Archiv der Kategorie 'Reallife'

Kreative Antirepression

Derzeit scheint das Leben in Hamburg nicht sonderlich spaßig zu sein. Was nicht zuletzt auch an der dort regierenden Sozialdemokratie (SPD) liegt. Die gibt sich nämlich in alter Noske-Pose, beschimpft linke Protestant*Innen als „Verbrecher“ und ist auch sonst für alle jenseits der guten alten heterosexuellen und männlichen Arbeiterelite eher eine Bedrohung als ein Segen. Wie dem auch sei – nicht unerhebliche Teile Hamburgs gelten nun als Gefahrengebiet und wie immer wenn der Staat hart durchgreift, findet sich die eine oder andere kreative Möglichkeit, damit umzugehen. Hier nun meine bisherigen Favourites. (mehr…)

WASP Fudamentalism

Das mit dem Religionismus ist so eine Sache: nicht nur im Islam geht es drunter und drüber – auch wenn über den besonders häufig berichtet wird. Doch auch im vermeintlich aufgeklärten „Westen“ gibt es noch immer ein verblüffendes Maß an religiösem Glauben. Und noch mehr: da wird nicht einfach geglaubt, sondern offensichtlich auf eine Art und Weise, die mit Wissenschaft nicht so recht über eins zu kriegen ist.

In den USA zumindest wurde eine Studie angestellt, die den Zusammenhang zwischen dem Glauben an Gott und dem an die Wissenschaft untersucht hatte. Die Ergebnisse fasst Spiegel Online wie folgt zusammen:

# Immerhin 60 Prozent aller Amerikaner glauben an eine graduelle Entwicklung hin zum heutigen Menschen.
33 Prozent aber glauben das nicht: Für sie ist der Mensch eine göttliche Schöpfung – und war vom ersten Tag an so, wie er heute ist;
# Die Welten der Demokraten und Republikaner klaffen immer weiter auseinander. 2009 unterschieden sich die Anhänger der Parteien bei der Frage, ob sie das Prinzip der Evolution akzeptieren, nur um 10 Prozent. 2013 ist dieser Unterschied auf 24 Prozentpunkte angewachsen.
# 57 Prozent und damit die Mehrheit der Amerikaner sind generell schöpfungsgläubig: Zu dem Drittel der Bevölkerung, das der Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich anhängt, kommen noch einmal 24 Prozent, die glauben, Gott persönlich habe die Evolution eingeleitet und zu dem Zweck gelenkt, den Menschen zu schaffen.
# Religiöser Fundamentalismus ist unter weißen Amerikanern am stärksten verbreitet, und hier besonders unter den sogenannten Evangelikalen: 64 Prozent aller weißen Anhänger dieser protestantischen Kirchen glauben der Bibel aufs Wort. Für die Farbigen unter ihnen gilt das nur für jeden Zweiten.

Eine andere Studie des Pew Forum on Religion & Public Life hat derweil rausgefunden, das religiöse Menschen – insbesondere Christ*Innen - sich auch in Sachen Religion nicht sonderlich gut auszukennen scheinen – zumindest innerhalb der USA:

Und wenn es um Religion im Allgemeinen geht, dann wissen ausgerechnet Atheisten und Agnostiker besonders gut Bescheid, gefolgt von Juden und Mormonen. Die Studie widerlegt ein verbreitetes Vorurteil gegenüber Nichtgläubigen: Nicht an die Existenz von Göttern zu glauben, hängt offenbar nicht damit zusammen, dass Nichtgläubige zu wenig über Religion wüssten. […]
Bei den Fragen ging es insbesondere um Inhalte der Bibel oder um Götter, Feste und Persönlichkeiten, die in den verschiedenen Religionen eine wichtige Rolle gespielt haben oder noch spielen. So wurde zum Beispiel danach gefragt, welches das erste Buch der Bibel ist, wo Jesus geboren sein soll, um was für ein Fest es sich beim Ramadan handelt und wann der jüdische Sabbat beginnt. Einige Fragen betrafen auch US-Gesetze, die die Religion betreffen. […]
Gerade mal jeder zweite Katholik wusste, was bei der Eucharistie passiert. Bei den Protestanten waren es noch deutlich weniger. Nicht einmal jeder zweite Protestant wusste, dass die Reformation auf Martin Luther zurückgeht. Unter den Nichtgläubigen wussten das mehr als zwei Drittel.

Vielleicht sollte hier ja – als Vorschlag zur Güte – die Aufklärung ansetzen. Wenn wir den Leuten nur genug über ihre Religion erzählen, lassen sie vielleicht eines Tages davon ab…

Geringe Medienkompetenz bei Amazon

Die ARD hat eine Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Amazon verfasst. Seitdem wissen wir, warum der Laden so günstig und so schnell ist. Was für die KundInnen gut ist, ist für die Beschäftigten (diesmal wie auch sonst zumeist) eine ziemliche Scheiße:

(via ARD-Mediathek)

Entsprechend ist die Protest-Maschinerie auch umgehend angesprungen. Es hat sich eine Facebook-Gruppe gegründet, es gab viel Kritik auch auf der Amazon-Facebook-Seite. Das fand das Unternehmen nicht so gut. Entsprechend wurde dazu aufgerufen, die eigene Seite mit Lobeshymnen zu überfluten. Leider nicht privat, sondern öffentlich. Und so ist die Welt nicht nur sauer über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, sondern lacht auch über dieses Bild:

Das Geschlecht der Krise

Die Krise hat ein Geschlecht. Da sie in besonderer Weise Frauen trifft, ist sie weiblich. Das zumindest meint Benni Laufer und hat darüber sogar einen Artikel geschrieben. Das ist ganz grundsätzlich sogar richtig, nur anders, als er es nahelegt. Denn das, was da in der Krise ist, ist ja „der Kapitalismus“. Und der hat nicht zum Spaß einen männlichen Artikel. Denn alles, was den Kapitalismus ausmachen soll, gilt gemeinhin als männlich: die Rationalität, der Universalismus, das aktive Vorwärtstreiben etc. Und wenn die männliche Rationalität in die Krise kommt, dann wird zuerst bei der weiblichen Emotionalität gespart: bei allem, was nach Sozialem riecht. Das dann Frauen zu KrisenverliererInnen mutieren, ist im Ergebnis sicherlich richtig. Nur liegt das eben nicht daran, dass die Krise weiblich, sondern das sie männlich ist.

Von derart unbedeutenden Kleinigkeiten mal abgesehen ist es ein unorthodoxer, aber lesenswerter Beitrag zum Weltfrauentag.

Ein Antisemit als Bundespräsident?

So langsam wird es zur Selbstverständlichkeit: schon wieder ist ein Bundespräsident abgetreten worden. Das wäre nicht weiter schlimm, würde nicht alle Welt rumheulen, damit würde „das Amt“ beschädigt. Bis in die Linkspartei hinein gibt es die Furcht um das Ansehen Deutschlands in der Welt. So weit, so schlecht – und wie so oft hat alles wesentliche Hermann L. Gremliza bereits dazu gesagt:

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Antiziganismus in Wort und Bild

Soeben durfte ich im Rahmen des Geschlechterforschungs-Kolloquiums an der Universität Göttingen Zeuge eines sehr großartigen Vortrages über Antiziganismus und Antisemitismus von (so die Uniseite) Dr. Markus Gerke, York University Toronto (Kanada) sein. Der Referent selber hat allerdings nicht behauptet Doktor zu sein. Davon ab war’s aber sehr spannend und ich möchte der Weltöffentlichkeit wenigstens dieses eine Schmankerl nicht enthalten.

Einige erinnern sich vielleicht noch an die Brandstiftungen und Ausschreitungen gegen eine Roma-Siedlung in Turin, die am 11. Dezember in fast allen deutschen Onlinemedien erwähnt wurde. (mehr…)

Wer macht die Krise? Wohin führt die Krise?

In der Dezember-Ausgabe der Konkret gibt es ein nicht uninteressantes Interview mit Thomas Ebermann, Michael Heinrich, Robert Kurz und Joseph Vogl. Die vier streiten in dem von Hermann L. Gremliza moderierten Gespräch über den Charakter, die Ursachen und die Folgen der vor unseren Augen vor sich gehenden Krisenprozesse. Dabei wird nicht viel neues erzählt, trotz allem werden die unterschiedlichen Einschätzungen und Blickwinkel hier sehr deutlich, so dass es sich durchaus lohnt, sich das Ding mal anzutun. (Im kommenden Jahr soll es übrigens mit einigen Erweiterungen auch als Buch erscheinen.) (mehr…)

Du hast keine Wahl – nutze sie!

In Polen wurde gewählt und das Staatsvolk ist der bisherigen Regierung gefolgt und hat sie bestätigt. Zu diesem Anlassen präsentiert ein Kommentar auf der Homepage der Tagesschau den wahren Charakter moderner Demokratie:

„Die Entscheidung zugunsten von Donald Tusk war die einzig richtige, die polnische Wähler treffen konnten. Wer politisches Chaos, internationale Isolation und Imageverlust des Landes verhindern wollte, hatte im Grunde keine andere Alternative als für die Bürgerplattform zu stimmen. ( … ) Jene, die sich bei diesen Parlamentswahlen eindeutig für Tusk ausgesprochen haben, bescheinigen dem Land demokratische Reife.“

Ich übersetze mal ganz frei: Die WählerInnen hatten keine Wahl, haben sie aber genutzt. Und eben das macht demokratische Reife aus. Für alle, die das noch nicht wussten.

Who made your IPad?

Steve Jobs ist tot. Die Medien trauern und bezeichnen ihn wahlweise als Visionär oder Messias. Fast vergessen scheinen die Berichte über Kinder- und Zwangsarbeit bei der Produktion von Apple-Produkten (1|2). Fast vergessen – immerhin gibt es bei leninology dieses schicke Bild:

Der Anfang des Euro

Obwohl ich früher noch in der Schule gelernt habe, Staaten könnten nicht pleite gehen, scheint auch dieses Novum in greifbare Nähe gerückt. Zumindest wenn es nach Teilen der deutschen Politik geht. Wirtschaftsminister Philipp Rösler beispielsweise, ein bekannter Freigeist bei den Freiliberalen, hat dazu aufgefordert, diesbezügliche „Denkverbote“ aufzugeben. FDP-Generalsekretär Christian Lindner präzisierte das und legte es der griechischen Regierung nahe, „aus der Euro-Zone ausscheiden (zu) müssen oder (zu) wollen.“ (tagesschau)

Das alles kann nun nicht wirklich verwundern, sondern war schon lange Zeit absehbar. So wurde – um ein nicht ganz willkürliches Beispiel herauszugreifen – bereits im November 1996 unter dem Titel „Perspektiven und Konsequenzen der Europäischen Währungsunion“ im Bundestag eine Studie von Ernst Lohoff und Norbert Trenkle vorgestellt, die diese im Auftrag der PDS-Bundestagsgruppe erarbeitet hatten. Bereits hier wurde vorgezeichnet, wie es in einem programmatischen Gliederungspunkt hieß, „wie die Währungsunion die wirtschaftspolitische Spaltung Europas festschreibt.“ (mehr…)

Pragmatischer Absturz

Jugendstudien sind derzeit gerade im Trend. Nachdem bereits am 9. September die Rheingold Jugendstudie mit dem Titel „Die Absturz-Panik der Generation Biedermeier“ veröffentlicht wurde, haben am 14. September Klaus Hurrelmann, Mathias Albert & Co nachgezogen und die 16. Shell-Jugendstudie „Jugend 2010“ heute in Berlin vorgestellt. Beide Studien haben viel gemeinsam und werfen kein sonderlich hoffnungsvoll stimmendes Bild auf die heranwachsende Generation. (mehr…)

Statistische Fehlleistungen

Es gibt Momente in denen ich mich doch gräme, meine Statistik-Studium derart schleifen gelassen zu haben, wie ich das tat. Nicht, das ich vorhätte, statistisch zu arbeiten. Aber es ist doch immer wieder gut, die irren Aussagen von anderen Menschen, die sich dabei auf empirisches Datenmaterial beziehen, widerlegen zu können. Im Falle Thilo Sarrazins hat diese Aufgbe nun Prof. Dr. Volker Eichener übernommen und einen Text über einige wesentlichen statistische Fehlleistungen von Sarrazin verfasst. Auch wenn er dabei auf einige Aspekte wie etwa eine grundsätzliche Kritik an Intelligenztests außen vor lässt, doch ein sehr empfehlenswerter Artikel.

Der Intimfreund von Friedrich Engels

In dem mittlerweile recht gut bestückten Audioarchiv von Blogsport findet sich neben vielem anderen auch ein Beitrag zur Kritik des linken Antifeminismus. Darin enthalten ist auch diese Perle scharfsinniger Polemik, die nicht ungehört an uns vorbeiziehen sollte:

Friedlicher Aufstieg Deutschlands

Der Jubel ist kaum verflogen ob des Siegs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Loser-Finale bei der Herren-Weltmeisterschaft, da zeigt der neue Bundespräsident Christian Wulff, das zumindest er mit den Siegen der Kicker mehr verbindet als eine lustige Party:

Für seine Verdienste um den deutschen Fußball soll Bundestrainer Joachim Löw das Bundesverdienstkreuz erhalten. Das kündigte Bundespräsident Christian Wulff auf der letzten DFB-Pressekonferenz der WM in Erasmia an. Für die Nationalmannschaft schlug er das „Silberne Lorbeerblatt“ vor. (Tagesschau)

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Multikulti vs. Blitzkrieg

Ganz D-Land ist im Fußballfieber. Dabei zeichnet sich das Gefeiere und Fahnengeschwenke durch eine seltsame Mischung aus Tradition und Postmodernität aus. Beispielhaft dafür stehen die „10 Gründe, warum wir England schlagen“, wie mensch sie neuerdings bei Web-De nachlesen kann. Greifen wir uns einen beliebigen Punkt heraus, etwa die Nummer fünf: (mehr…)