Archiv der Kategorie 'Zitate'

Alles Scheiße

Eine werden sich noch an die Kampagne des Ums-Ganze-Bündnisses unter dem Motto „Staat Nation Kapital Scheiße – Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“ erinnern. Zur Erinnerung habe ich noch mal ein schickes Demo-Mobi-Plakat rausgesucht:

Das klingt erstmal ziemlich einleuchtend. Fand ich zumindest. Bis ich dann auf dieses Zitat von Erich Fried aufmerksam gemacht wurde:

„Während der Studentenbewegung sagte man: „All diese Dinge: Staat, Schule, Kirche – das ist Scheiße.“ Ich würde das nicht so sagen, einerseits ist das eine Überschätzung, denn Exkremente sind ein unbedingt notwendiges Produkt des Körpers und die unbedingte Notwendigkeit der Kirche, der Schule und des Staates müßte erst bewiesen werden. Aber andrerseits sind in diesen Institutionen alle Elemente der Entfremdung, der Verfälschung und des Unrechts enthalten, je autoritärer sie sind, desto mehr.“ (Erich Fried in: Joern Schlund, „Habe Angst vor dem, der keine Zweifel kennt“ – Gespräche mit Erich Fried. Basel: Z-Verlag 1988, S. 68)

Jetzt muss ich das wohl alles noch mal überdenken…

Bürgerliche Kälte am Beispiel von Stuhl und Kartoffel

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Menschen Dinge als Waren produzieren und tauschen? Es tut ihnen nicht gut. Sie müssen sich selber und alle anderen als bl0ße Funktion für das je andere Bedürfnis anerkennen. Sie müssen einander – strukturell – fremd bleiben, dürfen sich füreinander nicht interessieren. Vieles von dem, was die Moderne an Unannehmlichkeiten bereithält, lässt sich daher bereits auf dieser Ebene der ‚Kritik der Politischen Ökonomie‘ analysieren und kritisieren. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat den damit einhergehenden Irrsinn Ernst Lohoff, der damit gleichzeitig ein brilliantes Stück Sekundärliteratur zur Wertformanalyse hervorgebracht hat: (mehr…)

Ein Glas Wasser in der Wüste

Beim Lesen alter Grundsatztexte der Krisis stoße ich wieder und wieder auf wunderschöne Formulierungen und überraschende Wendungen von altbekannten Zusammenhängen. Zumindest diese möchte ich Euch nicht vorenthalten, ein paar andere Folgen vielleicht demnäxt. Das Zitat steht in dem Kontext grundsätzlicher Überlegungen zur Besonderheit der kapitalistischen Reichtumsform. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht sinnlichen oder stofflich-erlebbares als Reichtum anerkannt, sondern grundsätzlich nur Dinge, die kauf- und verkaufbar sind. Dies hat freilich zur Voraussetzung, das den Menschen von jedwedem anderen Zugriff auf gesellschaftlich Vorhandenes verwehrt wird und aus dem Reichtum in der Kehrtwende allgegenwärtige Knappheit wird:

„Die Vorliebe, mit der einst die Vertreter der »subjektiven Wertlehre« und bis heute die der daraus abgeleiteten Grenznutzentheorie ihre Doktrin am berüchtigten Glas Wasser in der Wüste idealtypisch zu erläutern pflegen, kommt nicht von ungefähr. Dieses Modell gibt in der Tat die Bedingungen optimierter marktwirtschaftlicher Reichtumslogik wieder. Im ökonomischen Sinn darf sich eine Gesellschaft umso reicher schätzen, je perfekter es ihr gelingt, den sozialen Zusammenhang in eine Wüste zu verwandeln, in der die Menschen von allem Lebensnotwendigen und allem, was das Leben lebenswert machen könnte, prinzipiell restlos abgeschnitten sind, auf daß es ihnen allein in der Schrumpfform der Ware und auschließlich über die Teilnahme am Verwertungsbetrieb vermittelt partiell zugänglich werde.

( … )

Die Warengesellschaft hat zweifellos im Laufe ihrer Entwicklung eine reichhaltige Palette neuer und bunter Wassergläser hervorgebracht. Vor allem aber hat sie in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten in aller Unerbittlichkeit die Ödnis geschaffen und schafft sie jeden Tag neu, in der diese Gläser erst ihre ganze Bedeutung gewinnen. Der autosuggestive Stolz, mit dem die Trinkgefäße präsentiert werden, darf nicht von diesem zweiten und eigentlich zentralen Teil der »historischen Mission« unserer glorreichen Warengesellschaft ablenken.“ (Ernst Lohoff: Zur Dialektik und Mangel und Überfluss

Der Vergleich der Warengesellschaft mit der Wüste ohne Wasser und der bunten Gläser mit ihrer Reichtumspotenz macht doch recht schön deutlich, wie unglaublich dumm diese Sache mit dem Kapitalismus doch ist…

Wissenschaft oder Fabrik?

In den derzeitigen Bildungsprotesten wiederholt sich einiges von dem, was es schon häufiger gab. Das gilt für die Aktionsformen wie für die Widersprüchlichkeit der studentischen Forderungen. Fast fühlt mensch sich an den guten alten Adorno erinnert, der bereits 1968 bemerkte:

„Auf der einen Seite handelt es sich um eine wirklich emanzipatorische Bewegung, die dazu führen möchte, daß der Gedanke nicht gegängelt wird, daß den universalen Zwängen der Anpassung, wie sie die Gesellschaft ausübt und wie sie von der Kulturindustrie nun auch noch verwaltet werden, so etwas wie die Bildung von autonomer [Urteils]kraft gegenübergestellt wird. Und diese Erwägungen führen dann über das bloß Institutionelle der Universität hinaus und werden zu einer Kritik einer Gesellschaft, die, indem sie die Menschen in stets wachsendem Maß integriert – wie man das so nennt – gleichzeitig den Menschen ihre Möglichkeit unterschlägt. ( … ) Gleichzeitig aber und neben diesen in einem sehr weiten und keineswegs bloß innerwissenschaftlichen Sinn emanzipatorischen Tendenzen ( … ) findet sich eine zweite, gar nicht deutlich davon geschiedene, die, da es nun einmal um Vernunft gehen soll und um vernünftige Einrichtung, das, was Horkheimer die ‚instrumentelle Vernunft‘ nennt und als instrumentelle Vernunft kritisiert hat, völlig in das Zentrum stellt und die eigentlich darauf hinausläuft, die Universität zu verschulen, sie zu einer Fabrik von Menschen zu machendie die Ware Arbeitskraft in möglichst rationeller Weise hervorbringt und die Menschen befähigt, ihre Ware Arbeitskraft gut zu verkaufen; eine Tendenz, die ihrerseits notwendig gerade auf Kosten jener Autonomie-Bewegung geht, die Ihnen gleichzeitig als Ideal einer solchen Reform vorschwebt.“ (Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, S. 100f)

Der Gestus der Überlegenheit als Ichschwäche

In vielen linken Strömungen ist es üblich, Ironie und Übertreibung zum Zwecke einer Verbreitung der eigenen (vermeintlich kritischen) Überlegungen zu gebrauchen. Mit Hilfe der Ironie soll allem Anschein nach versucht werden, die Unabweisbarkeit der eigenen Überlegung zu behaupten, ohne tatsächlich eine plausible und schlüssige Herleitung anbieten zu können. Adorno bemerkte hierzu bereits im Juni 1960:

„Ironie und Infantilität. Viele Menschen geben dem, was sie sagen, den Charakter der Ironie, weil sie zu gar nichts fest stehen, mit keinem Urteil identifziert – mit sich selber nicht identisch sind. So reden Kinder. Der Gestus der Überlegenheit als Ichschwäche.“/Theodor W. Adorno: Graeculus (!!). Notizen zu Philosophie und Gesellschaft 1943 – 1960. In: Frankfurter Adorno Blätter VII, S. 15)

Polierte Helme als Emanzipationsstrategie

Auf Indymedia ist vor 2 Tagen ein wiederveröffentlichter Text aus der Organisationsdebatte der 90er erschienen. Weil’s so schön ist, hier die wunderbare Passage über die ehemalige Antifa [m]: (mehr…)