Archiv der Kategorie 'Theorie'

Eigentum macht Geld?

Gunnar Heinsohn gibt sich gerne als kritischer Geist und wird nicht zuletzt von Peter Sloterdijk als Wirtschaftswissenschaftler mit Zukunftspotential angepriesen.1 Dass das nichts werden kann, wenn es von Sloterdijk kommt, dürfte klar sein. Denn auch der versteht sich als Hohepriester der Konkurrenzgesellschaft, kritisiert die heute von ihm wahrgenommene Lethargokratie und fordert den Aufbruch der Leistungträger. Das passt ganz offensichtlich zu einer Theorie, in der das Eigentum die zentrale Kategorie bildet. (mehr…)

Der unangepasste Außenseiter von Rechts außen

Anmerkungen zu Gunnar Heinsohn

Vor kurzem wurde ich auf einen vermeintlichen Wirtschaftstheoretiker hingewiesen, dem ein brillianter Ansatz zur Erklärung der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen nachgesagt wurde. Es handelte sich dabei um niemand geringeren als Gunnar Heinsohn. Nie gehört? Is auch besser so. Da sich aber allem Anschein nach ernsthaft Menschen Gedanken machen über dass, was der Mann so loslässt, möchte ich hier dazu beitragen, seine Gedanken etwas besser einordnen zu können. (mehr…)

Wer macht die Krise? Wohin führt die Krise?

In der Dezember-Ausgabe der Konkret gibt es ein nicht uninteressantes Interview mit Thomas Ebermann, Michael Heinrich, Robert Kurz und Joseph Vogl. Die vier streiten in dem von Hermann L. Gremliza moderierten Gespräch über den Charakter, die Ursachen und die Folgen der vor unseren Augen vor sich gehenden Krisenprozesse. Dabei wird nicht viel neues erzählt, trotz allem werden die unterschiedlichen Einschätzungen und Blickwinkel hier sehr deutlich, so dass es sich durchaus lohnt, sich das Ding mal anzutun. (Im kommenden Jahr soll es übrigens mit einigen Erweiterungen auch als Buch erscheinen.) (mehr…)

Ausschluss vom Universalismus

Der universalistische Anspruch der kapitalistischen Moderne ist nicht zu denken ohne einen ebenso umfassenden Ausschluss. Auch wenn der Drang des Kapitals, sich die gesamte Welt Untertan zu machen, kaum zu übersehen ist; und auch wenn der Anspruch moderner Rechtsstaatlichkeit und Moral auf die Totalität menschlicher Vergesellschaftung bezieht, so gibt es doch immer auch das „Andere“, das aus der Norm ausgeschlossene. Moderne Ökonomie, Rechtsstaatlichkeit und Moral erweisen sich so als zutiefst repressive Phänome, wie Robert Kurz am Beispiel des Rechts illustriert hat: (mehr…)

Bürgerliche Kälte am Beispiel von Stuhl und Kartoffel

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Menschen Dinge als Waren produzieren und tauschen? Es tut ihnen nicht gut. Sie müssen sich selber und alle anderen als bl0ße Funktion für das je andere Bedürfnis anerkennen. Sie müssen einander – strukturell – fremd bleiben, dürfen sich füreinander nicht interessieren. Vieles von dem, was die Moderne an Unannehmlichkeiten bereithält, lässt sich daher bereits auf dieser Ebene der ‚Kritik der Politischen Ökonomie‘ analysieren und kritisieren. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat den damit einhergehenden Irrsinn Ernst Lohoff, der damit gleichzeitig ein brilliantes Stück Sekundärliteratur zur Wertformanalyse hervorgebracht hat: (mehr…)

Kein hitzefrei in jedem System?

Die Redical [m] hat sich eines in der linken ziemlich vernachlässigten Themas angenommen: der Kritik des gesellschaftlich vorherrschenden Erziehungssystems. Dazu hat ihre AG „Hitzefrei bei jedem Wetter“ (ganz großer Name, by the way) einen Reader mit dem Titel „Deutschlands wichtigste Ressource oder wie Kinder in einem menschenverachtenden System erzogen werden“ publiziert. Da das Thema in der linken keine große Rolle spielt, ist die AG schließlich dort gelandet, wo Linke viel zu häufig landen, wenn sie sonst nichts zum Thema finden: beim GSP resp. dem dazugehörigen Bremer Ex-Profen Freerk Huisken. An den nämlich erinnert die Broschüre doch deutlich, teilweise bis in die Formulierungen hinein. Doch leider wurden nicht nur diese, sondern auch die falschen Inhalte übernommen. Das ist schade, hätte die Linke doch ein gutes Paper zu dem Thema mal brauchen können. (mehr…)

Die Funktion der abstrakten Arbeit

Martin Eichler hat im Frühjahr in der Phase 2 versucht, zum „Stand der Marx-Rezeption“ etwas substantielles zu sagen und hat dabei die Substanz als solche in den Blick genommen. Denn „die Funktion der abstrakt-menschlichen Arbeit als Wertsubstanz“ stünde nunmehr zur Debatte, so Eichler. Das Wert und Mehrwert alleine aus abstrakter Arbeit resultierten, ließe sich schließlich nicht beweisen und so müssten zur „Legitimation dieser Kategorie realwirtschaftliche Analysen unternommen werden, die zeigen, welche Bedeutung die abstrakt-menschliche Arbeit im heutigen Produktionsprozess hat.“

Das erinnert ein wenig an den postoperaistischen Theoretiker Christian Marazzi, der in seinem Standartwerk „Der Stammplatz der Socken“ ebenfalls die Bedeutung der abstrakten Arbeit negiert und stattdessen nur das Wissen in Form einer neuerdachten Immateriellen Arbeit als neue wertschaffende Potenz entdeckt haben will. Der nämlich verweist auf einen „Trend“ bei Forschern, sich zum „besseren Verständnis der zentralen Bedeutung von Wissen ( … ) zu Feldforschungen motiviert“ zu fühlen. Kann also abstrakte Arbeit empirisch überprüft werden?

Natürlich nicht. Abstrakte Arbeit beschreibt nichts weiter, als ein bestimmtes Beziehungsmuster, das Menchen in der kapitalistischen Gesellschaft miteinander eingehen. Dort sind sie nämlich voneinander getrennt und produzieren zunächst auf eigene Rechnung als private Produzent*Innen. Gleichzeitig produzieren sie freilich nicht für sich selbst, sondern für andere. Sie haben kein Interesse daran, die Güter, die sie hergestellt haben, selber zu nutzen. Sie stellen ihre Arbeitsprodukte vielmehr anderen zur Verfügung und greifen im Gegenzug auf die Arbeitsprodukte anderer zu.

Dieses gegenseitige Zugreifen auf die Arbeitsprodukte von anderen bezeichnet Marx als „abstrakte Arbeit“. Hier geht es weder darum, das diese Arbeit empirisch abstrakt (also etwa eintönig oder gleichförmig) wäre, sondern das es bei ihr nur darauf ankommt, das mit ihr Produkte hergestellt werden, die für den Konsum durch andere Menschen vorgesehen sind.

Die Arbeit wird auf diese Weise zum Vermittlungsmedium, welches die Übertragung dieser menschlichen Privatarbeiten innerhalb der Gesellschaft organisiert. Und als solches Vermittlungsmedium hat die abstrakte Arbeit freilich innerhalb kapitalistischer Verhältnisse auch ihre Funktion. Dieser doch recht simple Zusammenhang fällt oftmals nicht auf, da Marx zum Beginn seiner Kapitalismuskritik einen Darstellungsfehler macht und statt mit den Privatproduzenten, die für eine gesellschaftliche Allgemeinheit produzieren, mit der Ware als dinghafter Ausdruck dieser Voraussetzung beginnt.

Diesen simplen Kontext übersieht übrigens auch die Rede von der Immateriellen Arbeit. Sie wechselt von der allgemeinen Formbestimmung (eine Tätigkeit die auf ganz spezifische Weise ihre eigene Vermittlung generiert) zu einer inhaltlichen Beschreibung (ganz viele unterschiedliche Tätigkeiten werden notwendig, damit überhaupt noch Gewinne produziert werden können) – und das ist innerhalb der Kritik der politischen Ökonomie schlicht unzulässig. Es führt allerdings dazu, das die Theoretiker*innen der Immateriellen Arbeit dem traditionellen Marxismus eines voraus haben: sie erkennen, das sich innerhalb der Arbeitsgesellschaft ein Wandel vollzieht. Doch anstatt ihn als Krisenphänomen zu interpretieren, wird ein Wandel der Wertschöpfungsbasis herbeihalluziniert.

Immanente Schranken oder: Kategoriales zur Krise

Achtung, dies ist ein theoretischer Debattenbeitrag! Er beinhaltet viele theoretische Kategorien und bezieht sich auf eine Spezialdebatte. Er hat nicht den Anspruch, die angesprochenen Themen abschließend zu klären, sondern auf Missverständnisse und Probleme innerhalb der Debatte hinzuweisen. Und er hat auch nicht den Anspruch, verständlich zu sein ,-)

Irgendwie ist grade Krise. Und so streiten sich die Gelehrten, welchen Charakter diese Krise denn wohl hat. Das ich dabei der Krisentheorie, wie sie seit etwa 20 Jahren in den Theoriezusammenhängen Krisis und Exit entwickelt wurde, zuneige, dürfte die eine oder die andere schon mitbekommen haben.

Andreas Exner von Streifzügen bzw. vom Social Innovation Network versucht derzeit, innerhalb der Debatte rund um die Krisentheorie eine Schwerpunktverschiebung zu initiieren. Die Probleme der Krise, so sagte er unlängst in einem Interview, lägen „nicht vorrangig im ökonomischen Bereich. Der Kapitalismus verjüngt sich in seinen Krisen. Der Punkt ist vielmehr, dass die Ressourcenbasis des Kapitalismus sich verengt.“

Der fundamentale Charakter des Krisenprozesses wäre gemäß dieser Interpretation kein aus derSystemnotwendigkeit des Kapitalismus hervorgehender, sondern einer, der von der begrenzten Ressourcenbasis an ihn herangetragen wird. Die Ressourcen nämlich gehen aus und das bringt das System in Bedrängnis:

„Das Kapitalwachstum wird sich geografisch immer mehr zurückziehen und der Kapitalismus wahrscheinlich in eine tiefe gesellschaftliche und politische Krise geraten. Das unterminiert seinen Bestand als Weltsystem. Ohne eine irgendwie glaubhafte Wohlstandsperspektive für alle kann es schwer überleben.“

Ich halte die Einschätzung, das eine Erschöpfung von Naturressourcen den Kapitalismus in (zusätzliche) Bedrängnis bringen könnte, für durchaus plausibel. Er hat in dem übrigens sehr empfehlenswerten Buch „Die Grenzen des Kapitalismus“ und im SIN-Blog zusammen mit seinen Mitstreitern einiges lesenswertes dazu geschrieben. Zum reinlesen sei dieser Artikel aus der Analyse und Kritik empfohlen.

Was ich aber für weniger plausibel halte, ist seine ökonomiekritische Einordnung dessen, was da passiert. Es mag ja sein, das die Linke die ökologischen Nebenwirkungen des Kapitalismus zu wenig thematisiert (dazu wurde ja hier auch schon einiges geschrieben). Das muss nun aber nicht heißen, das der Kapitalismus keine immanente Grenze hätte. Exner klingt in der zitierten Interviewpassage schon fast fortschrittsoptimistisch: Krisen hätten eben eine reinigende Wirkung, danach könne es wieder ‚von vorne‘ losgehen. Ein erster Versuch, diese Annahme zu theoretisieren findet sich im Text Produktivität und Krise. Notizen einer Debatte, zu dem ich hier einige Anmerkungen machen möchte. Nicht zuletzt, weil der Autor darum gebeten hat, Bauchschmerzen mit dem Text zu verbalisieren. Vielen bisherigen Kritiken, vor allem die Replik von Claus-Peter Ortlieb, aber den Blog-Kommentar von Holger Roloff finde ich inhaltlich weitestgehend stichhaltig, wenn auch in der Form wenig weiterführend. Es macht m.E. wenig Sinn, die eigenen Argumentationsgänge hinter Polemik zu verstecken, wenn es einem um inhaltliche Verständigung geht. Und das wäre mein Anliegen an dieser Stelle. Wenn dabei meine Argumentation oft unstrukturiert ist, so möchte ich das auf den Text zurückführen, an dem ich mich abarbeite. Denn auch dort fehlt oftmals die nötige Stringenz, weshalb manche Argumente sich doppeln oder an Punkten vorweggenommen werden, obwohl später nochmal auf sie eingegangen wird. Im übrigen gilt auch hier: Kritik ist ein Geschenk. (mehr…)

Hat die Finanzkrise eine Geschlechterdimension?

Das frage ich mich gerade. Wenn es stimmt, das die Prinzipien, die den Kapitalismus auszeichnen – und die diesen gerade in die Krise treiben – auch die Prinzipien sind, die das Patriarchat ausmachen, dann müssten Veränderungen auf der einen Seite der Medaille auch solche auf der anderen Seite nach sich ziehen. Das zumindest würde das Wertabspaltungstheorem nahelegen. Viel gefunden dazu habe ich nicht. Hier eine vorläufige Auswahl. (mehr…)

Krisenursachen

Krise und Kapitalismus sind wahrlich zwei Dinge, die zusammengehören und auch schon so ziemlich immer zusammengehört haben. Michael Heinrich etwa verwies unlängst auf die Krise von 1857/58, „die erste wirkliche Weltwirtschaftskrise des modernen Kapitalismus, in die schließlich alle damals führenden Länder (England, USA, Frankreich, Deutschland) hineingezogen wurden.“ Marx dachte damals, der große Crash stünde bevor, doch es kam anders: „Die Krise war bereits im Frühsommer 1858 überwunden und das kapitalistische System ging sogar enorm gestärkt aus ihr hervor.“ Marx jedenfalls hätte sich „mit guten Gründen von jeder Zusammenbruchstheorie verabschiedet“ und erkannt: „Im Kapitalismus wirken Krisen als brutaler Reinigungsakt.“

Auch die Tatsache, das Krisen (wie derzeit) sich als sog. Überakkumulationskrise darstellen, sei nichts neues:


„Seit der holländischen Tulpenkrise im frühen 17. Jahrhundert haben diese Spekulationskrisen immer wieder denselben Verlauf genommen: Ein bestimmtes Vermögensobjekt (seien es nun Aktien, Häuser oder eben Tulpenzwiebeln) wird immer höher bewertet, was die Nachfrage nach diesem Objekt ankurbelt, denn alle wollen am scheinbar unaufhaltsamen Wertzuwachs teilhaben. Das eigene Vermögen, schließlich auch Kredite werden zum Erwerb des Spekulationsobjektes benutzt. Aufgrund der großen Nachfrage steigt dessen Preis weiter, was zu weiterer Nachfrage führt. Doch irgendwann ist dieser Anstieg erschöpft. Es wird schwieriger, neue Käufer zu finden, und die ersten Anleger wollen ihre Gewinne realisieren und verkaufen. Der Preis des Spekulationsobjektes fällt. Jetzt wollen alle aussteigen, um keine Verluste zu machen, was aber den Preis noch weiter drückt. Viele von denen, die spät in die Spekulation eingestiegen sind und zu einem hohen Preis gekauft haben, machen jetzt hohe Verluste. Da mit diesen Verlusten auch ein allgemeiner Nachfrageeinbruch verbunden ist, kann sich eine solche Spekulationskrise auf die gesamte Wirtschaft auswirken. Im Prinzip ist deren Verlauf heutzutage auch denjenigen bekannt, die sich an der Spekulation beteiligen. Doch ist eben nicht klar, in welcher Phase der Spekulation man sich befindet: relativ am Anfang, wo noch gute Gewinnchancen existieren, oder eher am Ende, kurz vor dem Platzen der Blase. Jeder hofft, dass er noch bei den Gewinnern sein kann, auch wenn er weiß, dass der Absturz kommen wird.“

(mehr…)

Der Deutsche Konservatismus entdeckt Marx

Beim durchblättern des Sonderteils der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zur Finanzkrise stieß ich auf einen Artikel mit dem schönen Namen „Marx hat Recht“, verfasst von Rainer Hank. Da wundert sich unsereins, das der deutsche Konservative vielleicht doch mal zur Vernunft gekommen sein könnten. Was uns dann präsentiert wird, ist allerdings weniger Marx als eher eine der unkreativen Pappfiguren, die gerne an seiner statt aufgebaut werden:

„Die Geschichte des Kapitalismus ist die Geschichte seiner Krisen. Da hat Karl Marx vollkommen recht. Er hat nur die falschen Schlüsse aus dieser Einsicht gezogen: Denn die Krisenanfälligkeit der Märkte ist kein Systemfehler, sondern ein Kern des Systems.“

(mehr…)

Unbewegliche Männer

Zur Kritik des Zirkulationsmarxismus durch Hanloser und Reitter

„Kenn‘ se den schon? Treffen sich zwei Zirkulationsmarxisten…“ – Wie, sie wissen nicht, was ein Zirkulationsmarxist ist? Dann sollten sie mal Gerhard Hanloser oder Karl Reitter fragen. Die erklären das nämlich in ihrem neuen Buch „Der bewegte Marx. Eine einführende Kritik des Zirkulationsmarxismus“. Bei Zirkulationsmarxismus, so lernen wir, handelt es sich nicht um eine spezifische Interpretation von Marx, sondern um eine Lesestrategie. Diese Lesestrategie tritt dann zumeist unter dem Label Wertkritik in die politische Debatte ein und zeichnet sich vor allem dadurch aus, „irgendwo nach dem Fetischkapitel“ (5) die Lektüre des Kapital unvermittelt abzubrechen und beschäftigt sich mithin lediglich mit dem Austausch von Äquivalenten innerhalb der einfachen Zirkulation. Darum eben Zirkulationsmarxismus: weil sich diese WertkritikerInnen nicht für die Produktion interessieren, wo es eben auch mal schmutzig dahergeht.

Hanloser und Reitter bauen sich schon auf den ersten Seiten ihres Machwerks einen Pappkameraden zusammen, nur um dann später bei dem Unterfangen zu scheitern, diesen fachgerecht zu zerlegen. Von den Unterstellungen, die sie der Wertkritik entgegenzubringen haben, stimmt so ziemlich gar nichts. Dabei verhällt es sich genaugenommen doch andersherum: gerade die Vorstellung, es müsse nur der Lohn den ArbeiterInnen zugänglich gemacht werden, ohne das es darüber hinausgehende Änderungen an Art und Zweck der Produktion gäbe, ist eine zirkulationstheoretische. Abstrakte Arbeit ist eben nicht eine reine Kategorie der Zirkulation, sondern auch eine der Produktion. Das nur gearbeitet wird, um zu arbeiten, prägt auch die Tätigkeit als solche. (mehr…)

Friendly Reading

Skizze zu Wertkritik und Soziologie


von Julian Bierwirth

Wertkritik als Gesellschaftskritik

In seinem Werk „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ stellt Moishe Postone die Behauptung auf, bürgerliche Individuen hätten analog zur Ware einen Doppelcharakter. Diesen macht er in ihrer Bestimmung als warenproduzierende und -tauschende Menschen aus: Einerseits sind es die Menschen, die hier ihre Gesellschaftlichkeit produzieren, die also handelnd ihre Welt einrichten. Andererseits sind sie den dadurch entstehenden Systemnotwendigkeiten unterworfen, die als scheinbare Naturgewalt auf sie einwirken. Sie sind also zugleich Subjekt gesellschaftlichen Handelns und Objekt gesellschaftlicher Verhältnisse. (mehr…)

Geschlecht & Kapital, Literaturüberblick

Schon einige AutorInnen haben sich abgemüht, das Verhältnis von Kapitalismus und Patriarchat zu klären. Insbesondere vor dem Hintergrund einer an der Wertkritik orientierten neuen Marxinterpretaion gab und gibt es einige Diskussionen sowie diverse Paper, Reader und Artikel zu dem Thema. Einen Teil davon gibt es im Internet. Und auf einen Teil davon wiederrum bin ich bei der Internetrecherche gestoßen.

Wer noch andere coole Texte aus dem Kontext kennt ist herzlich eingeladen, in den Kommentarspalten seine Links zu hinterlassen. Und selbstverständlich, das sei dazugesagt, hab ich das hier nicht alles selber gelesen… (mehr…)

Luhmann’s automatisches Subjekt

Kritische Theorie tut immer gut daran, sich mit der Art und Weise auseinanderzusetzen, in der bürgerliche Wissenschaften sich die Welt zu erklären zu versuchen. Was in den akademisch orientierten Sparten kritischer Theoriebildung Usus ist, kommt auch in den außerakademisch organisierten Theoriezirkeln immer mal wieder vor. Und so ergeben sich, je nach Einschätzung gesellschaftlicher Realität und eigener Positionierung innerhalb des theoretischen Feldes, ganz sonderbar unterschiedliche Kritiken, die schlussendlich dann doch wieder zusammenpassen.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, das alleine deshalb gewählt wird, weil es mir gerade über den Weg gelaufen ist. Eine sehr beliebte Theorie der Mainstream-Soziologie ist die von Niklas Luhmann ausgearbeitete Systemtheorie. (mehr…)