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Gremliza zu Sarrazin

Bereits vor einiger Zeit, als Thilo Sarrazin in einem Interview gegenüber der Lettre International zu Protokoll gab, wie er sich moderne Bioethik vorstellt, hat Hermann L. Gremliza, seines Zeichens Herausgeber der Konkret, dessen Ausfälle recht treffend kommentiert:

Nun, nachdem die ganze Republik von nichts anderem spricht als von Sarrazins Rassekunde, hat er nachgelegt:

Das Haus am See

Angeln fand ich ja noch nie sonderlich toll:

„Die Jugend 2010 gibt ein verblüffendes Bild ab. Sie präsentiert sich sehr erwachsen, kontrolliert und vernünftig. Zielstrebig will sie ihren eigenen Weg finden. Dabei stehen Bildung, Karriere und ein hoffentlich gutes Einkommen hoch im Kurs. Eine große Anpassungs-Bereitschaft, persönliche Beweglichkeit und Pflichtbewusstsein werden ebenso als Garanten eines erfolgreichen bzw. abgesicherten Lebens angesehen, wie ein breites Kompetenz-Spektrum. Die Lebensentwürfe der jungen Menschen sind von klaren und vor allem erreichbaren Zielen bestimmt. Dabei scheint in diesen Entwürfen immer eine Biedermeierwelt durch, in der das zentrale Lebensziel darin besteht, ein kleines Haus mit Garten oder eine Eigentumswohnung zu besitzen. Bewohnt mit der eigenen Familien, den (beiden) Kindern und dem Hund. Das Lied von Peter Fox über das „Haus am See“ ist daher eine Hymne an ein beschauliches Leben, in dem man endgültig angekommen ist, sich niedergelassen und sich im Kreise der Familie wohlfühlt. Zuhause will man sich gemütlich einrichten und Geborgenheit erfahren.“(Die Absturz-Panik der Generation Biedermeier; rheingold-Jugendstudie 2010)

Warum heute noch Marx?

…. wurde Ingo Elbe gefragt, und antwortete wie folgt:

Der Intimfreund von Friedrich Engels

In dem mittlerweile recht gut bestückten Audioarchiv von Blogsport findet sich neben vielem anderen auch ein Beitrag zur Kritik des linken Antifeminismus. Darin enthalten ist auch diese Perle scharfsinniger Polemik, die nicht ungehört an uns vorbeiziehen sollte:

I read some Marx…

Äh, ja… strange folks will rock the world….


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Copying is Fun!

Das zumindest finden Nina Paley, Nick Phelbs und Connie Champagne – und haben deshalb dieses entzückende Werbevido entworfen:

Wo kommst Du denn her?

Einige kennen sie vielleicht, diese Frage: „Wo kommst Du denn her?“ Nicht immer ist sie als „Anmache“ gedacht, aber leider führt sie niemals zu den gezeigten Nebenwirkungen:

(via)

Schäuble eine Gefahr für Deutschland?

Das zumindest legte ein Reporter von Telegraaf aus Amsterdam nahe, als er in einer Pressekonferenz mit Angela Merkel einen Zusammenhang zwischen der Parteispendenaffäre und der neuen Regierung herstellte: in beiden Fällen würde Wolfgang Schäuble eine wichtige Rolle spielen und in beiden Fällen habe diese Rolle mit Geld zu tun. Merkel wollte nicht drüber reden. Ein Grund mehr, noch mal darauf hinzuweisen.

Wahlkampf gerne auch mal rassistisch

Im Wahlkampf geben die Parteien alles. Da kommt es nicht ganz so genau darauf an, was sich hinter dem gesagten, geschriebenen oder gezeigten so steht. Hauptsache, die Protagonist*Innen glauben, dass es gut ankommt. Den netten Versuch der CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld, einfach mal etwas mehr zu zeigen als die anderen, dürfte den meisten bekannt sein:

CDU hat bessere Argumente

Die Grünen haben sich da nicht lumpen lassen und gleich ordentlich einen draufgesetzt:

Grünne sehen schwarz

Den Vogel abgeschossen haben dürfte (wenn auch nicht im wörtlichen Sinne) wohl der Kamerad Rüttgers. Jürgen R. aus NRW hat es geschafft, sogar die völkischen Lobhudeleien von Lafontaine, die dieser für die heimischen Arbeitnehmer*Innen für gewöhnlich übrig hat, zu überbieten. Aber immerhin ist es doch schön, wenn mal ganz deutlich wird, was der deutsche Konservatismus so zu bieten hat:


Rüdgers beleidigt Rumänen und würgt Chinesen – WEB.DE Video

Jetzt wissen wir bescheid: der Rumäne kann nicht arbeiten und der Chinese übernimmt die heimische Wirtschaft. Oder so ähnlich.

Wozu brauchen wir Gewerkschaften?

Gewerkschaften sind ziemlich böse Organisationen. Das ist ja nun ein altes Lamento etwa von Guido Westerwelle, der sie einst als „Plage“ bezeichnete, mit der die braven Deutschen nun irgendwie fertigwerden müssten. Um eine „Gesundung“ der Gesellschaft zu erreichen müsse daher die „Fremdbestimmung“ durch die Gewerkschaften beendet werden. Das Grundübel seien eben „die Gewerkschaftsfunktionäre“.

Da ist so ziemlich alles drinne, was es an reaktionärem Gelaber so geben kann. Die Naturalisierung von Gesellschaftlichem etwa oder die Personalisierung von gesellschaftlichen Strukturproblemen in einer spezifischen Gruppe, die scheinbar die Fäden in der Hand hält. In ein ganz ähnliches Horn blies dann vor gar nicht allzulanger Zeit auch die Bahamas. Dort klagt das liberale Bürgertum ebenfalls seit einiger Zeit über das Ende des Manchesterkapitalismus und die Aushöhlung der unsichtbaren Hand des Marktes. Denn der Kapitalismus verharrt „seit zirka 1870“ in einem Zustand der Stagnation, der die Segensreichen Wirkungen des freien Marktes (der bringt ja bekanntlich, wenn die Menschen ihn nur lange genug ertragen, von ganz alleine die Freiheit- zumindest wenn wir der bürgerlichen Geschichtsphilosphie glauben schenken wollen). In der Kritik steht nun die „Weise, wie Löhne, besser: Tarife zustande kommen, seit der zunehmend fixe Charakter des Kapitals das Wertgesetz (wohlgemerkt: nicht seinen Wertcharakter) durch den Primat der Politik ersetzte und damit der Krise eine ganz andere Bedeutung gab.“

Für alle, die da nicht ganz durchsteigen: Löhne kommen nicht durch das ungeregelte Spiel der freien Marktkräfte zustande sondern durch „den Primat der Politik“ und das ja bekanntlich böse. Der Sozialstaat nämlich, der „zirka 1870“ in Deutschland eingeführt wurde ist lediglich ein „Apparat der Cliquenversorgung von Staats wegen für in erster Linie Gewerkschafts-, aber auch anderer Verbandsfunktionäre“. So schaffen es die bösen, gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*Innen, den Rest der Republik auszunehmen:

„Diejenigen, die aus diesen arbeitenden Klassen ausgeschlossen sind, bezahlen die Zeche. Heute ist nämlich der segregierende Charakter der Krisenprävention im Racket-Staat so deutlich wie nicht mehr seit 1945 zu sehen: Durch den Ausschluss derer, die nicht rechtzeitig oder durch den Verzicht auf ihre Jugend und quälende Job-Castings (Praktika) in die Brutto- (nicht: Netto!) Hochlohn-Maschinerie hineingekommen sind. Der absurde Widerspruch der Finanzierung der Kassensysteme durch so genannte Lohnnebenkosten prozessiert dynamisch und unaufhaltsam: Je weniger solcher Arbeitsplätze noch finanziert werden können, desto teurer werden die verbliebenen. Je teurer diese werden, desto weniger gibt es in der Folge, desto teurer werden die verbliebenen und so weiter und so fort. „

Wir sind also immer noch beim alten liberalen Lamento, das die Gewerkschaften ganz böse und am besten bald gar nicht mehr sind. Und genau das – lange Rede, kurzer Sinn – ist auch das Thema dieses schönen Videoclips:

Wenn das Adorno wüsste

Teddy Adorno, der Großmeister der Kritischen Theorie, ist ja nicht zuletzt ob seiner Musiktheorie ebenso bekannt wie umstritten. Glückseeliges Geschunkel galt ihm als unschicklich, als Zeichen für den Untergang des Individuums in der Masse. Da jedoch hatte der alte Hesse die Rechnung allem Anschein nach ohne den Karneval gemacht:

Hier der Text:

Der wahre Wert des Warenwerts und der Akkumulation,
Die führen zur Entfremdung und dann zur Revolution.
Die Quantität des Wochenlohns hängt vom Preis der Arbeit ab.
Die Herrschaft des Kapitals bringt uns alle noch ins Grab.

Dä Kommunismus, dä hät ene Rhythmus,
Ener fängk zu schunkele an, bis jeder mit muss.
Nur keine Hektik wegen der Dialektik:
Venceremos, leev Jenossen, jetz jeit et loß!

Jeldumlauf un Arbeitskraft steigern de Produktion.
Doch entsteht daraus kein Eijentum, dann folcht de Frustration.
Haupt- und Nebenwiderspruch sind die Säulen dieses Staats,
drum sind mer für de Diktatur des Proletariats.

Dä Kommunismus…

Dat Rosa kütt us Luxemburch, dä Marx, der kütt us Trier.
Der Engels sitzt im Festkomitee. Herr Ober, noch ein Bier!
Achtung, Jenossen, opjepaß! Mer starte den langen Marsch.
Und treten der Burschuasie janz kräftich in den Arsch!

Dä Kommunismus…

(Laut taz (http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/02/20/a0008) erstmals aufgeführt am 7. Januar 1998 bei der Kölner Stunksitzung; Komposition & Text: Wilhelm Künsting; Gesang: M. Bajohr & B. Wanninger=

Lyrics via Ormansjournal

Downtown Blues

Der Kapitalismus macht mal wieder einen Witz, über den keine*r so richtig lachen kann. Während Menschen, vorallem in den USA, aus ihren Wohnungen fliegen (die Immobilienkrise begann ja durch die Zahlungsunfähgkeit diverser Hausbesitzer*Innen) und die Wohnungen nicht selten seitdem leerstehen, ziehen die ehemaligen Bewohner*Innen jetzt in Zeltstädte:

Mehr dazu gibt’s hier

The Cubicle – Kein Bock mehr auf arbeiten

Selbsterklärend.

“My Cubicle”
Lyrics by: Morning Sidekick
Performed by: Jym Britton
Parody on “You’re Beautiful” by James Blunt

My job is stupid my day’s a bore,
Inside this office from eight to four
Nothin’ ever happens my life is pretty bland,
Pretending that I’m working, pray I don’t get canned.

My Cubicle, My cubicle
It’s One of Sixty two
It’s my small space in a crowded place
Just a six-by-six foot booth
And I hate it that’s the truth

Well, I give a sigh as the boss walks by,
no one ever talks to me or looks me in the eye.
And I really should work but instead I just sit here and surf the Internet.

In My Cubicle, My cubicle
It doesn’t have a view.
It’s my small space in a crowded place
I sit in solitude.
And sometimes I sit here nude.

Go Marcel Go

Wer dachte, der olle Kapitalismus wäre derzeit der einzige, der auf’s seine alten Tage noch mal krachen lässt, wurde gestern Abend eines besseren belehrt. Die geneigte TatortzuschauerIn, die nochmal kurz ins ZDF zappte traute ihren Augen und Ohren schon nicht mehr, als „Deutschland sucht den Superstar“ zur Unterhaltungsshow des Jahres gekürt wurde. Jaja… Krisenphänomene wo das Auge schaut.

Dann trat Thomas Gottschalk ans Mikro und begann mit einer Laudatio auf – Marcel Reich-Ranicki, die einem die Tränen vor Fremdscham in die Augen trieb. Allerdings musste ich gegen Ende der nun folgenden Minuten feststellen, dass scheinbar sogar Herr Reich-Ranicki nachsichtiger ist als ich:

The Godfather des Literarischen Quartetts ließ es in sanfter Steigerung dann fünf Minuten Schmach und Ekel über das deutsche Fernsehen und insbesondere seine Mitgewinner regnen. So angewiderten Charme darf halt nur Marcel verspühen. Teddy hätte geklatscht. Aber seht selbst ;O)

Schade nur, das er sich am Ende kaufen lässt….

Jörg Haider ist tot

Jörg Haider ist Tod. Ich habe lange überlegt, ob diese Tatsache für einen schlechte Witz eignet, oder ob das nicht unangebracht wäre. Dann kam dieser Nachruf von Andreas, und dann schien alles wesentliche im Grunde schon gesagt:

„Derweil nimmt im Online-Standard die allgemeine Betroffenheit ihren Lauf. Selbst Leute, die ihn nicht gemocht haben wollen, mögen ihn auf einmal, jetzt, wo er tot ist. Aber nicht, weil er tot ist.

Was fühlt die österreichische Seele, wenn sie jemanden so betrauert, fassungslos, wie man schreibt, den sie nicht gemocht haben will, ja nicht einmal gewählt haben soll oder je hätte. Man fühlt sich an ganz andere Kaliber erinnert. Er war einer der ihren, nicht der anderen. Der Standard gibt keine Möglichkeit zu Postings. Von der pietätlosen Art gäbe es eine zu große Zahl.

Zwischen 1997 und 2002 sind auf dem Weg von Marokko nach Spanien schätzungsweise 10.000 Menschen ertrunken (3sat). 20.000 bis 30.000 Menschen insgesamt sollen laut Experteneinschätzungen pro Jahr bei der Flucht nach Europa umkommen, weil die EU die Grenzen schließt (borderline-europe). Amtlich dokumentiert sind für den Zeitraum zwischen 1993 bis April 2005 laut der Organisation Unite 6.366 Todesfälle von Migrantinnen und Migranten, die beim Versuch gestorben sind, in die EU zu kommen, davon über 90 Prozent auf See, schreibt Corinna Milborn in “Gestürmte Festung Europa”.

Eine große Zahl.“

Den Rest hat dann dieser junge Mann erledigt: