Archiv der Kategorie 'Kuriositäten'

Kein Marktversagen

Der glauben an den Markt bekommt in Teilen religiöse Züge. Das der Markt versagt – es kann nicht sein, was nicht sein darf. Entsprechend sind auch andere Schuld: nicht Kapitalismus und Marktwirtschaft, sondern das Fehlverhalten von Banken und ManagerInnen. Sagt die FDP, wie wir in diesem Beitrag nachhören können. (Interview)

Das schönste Schmankerl ist dabei dies: (mehr…)

Lustiges im Völkerrecht

Die Art und Weise wie der Staat seiner Aufgabe, die Warenproduktion in zumindest oberflächlich zivilisierte Bahnen zu lenken, ist das Recht. Im Recht setzt der Staat mittels seiner ihm innewohnenden Staatsgewalt die für alle gleichermaßen gültigen Regeln des mehr oder minder freien Warenverkehrs. Das mit der Gewalt wird dann allerdings zum Problem, sobald wir die heimelige Atmosphäre des liebgewonnenen Nationalstaates verlassen. In dem Fall geht es eben nicht mehr um nationales Recht, sondern um Völkerrecht. Völkerrecht gilt dabei als die Summe der Rechtsnormen, welche die Beziehungen der Völkerrechtssubjekte zueinander regeln. Völkerrechtssubjekte wiederum sind solche, „die die Fähigkeit besitzen, Träger von völkerrechtlichen Rechten und Pflichten zu sein.“1 Will sagen: Völkerrecht wird darüber definiert, was Völkerrechtssubjekte sind. Und Völkerrechtssubjekte werden darüber definiert, was Völkerrecht ist. Man weiß ja doch irgendwie, worum es geht und kann sich deshalb die Präzision auch gleich sparen. (mehr…)

Enthüllungen

… gibt es hier nicht. Noch nicht. Aber ich frage mich ja schon so einiges. Bleistiftsweise gibt es einen Haufen politisch (scheinbar) aktiver Gruppen, von denen ich so absolut gar nix gehört habe, das ich doch mal gerne wissen möchte, ob die wer kennt:

(1) Vor zwei Wochen stand in der Göttinger Szenezeitschrift GöDru (Göttinger Drucksache) ein Text der ILF, der Internationalen Befreiungsfront. Nun hab ich nicht nur deren Text nicht verstanden, sondern auch keine Ahnung, wer mir den wohl erklären kann. Mal ganz abgesehen von der Frage, warum die Abkürzung eher zu ‚International Liberation Front‘ passen würde denn zu dem schlussendlich gewählten deutschen Namen.

(2) Der zu einem Podium beim Ums-Ganze-Kongress eingeladene Stefan Meretz etwa bekommt seit kurzem Post von einer scheinbar aus Berlin stammenden Gruppe mit dem wohlklingenden Namen ‚Zlatan Orek‘. Da interessiert mich dann nicht nur, was wohl der Name bedeutet, sondern vor allem, warum zum Henker niemensch diese Gruppe kennt.

Gebrüllt, Löwe!

In der letzten Ausgabe der Krisis machte sich selbige Redaktion unter Zuhilfenahme befreundeter AutorInnen auf den Weg, noch einmal der Frage nachzugehen, wie es denn nun um den Charakter der Krise bestellt ist. Erkenntnisleitend ist dabei die Frage, ob (wie oft behauptet) Dienstleistungs- oder Wissenskapitalismus die Möglichkeit eines neuen Akkumulationsregimes aufmachen. Die Antwort der Krisis ist eindeutig: Nein.

Dagegen zieht nun einer zu Felde, der das Ergebnis der Untersuchung teilt, die leitenden Forscherinnen nun aber gar nicht mag: Robert Kurz. Bevor der sich inhaltlich auf die vorgebrachte Argumentation einlässt, wird der Zusammenhang der Rest-Krisis als erstes mal ordentlich pathologisiert:


„Bevor ich darauf genauer eingehe, ist aber schon an dieser Stelle die ideologische Funktion der zentralen These zu benennen: Der Begriff von Krise und Kritik der Warengesellschaft verengt sich unter der Hand auf einen privilegierten Sektor, der die Auflösung der Warenform schon „objektiv“ tragen soll …“

„Kritische Theorie“, so aber das Plädoyer Kurzens, „geht entweder aufs Ganze oder sie ist keine.“ Würde die kritische Theorie das ernstnehmen, wäre sie wohl aber erst recht keine. Würde das doch heißen, sich mit dem realen Verlauf der Widersprüche gar nicht erst auseinanderzusetzen. Damit wäre dann allerdings letztlich auch Krisentheorie obsolet. (mehr…)

Pottern verboten

Das lesen resp. hören von Harry-Potter-Romanen, in Fachkreisen auch unter der Bezeichnung „pottern“ bekannt, unterliegt zur Zeit größeren rechtlichen und finanziellen Gefahren. Zumindest, wenn eins im thüringischen Pößneck bei der Druckerei GGP arbeitet. Warum, das erklärt uns das Börsenblatt des deutschen Buchhandels:

„Nach Informationen des „Thüringen Journals“ des MDR werden in den nächsten Tagen zunächst 250.000 Exemplare der englischsprachigen Ausgabe „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gedruckt. Alle Mitarbeiter und Praktikanten der Druckerei GGP hätten in den vergangenen Tagen eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreibe müssen, wonach sie weder Texte lesen noch Fotos oder Kopien anfertigen durften – Taschen- und Autokontrollen inklusive. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Mitarbeitern neben der fristlosen Kündigung auch die volle Übernahme der Vertragsstrafe des britischen Verlags.“

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SchwerverbrecherInnen

Es soll sie ja noch immer geben, diese bösartigen Menschen, die den liebevoll gehätschelten Sozialstaat auf das Böseste auszunehmen trachten. Das kann sich Papa Staat natürlich nicht mehr leisten und muss dem einen Riegel vorschieben. Und wie das in westlich-zivilisierten Gesellschaften so üblich ist, wird auch hier für soziale Probleme eine technische Lösung gesucht. Wenn also Menschen versuchen, ihre wenigen Kohlen um ein paar zusätzliche Kröten aufzubessern, dann wird denen nun mittels hochtechnologisierter Überwachungsgerätschaften zuleibe gerückt – zumindest in Großbritannien. (mehr…)

Zapatistische Entwicklungshilfe

Im Juni des Jahres 2005 veröffentlichte die EZLN, die Zapatistische Armee der nationalen Befreiung ihre „6. Erklärung aus der Selva Lancdona“. In einem Teil, dem nämlich der dieser Erklärung zu einiger Berühmtheit zumindest innerhalb der globalen Linken verholfen hat, haben sie Angekündigt in unterschiedliche mexikanische Provinzen „eine Delegation ihrer Führung (zu) entsenden, um diese Arbeit in ganz Mexiko auf unbestimmte Zeit durchzuführen. Diese zapatistische Delegation wird, gemeinsam mit den Organisationen und Personen der Linken, die sich dieser Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald anschließen, an die Orte gehen, an die wir ausdrücklich eingeladen werden.“ Was sie getan hat und was hier eigentlich gar nicht Thema sein soll.

Denn häufig wird Bewegungen den Zapatistas ja vorgeworfen, dieser nationale Bezugsrahmen sei ein Problem, die Forderung nach „Demokratie und Freiheit für das maxikanische Volk“ sei letztlich eine bornierte Forderung und der Bezug auf den indigenen Zusammenhang sei letztlich eine romantische Verteidigung vorbürgerlicher Verhältnisse. Allen, die derartiges Denken sei (nicht zuletzt um meine neugewonnene antideutsche Identität anzukratzen) dieser Passage aus eben jener Erklärung empfohlen, in welcher die EZLN sehr detailliert diskutiert, welche Chancen ihr so zur Unterstützung internationaler Kämpfe gegen das voranschreitende Projekt von Herrschaft, Kapitalismus und Globalisierung (die zapatistische Kurzform hierfür lautet: Neoliberalismus) zur Verfügung stehen: (mehr…)

Neues von der Gödru…

Am Freitag den 30. März brachten in Göttingen einige fleißige Gödru-Verteilerinnen einen großen Teil der Göttinger Szenezeitschrift an ihren Distributionsort. Eine Stunde später, wenn wir den Augenzeuginnen trauen wollen, waren die Zeitungen weg. Nun rätseln alle, wer wohl ein Interesse daran haben könnte, die Verteilung der Ausgabe zu unterbinden. (mehr…)

Rechte Gewalt: Ursachen Bekämpfen?

Die Welt betitelte den Bericht über Pläne in der EU-Komission, das Vorgehen gegen Rechtsextremismus europaweit zu verstärken und zu vereinheitlichen mit EU verstärkt Kampf gegen Rassismus und berichtet dann über spannende Dinge wie diese:

Zur Debatte um ein Verbot sogenannter Killerspiele sagte Frattini, er sehe einen breiten Konsens, dass das Problem in Europa angegangen werden müsse. Die Alterskontrollen, mit denen eine Abgabe Gewalt verherrlichender Spiele an Jugendliche verhindert werden soll, seien in vielen Ländern unzureichend. Zypries sagte, Deutschland habe einen Fragebogen entwickelt, mit dem zunächst die unterschiedlichen Sanktionsmöglichkeiten in den EU-Ländern abgefragt würden. Zu der Debatte um ein weiterreichendes Verbot in Deutschland sagte sie, sie wolle sich nicht gegen eine Änderung des Strafgesetzes sperren, wenn diese nötig sei.

Das nenne ich mal wahre Ursachenbekämpfung! Dabei gibt es für Rechtsradikalismus doch noch andere Ursachen. Etwa die, die von der Welt am 5. Februar genannt worden: (mehr…)

Von Urheberrechtsverletzungen Oder: Die haben doch alle ne Ma…

Da der Kapitalismus eine Gesellschaft ist, in der der Reichtum „als eine ungeheure Warensammlung“ (Marx, MEW 13, 15) erscheint, braucht es auch ein passendes Rechtsinstitut, um die Dinge in die Warenform zu bringen. Das gilt auch für geistige oder künstlerische Werke – oder solche, die dafür gehalten werden. Wer ein solches Werk (sei es nun ein Text, ein Foto, ein Film oder ein Lied) erschaffen hat, der genießt den Schutz durch das Urheberrecht. (mehr…)

Günstig Einkaufen: Feminismus-Wochen

Manchmal kommt mir der Gedanke, dass das Patriarchat bestimmt alle Verrücktheiten schon durch hat. Und dann kommt das junge Modehaus „Trends“ und präsentiert uns die Feminismus-Wochen. Da gibt es nicht irgendie feministische Aufklärung zu jedem gekauften Möbelstück oder Werkbänke für Frauen billiger, damit die mal aus der klassischen Rollenzuschreibung ausbrechen können. Und selbst das wäre ja noch – rein politisch gesehen – eher ne fragwürdige Veranstaltung. Aber statt dessen gibt es – und jetzt schnalle mensch sich an! – Rabatt auf Küchen. Für alle Frauen. Insbesondere – wie auf dem Foto – für die, die den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Wegen dem Feminismus. Wie titelte das Gender-Blog schon ganz richtig: „Feminismus ist, wenn die Küchen billiger werden.“ Und auch dem Mödchenblog ist rechtzugeben, wenn es dort heißt: „da hat wohl jemand etwas nicht ganz verstanden …“.

Danke an Mädchenblog, ColdClocks und Genderblog

Gefahrenabwägung: virtuelles und reales Ballern

Ich hatte an anderem Orte schon mal auf den Dummfug mit dem Verbot der sog. „Killer-Spiele“ hingewiesen. Und darauf, wie wiedersprüchlich und lächerlich die Argumente der BefürworterInnen dieser Maßnahme sind. Kompi verwies in der Diskussion auf das wunderschöne Editorial aus der C‘t mit dem Titel „Wurzel aller Übel“

Morgens halb acht in Deutschland: Statt Pausenbrot und Mathebuch packen reihenweise deutsche Schüler Uzis und Blendgranaten in ihre Ranzen. Andere schnappen sich beim Boxenstopp in der Küche den Integralhelm und besteigen 900-PS-Flitzer. Dann jagen sie am nächsten Zebrastreifen ein paar Rentner. Wieder andere springen mit ihren Motorrädern durch Schaufenster oder stürzen sich im Lila-Kuh-Dress mit Skiern vom nächsten Hausdach.

Da gibts nur eins: Wir müssen endlich auf den tiefschwarzen Ritter aus Bayern und seine niedersächsischen Gefährten hören und das Übel gleich an der Wurzel ausrotten. Sie haben nach gründlicher statistischer Untersuchung das – als Killerspiel inkarnierte – Böse als Erste erkannt. Auf den Scheiterhaufen mit den Killerspielen!

So einfach und bestechend der Schlachtplan auch ist, kläglich scheitern wird er: Scheiterhaufen entsprechen nicht ganz den Regeln der Political Correctness. Lobbyisten laufen Sturm gegen die PC-Spiele-Verderber und Elternverbände warnen bereits davor, dass die Kinder dann am Sonntagmorgen bereits ab 7:42 Uhr im elterlichen Schlafzimmer um Aufmerksamkeit betteln.

Emsdetten war aber nur der Anfang: Kreative Statistiker fanden kürzlich heraus, dass nicht nur Ego-Shooter unsere Kinder zerstören: Das Online-Training mit Sportspielen suggeriert ihnen, sie wären auch im realen Leben talentierte Skispringer, Motocross-Fahrer oder sturmerprobte Einhandsegler. Nun kommen die Lieferanten von Gipsbinden, Krücken und Rollstühlen nicht mehr mit der Produktion hinterher. Die Arbeitsämter fordern eindringlich Hartz-IV.5, um der gewaltigen Schwemme arbeitsloser A380-Piloten Herr zu werden, die Microsoft und Co. Tag für Tag ausbilden. Von den verheerenden Auswirkungen der Schachspiele ganz zu schweigen.

Verbote braucht das Land! Nicht nur Ego-Shooter, sondern alle potenziellen Gefahrenquellen sind zu eliminieren. So zum Beispiel Brot. Brot birgt statistisch eine weit größere Gefahr als Killerspiele. Über 90 Prozent der Amokläufer konsumieren in den 24 Stunden vor ihren Massakern Brot. Noch fataler sind Eltern. Die Statistik belegt eindeutig: Jeder Verrückte hat welche!

Wie viele Menschenleben man da retten könnte! Um Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen oder nicht anständig erziehen, brauchen wir uns dann zum Glück keine Gedanken mehr zu machen, denn sie verbietet das Gesetz ja gleich mit.

Eine andere lustige Anekdote zum Verbots-Wahnsinn hat jetzt Tobias Haase ausgegraben: Der niedersächsische Innenminister ist nicht nur einer der Protagonisten dieser Forderung, sondern gleichzeitig „verheiratet und hat zwei Kinder“, wie wir seiner Homepage entnehmen können. Einschlägige Kreise haben bereits angefangen sich Sorgen um die beiden zu machen, bis ihnen dann im nächsten Satz das ganze Grauen bewusst wurde: „Er ist Mitglied im Lions Club Holzminden und im Sportschützen-Club Holzminden.“ Beachtenswert ist dabei weniger Schünemanns Vorliebe für große Raubkatzen, sondern seine Mitgliedschaft im Sportschützen-Club. Das die mal nicht irgendwie auf seine Kinder abfärbt. Oder das der Minister gar selber Amok läuft und am Ende noch die Abschiebung von Gazele Salame zurücknimmt. Das wäre dann wohl das erste Mal, das ein Amoklauf positive Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hätte. In diesem Sinne: Schünemann, geh du voran!

Danke an Kompi und die Reflexionsschicht für die Hinweise!

Killer-Leben verbieten

Terror in Schulen ist schon gruselig. Erst wirst du via Schulfplicht gezwungen in so einen Laden zu gehen wo du weder Bock auf die Leute noch auf das hast, was die so mit dir anstellen. Und dann, wenn dir das Ganze ohnehin schon tierisch auf den Senkel geht, kommt da ein anderer (meist männlich), dem das noch viel mehr stinkt, an und will dich, sich und ein paar andere, die zufällig des Weges kommen, mal ganz flott entsorgen. Auf den Müllhaufen der Geschichte. Schöne Scheiße. (mehr…)

Korruption made in Germany?

„Die Politiker NICHT korrupt“ behauptete Juli Zeh dereinst in der Zeit und lobte Deutschland ebensosehr über den grünen Klee wie patriotische Gesinnung als solche. Die Titanic hat versucht das zu überprüfen und umgehend eine empirische Untersuchung durchgeführt. Das Setting sah wie folgt aus:

Als erstes wurde ein Kontoauszug ähnlich dem aus der Schmiergeldaffäre der CDU gefälscht, dann wurde eine Telefonumleitung über Luzern organisiert und schließlich einfach mal ganz flott die CDU angerufen. Lesen wir selbst den Originaltext der Studie: (mehr…)

Rot-Grün kämpft gegen Kinderarmut

Über die Sache mit der Kinderarmut hatte ich hier ja schon mal berichtet. Ziemlich miese Veranstaltung. Vor allem für die Betroffenen. Aber natürlich auch für die Politik, die immer ein Problem kriegt, wenn sie denn erklären muss, wie gerade ihre Politik sowas hinkriegen konnte. Damals hatte ich die Reaktionen der Politik wie folgt zusammengefasst: (mehr…)