Archiv der Kategorie 'Multimedia'

Kapitalismus abwickeln?

Bei einem Vortrag im Dezember hat sich Ernst Lohoff der Frage gewidmet, wie wir den Kapitalismus loswerden können. Die vorgetragenen Überlegungen gibt es nun Online:

Geringe Medienkompetenz bei Amazon

Die ARD hat eine Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Amazon verfasst. Seitdem wissen wir, warum der Laden so günstig und so schnell ist. Was für die KundInnen gut ist, ist für die Beschäftigten (diesmal wie auch sonst zumeist) eine ziemliche Scheiße:

(via ARD-Mediathek)

Entsprechend ist die Protest-Maschinerie auch umgehend angesprungen. Es hat sich eine Facebook-Gruppe gegründet, es gab viel Kritik auch auf der Amazon-Facebook-Seite. Das fand das Unternehmen nicht so gut. Entsprechend wurde dazu aufgerufen, die eigene Seite mit Lobeshymnen zu überfluten. Leider nicht privat, sondern öffentlich. Und so ist die Welt nicht nur sauer über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, sondern lacht auch über dieses Bild:

Braunschweig kriegt die Krise

Gestern war ich bei einer Veranstaltung in Braunschweig. Norbert Trenkle, Thomas Sablowski und Bernd Röttger waren von der Antifaschistische Gruppe Braunschweig und dem DGB-Jugend Ausschuss Braunschweig eingeladen worden, über die Ursachen der Krise zu diskutieren und Perspektiven für emanzipatorischen Protest auszuloten. Um es vorwegzunehmen: es wurde tatsächlich über die Krise geredet, nicht so wie bei dieser Veranstaltung hier:

Stattdessen ging es zunächst wie gewohnt los: Norbert Trenkle referierte recht knapp über die Ursachen der Krise, wie sie sich für die Krisis-Gruppe, der er angehört, darstellen – und wie er sie gemeinsam mit Ernst Lohoff in dem neuen Buch ,Die große Entwertung‘ dargestellt hat. Der Kapitalismus, so Trenkle, sei durch ein widersprüchliches Verhältnis charakterisiert: er sei seinem Wesen nach auf die stete Anhäufung von Arbeit (so called ,Mehrarbeit‘) angewiesen. Gleichsam zähle diese Arbeit jedoch nur in ihrem gesellschaftlichen Durchschnittsniveau, weshalb die einzelnen Kapitalien stets bemüht seien, Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen. Dieser Prozess ließe sich solange recht problemlos aufrechterhalten, wie durch die Erschließung neuer Produktionssegmente die an der einen Stelle überflüssig gewordenene Arbeit an anderer Stelle wieder in den Prozess inkludiert werden kann. Dies funktioniere seit der mikroelektronischen Revolution allerdings nicht mehr, da durch sie Arbeit in einem kaum vorstellbaren Maßstab überflüssig geworden sei. Stattdessen sei das freiliegende Kapital an die Finanzmärkte geströmt und zeichne dort als Akkumulation von Fiktivem Kapital im Wesentlichen für die kapitalistische Dynamik der letzten 30 Jahre verantwortlich. (mehr…)

Weiße

Gerd meinte, es sei rassistisch, Weiße als Weiße zu bezeichnen. Noah Sow hat da vor einiger Zeit mal kritisch drüber reflektiert. Hier also ihre Gedankenanregung:

Kriminalgeschichte des Christentums

Gerade fand ich auf Youtube eine recht sehenswerte Debatte zur (Kriminal-)Geschichte des Christentums, die als Streitgespräch zwischen KirchenvertreterInnen und -gegner*Innen aufgemacht ist. Die Gegenüberstellung von Verteidigung gegen vermeindlich falsche Vorwürfe ist schon einigermaßen aufklärerisch:

Um die Methode fortzusetzen, möchte ich hier noch auf Zitate von „wahren Christen“ sowie ein Potpourrie unterschiedlicher, teils sehr skurriler Aussagen über das Christentum verweisen. Beide eignen sich übrigens auch sehr schön, um für diverse im Video getätigte Aussagen noch mal schöne Beispiele von anderer Seite zu finden. Watch & Enjoy!

Muss es die Klasse sein, die kämpft?

earendil hat in einem Kommentar die Frage aufgeworfen, was denn diese Kritik an Personalisierungen immer solle und ab da nicht die berechtigten Momente des Klassenkampfes hinten runterfallen:

Grundsätzlich kann ich aber die wertkritische Aversion gegen alles, was nach personalisierter Kapitalismuskritik riecht, nicht verstehen. Die Konzentration auf die allgemeinen Formprinzipien des Kapitalismus darf nicht den Blick auf die Klassenherrschaft verstellen, und es darf auch nicht jede Wut auf die herrschende Klasse oder auch konkrete Vertreter_innen davon als Vernichtungswunsch denunziert werden.

Leider komme ich grade nicht dazu, das ausführlich zu kommentieren, aber eine erste Idee, warum das so ist, gibt vielleicht dieser wenn auch sehr improvisierte Einführung in diese Fragestellung, die Norbert Trenkle mal auf dem Um’s Ganze-Kongress gehalten hat und der auch hier heruntergeladen werden kann:

In diesem Sinne möchte ich also in keinster Weise die Notwendigkeit sozialer Kämpfe in Frage stellen – die ergibt sich ja bei der Alternative von Emanzipation und Barbarei fast von alleine. Es bleibt eben nur die Frage, warum es denn unbedingt die Klasse sein soll, die da kämpft. Und wogegen sie denn kämpfen sollte, wenn sie dies schon als Klasse tut. Und ob das Bild dahinter nicht ein bisschen einfach ist und übersieht, dass Kapitalismus eben nicht einfach zwischen oben und unten verläuft und die Menschen sich fein säuberlich auf zwei Seiten der Barrikade aufstellen. Sondern das Herrschaft eine etwas kompliziertere Sache ist, die mitten durch die Subjekte hindurchgeht und deshalb zu ihrer Überwindung mehr braucht als die „Wut auf die herrschende Klasse“.

Und, auch das nur nebenbei, den Vernichtungswunsch brauche ich ja gar nicht zu erfinden. Den schreiben die Autor*Innen des traditionellen Marxismus ja seit jahrzehnten selber und teilweise wortwörtlich in ihre Texte hinein. Und zwar mit einer Kontinuität, die einigermaßen erschreckend ist.

The evil is always and everywhere

(Motto frei nach der 1. Allgemeinen Verunsicherung)

Drei mal habe ich nun schon in der Sache Schramm geschrieben. Eine Frage ist nun in dieser Auseinandersetzung offen geblieben, die allerdings ein weites Feld aufstößt: die Frage nämlich, was denn an dem Kritik-Konzept von Georg Schramm und dem, was er an der Wirtschafts- und Finanzkrise zu krititisieren hat, schlichtweg analytisch falsch ist. Das Ansinnen ist sicherlich nicht ganz unproblematisch, da einen Kabarettisten an politischer Theorie zu messen immer auch die Ansprüche der politischen Theorie (die Welt zu erklären) auf die Ansprüche des Kabarett (die Welt auf scharfzünnig-witzige Weise zu kritisieren) überträgt. Doch mir scheint, das die vom Kabarett ja durchaus angestrebte Gesellschaftskritik sich durchaus daran messen lassen muss, ob sie etwas mit der Realität zu tun hat. Sonst hieße es ja Science Fiction(mehr…)

Ein Antisemit als Bundespräsident?

So langsam wird es zur Selbstverständlichkeit: schon wieder ist ein Bundespräsident abgetreten worden. Das wäre nicht weiter schlimm, würde nicht alle Welt rumheulen, damit würde „das Amt“ beschädigt. Bis in die Linkspartei hinein gibt es die Furcht um das Ansehen Deutschlands in der Welt. So weit, so schlecht – und wie so oft hat alles wesentliche Hermann L. Gremliza bereits dazu gesagt:

(mehr…)

Wohnungsnot und Jugendprotest

Bereits vor längerer Zeit hatte ich in einem Beitrag auf Wohnungslosigkeit als Folge der Immobilienkrise von 2007/2008 hingewiesen (nämlich hier und hier. Die Geschichte geht immer gleich: Kredit aufnehmen, arbeitslos werden, Kredit nicht bedienen können, Wohnung wird geräumt, Betroffene wohnen in Zeltstädten oder alten Lagerräumen oder auf der Straße. Die Wohnung steht derweil leer. Nicht, weil sie prinzipiell unbenutzbar wäre. Sondern weil die Kette Gehalt – Geld – Wohnung nicht mehr funktioniert. Sehr anschaulich wird das auch in diesem eher bewegungspolitisch ausgerichtetem Beitrag über Jugendproteste in Spanien:

Falsch zugeordnete Zitate

Marc-Uwe Kling und sein Känguruh haben unlängst einen Running Gag aus falsch zugeordneten Zitaten gemacht:

Besonders sarkastisch ist dabei wohl diese Variante:

Als überdurchschnittlich realitätstauglich kann hingegen diese Zitatzuordnung gelten:

Die Zukunft des Euro

Da es ja offensichtlich (nicht zu Unrecht) zum guten Ton gehört, Georg Kreisler die letzte Ehre zu erweisen, möchte ich an dieser Stelle nicht nur auf sein Interview verweisen, das er vor einigen Jahren der Konkret gegeben hat, sondern zudem auf die sehr gefühlvolle Stellungnahme seiner Tochter, Sandra Kreisler, verweisen. Und wo wir schon mal dabei sind sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Kreisler durchaus ein beachtlicher Ökonom war:

Die Mauer muss weg!

Sehr großartig fand ich das Ende eines Vortrages über die Krise, den Lothar Galow-Bergemann vor einiger Zeit gehalten hat – und den anzuhören sich durchaus lohnt:

Den ganzen Vortrag gibts hier.

QueerPolitics oder Identitätspolitik?

Was habe ich nun hiervon zu halten?

(via Kulla & Brains)

The Meaning Of Friendship

Freud würde vermuten, dass es kein Zufall ist: während ich für gewöhnlich meine Veröffentlichungen hier archiviere, habe ich das in diesem Fall nicht getan.

The Grand Coulee haben sich nun aufgemacht, diese Fehlleistung gesellschaftskritisch aufzuarbeiten und soziohistorisch einzubetten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Lyrics:

1

Engels & Marx
took a walk in the park,
and Engels was awfully silent.
Marx bit his lip -
was it something he did say? -
when Engels with tears in his eyes said:

Oh, my Mary has died!
She was the love of my live…
Oh, those wild Irish eyes
shone like stars in disguise!
My youth is spent like her smile…
And your letter, my friend –
no word of kindness to spare?

2

Marx averted his gaze,
red was his face,
when he mumbled
into his beard
somethng about lack of money
and how Ricardo and Smith
drove him to tears.

Engels said: „Oh, please, Marx -
Come on and show me some compassion and love!
Well, assuming you still know
what that is.
It can’t be our relationship is only
about economics, the fight against
the bourgeoisie, the trouble with the anarchists -
and ‚comrade’ should be more than just a word now,
won’t you agree?

So, tell me now:
What’s the meaning of friendship?
Do you know, Marx?
Do you know?
It’s more than just mere affection –
Don’t you know, Marx?
Don’t you know?
A friend is someone
you don’t ask for a favor,¬.
Someone who will grant it for free.
Someone who will lend you a hand when you’re feeling
empty and lonely and useless and hopeless and beat…

3

And Marx thought to himself:
„Don’t you know, old friend?
Don’t you know?
I love you more than just anything -
and more than gold, oh,
more than gold.
I would love you to dance on my grave,
when I’m dead,
when I’m dead.
And I would love to tell you
you’re the greatest friend
I ever had…“

But he just said:
„Look, Engels, I’m sorry for what I said.
I’m a cynic, I didn’t mean it –
don’t you know it?
Can you forgive me?“
And Engels said:
„That’s the easiest part –
ain’t forgiving mistakes
what friendship is
just all about?“

PS: Nicht uninteressant in diesem Kontext ist auch dieser etwas ältere Beitrag hier.

Kritik an der Multitude

In den letzten Tagen und Wochen gab es einige Protest-Events, die zwar von breiten Bündnissen getragen worden sind, aber durchaus auch Kritik hervorgebracht haben. Ob auch EmanzipationUndFrieden diese Verbindungslinie in die Kritik nehmen wird, bleibt derzeit noch abzuwarten.