungszeugen in wesentlichen Punkten erschüttert werden. Sowohl andere Zeug_innen als auch die verbliebenen Videos belegten eindeutig, dass der Hauptzeuge nachweislich falsche Angaben zur Kleidung des Angeklagten gemacht hatte. Dem Richter genügte die also in Teilen nachweisbar falsche und durch keine Belege gestützte Aussage des einzigen Belastungszeugen dennoch. Nach anderthalb Jahren könne man sich ja auch nicht mehr an alles erinnern begründete der Richter seine Entscheidung, den Angeklagten nicht – wie unter diesen Umständen eigentlich zu erwarten wäre – freizusprechen, sondern ihn stattdessen zu einer hohen Geldstrafe (120 Tagessätze) zu verurteilen. Angesichts dieses unbedingten Verurteilungswillens spielte es offensichtlich auch keine Rolle, dass der Belastungszeuge den Angeklagten nicht erst im Prozess, sondern bereits unmittelbar nach der Demo falsch beschrieben hatte. (BB)

Aus gegebenem Anlass gibt es deshalb nicht nur am Freiag eine Soli-Party im Juzi, ein paar lokaler Songwriter-Aktivisten haben das Ganze auch noch versucht, musikalisch einzufangen:

Wenn das Adorno wüsste

Teddy Adorno, der Großmeister der Kritischen Theorie, ist ja nicht zuletzt ob seiner Musiktheorie ebenso bekannt wie umstritten. Glückseeliges Geschunkel galt ihm als unschicklich, als Zeichen für den Untergang des Individuums in der Masse. Da jedoch hatte der alte Hesse die Rechnung allem Anschein nach ohne den Karneval gemacht:

Hier der Text:

Der wahre Wert des Warenwerts und der Akkumulation,
Die führen zur Entfremdung und dann zur Revolution.
Die Quantität des Wochenlohns hängt vom Preis der Arbeit ab.
Die Herrschaft des Kapitals bringt uns alle noch ins Grab.

Dä Kommunismus, dä hät ene Rhythmus,
Ener fängk zu schunkele an, bis jeder mit muss.
Nur keine Hektik wegen der Dialektik:
Venceremos, leev Jenossen, jetz jeit et loß!

Jeldumlauf un Arbeitskraft steigern de Produktion.
Doch entsteht daraus kein Eijentum, dann folcht de Frustration.
Haupt- und Nebenwiderspruch sind die Säulen dieses Staats,
drum sind mer für de Diktatur des Proletariats.

Dä Kommunismus…

Dat Rosa kütt us Luxemburch, dä Marx, der kütt us Trier.
Der Engels sitzt im Festkomitee. Herr Ober, noch ein Bier!
Achtung, Jenossen, opjepaß! Mer starte den langen Marsch.
Und treten der Burschuasie janz kräftich in den Arsch!

Dä Kommunismus…

(Laut taz (http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/02/20/a0008) erstmals aufgeführt am 7. Januar 1998 bei der Kölner Stunksitzung; Komposition & Text: Wilhelm Künsting; Gesang: M. Bajohr & B. Wanninger=

Lyrics via Ormansjournal

Der Juli-Song

Das die Julis ganz toll singen können, dass haben sie ja am letzten Freitag bewiesen, als sie gegen den Linksfaschismus der Linkspartei demonstriert und nach dem Verlesen einer Liste von Mauertoten (direkt am Platz der Synagoge, bei anderen wäre diese Form der Geschichtsklitterung ein Skandal) gemeinsam mit den übrigen anwesenden das „Deutschlandlied“ angestimmt hat. Leider waren die Gegendemonstrantinnen zu laut als das heraus zu hören gewesen wäre, ob es sich dabei um die erste, die zweite oder die dritte Strophe war. Wie dem auch sei, musikalisch hat der Laden auch sonst einiges zu bieten, sogar nach mir wurde bereits ein Song benannt. Because of this – the Juli-Song:

Für die Freiheit wolln‘ wir streiten,
Menschenrecht den Weg bereiten,
reichen Fremden gerne die Hand
Bereicherung für unser Land.
Wir wollen keine falsche Gleichheit,
sondern Chancengerechtigkeit.
Wir wollen Verantwortung privat
und wollen keinen starken Staat

Ref:
Denn wir sind jung und wir sind frei
und eins ist klar, wir sind dabei.
Rot und Grün kann uns nicht schrecken,
Schwarz niemals das Herz erwecken.
Freiheit bleibt unser Ideal,
denn wir sind Jung und Liberal

Wir wollen Marktwirtschaft gestalten,
statt Korruption verwalten.
Bei der Umwelt, da denken wir schon
an die nächste Gen‘ration
Mit CDU und CSU
macht Deutschland seine Grenzen zu.
Das werden wir verhindern,
nicht nur mit High-Tech-Indern

Ref.:
Denn wir sind jung und wir sind frei
und eins ist klar, wir sind dabei.
Rot und Grün kann uns nicht schrecken,
Schwarz niemals das Herz erwecken.
Freiheit bleibt unser Ideal,
denn wir sind Jung und Liberal

Will die SPD verschulden,
werden wir das ihr nicht dulden.
Jetzt ist Schluss mit aller Subvention
und der Steinkohlereligion.
Sind die Grünen so betroffen,
falsch gefühligkeitsbesoffen.
Der Traum von einer bess‘ren Welt
träumt sich schön mit fremdem Geld

Ref.
Denn wir sind jung und wir sind frei,
und eins ist klar, wir sind dabei.
Rot und grün kann uns nicht schrecken,
Schwarz niemals das Herz erwecken
Freiheit bleibt unser Ideal,
denn wir sind jung und liberal

Vermittlungsprobleme

Gerade in Krisenzeiten (und die haben wir nun ja schon einige Zeit) ergeben sich immer wieder Vermittlungsprobleme. Viele Menschen suchen nach einfachen Erklärungen, und da kommen tiefergehende Analysen nicht immer so furchtbar gut gegen an.

Vermittlungsprobleme ganz neuer Art haben sich nun aber in Lettland aufgetan. Dort ist ein Universitäts-Dozent verhaftet worden, weil er die Finanzkrise irgendwie wohl als ein Problem für die Gesellschaft angesehen hatte.

Nach zwei Tagen der Befragung, wurde Smirnoys ohne Anklage freigelassen. Aber es läuft ein Verfahren gegen ihn, weil er schlecht über die Stabilität der lettischen Banken und der Landeswährung LATS sich ausgesprochen hat. Die Untersuchungsbeamten beschuldigen ihn “unwahre Information” verbreitet zu haben. Sie forderten ihn auf, nicht das Land zu verlassen und beschlagnahmten seinen Computer.

Die Finanzen des Landes sind ein heikles Thema in Lettland, eines welches die Regierung mit Vehemenz versucht vor Gerüchten zu schützen. Es ist eine Straftat dort, wenn man “unwahre Daten oder Informationen” über die Lage des Finanzsystem des Landes verbreitet. Es wird als Subversion angesehen. (Schall und Rauch via Wall Street Journal)

Auch das ist eine Möglichkeit, mit der Krise umzugehen. Dagegen ist natürlich kein journalistisches Kraut gewachsen. Wer die Realität nicht wahrhaben will, wird kaum von ihrer Existenz zu überzeugen sein. Ähnliches berichtete Olaf Kistenmacher bei einem Vortrag über Antisemitismus, den er unlängst in Göttingen hielt. Bei einigen Vorträgen würden ihm Aussagen der KPD in der Weimarer Republik schlichtweg nicht geglaubt, selbst wenn er die Zeitungsartikel als Folie auf den Overheadprojektor werfen könne. Das hätte er doch bestimmt retuschiert, so der Vorwurf.

Oder auch diese vermeintliche Tat einer Lehrerin irgendwo in den USA. Die hatte nämlich einem Schüler eine gebrannte Linux-CD abgenommen und freute sich schon ob des Fundes dieser Raubkopie. Das wollte die Lehrerin zunächst nicht glauben – warum schließlich sollte jemensch irgendwas für lau unter die Leute werfen? Schließlich muss sie dem Schüler zumindest soweit geglaubt haben, dass sie „sich schließlich dazu hinreißen (ließ), einen Brief an die Herstellerfirma zu schreiben, in der sie rechtliche Schritte gegen diese unlautere Praxis androhte.“ (via Chip) Sachen gibt’s, die gibt’s nicht….

Geld

Nachdem die Finanzwelt in heilloses Chaos gestürtzt zu sein scheint und die Kommentator*Innen in den Wirtschaftszeitungen sogar das Wort „Realökonomie“ erlernt haben, fragen sich alle, wie genau das mit dem Geld eigentlich funktioniert. Hier die Einschätzung von Kloß & Spinne, auf die mich übrigens Benni gebracht hat – dafür an dieser Stelle noch mal danke.