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The Meaning Of Friendship

Freud würde vermuten, dass es kein Zufall ist: während ich für gewöhnlich meine Veröffentlichungen hier archiviere, habe ich das in diesem Fall nicht getan.

The Grand Coulee haben sich nun aufgemacht, diese Fehlleistung gesellschaftskritisch aufzuarbeiten und soziohistorisch einzubetten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:


Lyrics:

1

Engels & Marx
took a walk in the park,
and Engels was awfully silent.
Marx bit his lip -
was it something he did say? -
when Engels with tears in his eyes said:

Oh, my Mary has died!
She was the love of my live…
Oh, those wild Irish eyes
shone like stars in disguise!
My youth is spent like her smile…
And your letter, my friend –
no word of kindness to spare?

2

Marx averted his gaze,
red was his face,
when he mumbled
into his beard
somethng about lack of money
and how Ricardo and Smith
drove him to tears.

Engels said: „Oh, please, Marx -
Come on and show me some compassion and love!
Well, assuming you still know
what that is.
It can’t be our relationship is only
about economics, the fight against
the bourgeoisie, the trouble with the anarchists -
and ‚comrade’ should be more than just a word now,
won’t you agree?

So, tell me now:
What’s the meaning of friendship?
Do you know, Marx?
Do you know?
It’s more than just mere affection –
Don’t you know, Marx?
Don’t you know?
A friend is someone
you don’t ask for a favor,¬.
Someone who will grant it for free.
Someone who will lend you a hand when you’re feeling
empty and lonely and useless and hopeless and beat…

3

And Marx thought to himself:
„Don’t you know, old friend?
Don’t you know?
I love you more than just anything -
and more than gold, oh,
more than gold.
I would love you to dance on my grave,
when I’m dead,
when I’m dead.
And I would love to tell you
you’re the greatest friend
I ever had…“

But he just said:
„Look, Engels, I’m sorry for what I said.
I’m a cynic, I didn’t mean it –
don’t you know it?
Can you forgive me?“
And Engels said:
„That’s the easiest part –
ain’t forgiving mistakes
what friendship is
just all about?“

PS: Nicht uninteressant in diesem Kontext ist auch dieser etwas ältere Beitrag hier.

Dialektik der Freundschaft

erschienen in: Streifzüge 48/2010

Der Kapitalismus macht keine Gefangenen. Er lässt „kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch als das nackte Interesse, als die gefühllose ‚bare Zahlung‘“ (Kommunistisches Manifest). Das Gegenüber zählt nur, solange es sich im Tausch als ebenbürtig erweist. Taugt es nicht dafür, kann es mir gleichgültig sein, was auch immer mit ihm passiert. Freundschaft ist die Aufhebung dieser patriarchal-kapitalistischen Anonymität, im Positiven wie im Negativen.
Im Negativen, weil Freundschaft als strukturell männerbündisches Prinzip immer schon Teil der gebrochenen Totalität eben dieser patriarchalen Vergesellschaftung ist und ihre Vollendung findet in der Kameradschaft des Schützengrabens: Während der Mann in den Krieg zieht, um Frau und Kind zu schützen und sich so im täglichen Kampf aller gegen alle zu bewähren hat, braucht er die Freundschaft als Ausweich- und Rückzugsort. Sie stellt die andere Seite der Männlichkeit dar, die notwendige Voraussetzung, um den Anforderungen der gesellschaftlichen Totalität an die Einzelnen zu trotzen und diese gleichsam zwar nicht überwinden, dafür aber ertragen zu können.
Im Positiven, weil die solidarisch-kooperative Überwindung der Vereinzelung, die Anerkennung von anderen als Individuum ohne Aberkennung all dessen, was an ihnen nicht in unseren eigenen Ansprüchen und Vorstellungen aufgeht, eine Grundbedingung für jedwedes individual-kooperatives Miteinander ist. Das Gegenüber ernst zu nehmen, ihm auf gleicher Augenhöhe zu begegnen ohne im selben Atemzug alles auf- und gegenzurechnen – wie sollte eine Überwindung der Warenmonade anders praktizierbar sein?
Freundschaft gelangt auf diese Weise zu einem Doppelcharakter, sie hat das Potential zur Aufhebung, steht aber in der ständigen Gefahr, als bloße Abspaltung zu enden. Noch in den reflektiertesten politischen Zusammenhängen schlägt sie von der Befreiung in die Unterdrückung um, sobald die Dialektik den Beteiligten nicht mehr bewusst ist.

Du hast keine Wahl – nutze sie!

In Polen wurde gewählt und das Staatsvolk ist der bisherigen Regierung gefolgt und hat sie bestätigt. Zu diesem Anlassen präsentiert ein Kommentar auf der Homepage der Tagesschau den wahren Charakter moderner Demokratie:

„Die Entscheidung zugunsten von Donald Tusk war die einzig richtige, die polnische Wähler treffen konnten. Wer politisches Chaos, internationale Isolation und Imageverlust des Landes verhindern wollte, hatte im Grunde keine andere Alternative als für die Bürgerplattform zu stimmen. ( … ) Jene, die sich bei diesen Parlamentswahlen eindeutig für Tusk ausgesprochen haben, bescheinigen dem Land demokratische Reife.“

Ich übersetze mal ganz frei: Die WählerInnen hatten keine Wahl, haben sie aber genutzt. Und eben das macht demokratische Reife aus. Für alle, die das noch nicht wussten.

Who made your IPad?

Steve Jobs ist tot. Die Medien trauern und bezeichnen ihn wahlweise als Visionär oder Messias. Fast vergessen scheinen die Berichte über Kinder- und Zwangsarbeit bei der Produktion von Apple-Produkten (1|2). Fast vergessen – immerhin gibt es bei leninology dieses schicke Bild:

Der Anfang des Euro

Obwohl ich früher noch in der Schule gelernt habe, Staaten könnten nicht pleite gehen, scheint auch dieses Novum in greifbare Nähe gerückt. Zumindest wenn es nach Teilen der deutschen Politik geht. Wirtschaftsminister Philipp Rösler beispielsweise, ein bekannter Freigeist bei den Freiliberalen, hat dazu aufgefordert, diesbezügliche „Denkverbote“ aufzugeben. FDP-Generalsekretär Christian Lindner präzisierte das und legte es der griechischen Regierung nahe, „aus der Euro-Zone ausscheiden (zu) müssen oder (zu) wollen.“ (tagesschau)

Das alles kann nun nicht wirklich verwundern, sondern war schon lange Zeit absehbar. So wurde – um ein nicht ganz willkürliches Beispiel herauszugreifen – bereits im November 1996 unter dem Titel „Perspektiven und Konsequenzen der Europäischen Währungsunion“ im Bundestag eine Studie von Ernst Lohoff und Norbert Trenkle vorgestellt, die diese im Auftrag der PDS-Bundestagsgruppe erarbeitet hatten. Bereits hier wurde vorgezeichnet, wie es in einem programmatischen Gliederungspunkt hieß, „wie die Währungsunion die wirtschaftspolitische Spaltung Europas festschreibt.“ (mehr…)

Turboabi

Die taz gibt die Frage der Woche aus: „Schadet das Turbo-Abi den Kindern?“ fragt die Bild tageszeitung und bittet um reaktionen. Hier ist meine:

Bei der Frage, ob das Turbo-Abi den Kindern schadet, soll es sich um die „Frage der Woche“ handeln. Aber wer bitte soll sich darum streiten? SchülerInnen, die sich ihre Jugend freiwillig mit Bulimie-Lernen versauen, sind äußerst rar gesät. Und auch LehrerInnen, die Spaß dabei haben, Kindern Dinge beizubringen, die diese mangels Zeit ohnehin nicht verarbeiten können, haben offensichtlich ihren Job verfehlt.
Für das Turbo-Abi sind in aller Regel nur Leute, die nicht wissen, worum es geht. Es erscheint ihnen als kluger Schachzug, in Zeiten von Globalisierung und Wissensgesellschaft den Nachwuchs ein Jahr früher als bisher in die freie Wildbahn zu entlassen. Auch einige besonders emphatielose Eltern mögen das für einen Konkurrenzvorteil der eigenen Brut halten.
Wer hingegen die Augen aufmacht und sieht, wie sich die SchülerInnen hier schon in frühen Jahren aufreiben, mit Burn-Out und Depressionen schon vor dem Abitur gesegnet werden und für die Vielfalt außerschulischer Bildungsmöglichkeiten, vom Sportverein über den Musikunterricht bis hin zum Engagement in Jugendverbänden keine Zeit mehr haben – der kann nicht ernsthaft behaupten, an dieser Frage gäbe es substantiell etwas zu diskutieren.

Die Zukunft verbrennen

sechs thesen zur krise der warengesellschaft und ihrer energienutzung

1. wachstum ist der warengesellschaft inhärent

ohne wachstum geht nichts im kapitalismus. aus geld soll mehr geld werden. die steigerung des bruttosozialprodukts ist das heilige ziel jedweder wirtschaftspolitik, ganz gleich, ob sie postkeynesianisch oder neoliberal geheißen wird. die durch den vergleich verausgabter arbeitszeiten in gang gesetzte konkurrenz bringt es mit sich, das nur bestehen kann, wer den so hervorgebrachten standards entspricht. die handlungen, die den standard hervorbringen, werden so gleichsam von dem standard beherrscht. in diesem sinne ist der kapitalismus die herrschaft von menschen über menschen und in diesem sinne bringt er eine zwar von den menschen hervorgebrachte, sich ihnen gegenüber jedoch verselbständigende dynamik hervor. diese dynamik hat den gnadenlosen wachstumszwang warenproduzierender ökonomien zur folge. (mehr…)

Lebensmittel? Verschwendung!

Von Zeit zu Zeit kämpfen sich Wahrheiten an die Oberfläche. Das Hunger nicht sein müsste zum Beispiel und das genug Lebensmittel produziert werden, um ihn zu stillen. Darauf wurde hier schon einige Male hingewiesen (1|2). Nun hat es eine Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in die Schlagzeilen geschafft. Die Studie gibt es hier zum Download und hier als Zusammenfassung in englischer Sprache. (mehr…)

Refeudalisierter Berlusconismus

Der Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Karl-Theodor von Guttenberg, hat ausgespielt. Er hat eine Doktorarbeit abgegeben und dabei auf Teufel komm raus gemogelt und betrogen. Nun ist es sicherlich nicht so, das die akademische Realität für gewöhnlich frei wäre von Lug und Betrug. Aber trotz allem kann doch festgehalten werden, dass er die wesentlichen Standards bürgerlicher Wissenschaftsproduktion verletzt hat.

Das ist nun an sich kein Grund zum Klagen. Soll er halt machen. Letztlich, so ließe sich argumentieren, ist die freie Verfügbarkeit von Informationen doch eine Grundbedingung für eine befreite Gesellschaft. Copy & Paste = Communism, gewissermaßen. Interessant ist nun aber, dass die Hüter*Innen der bürgerlichen Werte und des bürgerlichen Eigentums zunächst einmal gar nicht daran interessiert schienen, den Herrn zu Guttenberg für seine ganz offensichtliche Verfehlung ihrer eigenen Minimalstandards zur Rechenschaft zu ziehen. (mehr…)

Besser Treffen

Viele werden es kennen: Egal ob beim Treffen der Politgruppe, beim Meeting der WG oder beim Plenum zur Vorbereitung von Großevents – immer ist es zäh, nervig und stressig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass solche Treffen als Interaktion von vielen Einzelnen eine ziemlich anspruchsvolle Sache sind. Und wir selber lange Jahre davon abgehalten wurden, uns selber um solche Fragestellungen zu kümmern. Das hat unlängst auch die Gruppe 180° in einem längeren Text durchdekliniert, den ihr hier findet.

Etwas grundsätzlicher und differenzierter auf den möglichst stress- und hierarchiefreien Ablauf von Gruppentreffen geht ein Text ein, der seit kurzem über einige Mailinglisten verschickt wird und den ich zur Besseren Verfügbarkeit nun online zur Verfügung stellen möchte: Besser Treffen

Zum Anlesen hier das Geleitwort:

Zum Geleit
Ziel dieses Textes ist es, Anregungen und Hilfestellungen für eine selbstorganisiertere (d.h. effektivere und produktivere) gemeinsame Arbeitsstruktur und -kultur anzubieten.
Über die folgenden Hinweise für die bessere Gestaltung von Treffen hinaus gibt es sicher viele weitere wichtige Empfehlungen, Tipps und Ratschläge. Das Besondere an der hier vorliegenden Zusammenfassung ist, dass sie auf der Basis eines emanzipatorischen Anspruchs geschrieben wurde.
Die hier zusammengetragenen Gedanken und Hinweise sind im Wesentlichen Ergebnis und Zusammenfassung
meiner langjährigen Praxiserfahrung.

Die hier vertretene Basisargumentation für die Verbesserung von Treffen lautet:

1. Die Vielfältigkeiten und Ressourcen aller Mitmachenden sind zu berücksichtigen, zu wertschätzen und zu nutzen.
2. Je höher der Grad der Selbstorganisation eines Arbeitszusammenhanges ist, desto mehr kann er nachhaltige Erfolge realisieren.
3. Weil vertikale Strukturen für die Realisierung des Optimums an nachhaltigen Erfolgen hinderlich sind, sind sie in horizontale zu überführen.
4. Für den Ablauf von Treffen ist zentral, welche Haltung die Teilnehmenden zueinander einnehmen.
5. Methoden erhöhen, wenn sie richtig genutzt werden, die Teilhabemöglichkeiten und erleichtern erfolgreiches Zusammenarbeiten.

Der Schnee ist der Wert

Draußen ist es weiß. Und kalt. Schuld daran sind Minustemperaturen und Schnee. Wenn ich gleich zur arbeit will, wird mein Bus vermutlich wieder verspätet ankommen. Wenn ich in ein paar Tagen verreisen möchte, kann ich mich darauf einstellen, das der Zug irgendwann kommen wird, aber bestimmt nicht dann, wann er kommen sollte. Das wiederum liegt, so nehmen wir zumindest gemeinhin an, ebenfalls an Minustemperaturen und Schnee. Dabei fällt unter den Tisch, das Öffentlicher Personenverkehr kein Naturphänomen, sondern eine gesellschaftliche Einrichtung ist. Und mithin davon abhängig ist, wie die Menschen ihre Gesellschaft eingerichtet haben. (mehr…)

Kritik an der Multitude

In den letzten Tagen und Wochen gab es einige Protest-Events, die zwar von breiten Bündnissen getragen worden sind, aber durchaus auch Kritik hervorgebracht haben. Ob auch EmanzipationUndFrieden diese Verbindungslinie in die Kritik nehmen wird, bleibt derzeit noch abzuwarten.


Sprachmaterialismus

Immer mal wieder wird in Blogdiskussionen (etwa: hier) oder in Polit-Gruppen über Sprache und Geschlecht gestritten. Während die einen finden, das Benennen geschlechtlicher Zuschreibungen sei eine Selbstverständlichkeit emanzipativer Praxis und ihr ausblenden Zeichen finstersten Sexismus (etwa: hier), wird einer solche Position häufig vorgeworfen, sie wolle doch bl0ß netter über die Welt reden, anstatt sie endlich zu verändern (etwa: hier).

Eine etwas umfassendere Auseinandersetzung mit dieser Frage hat nun die Gruppe 180° vorgelegt (nämlich: hier). Das Interessante dabei ist m.E., dass die Argumentation streng materialistisch verfährt, also Sprachpraxis in den Kontext gesellschaftlicher Verhältnisse stellt. Weshalb der Text allen wärmstens ans Herz gelegt sei.

Gremliza zu Sarrazin

Bereits vor einiger Zeit, als Thilo Sarrazin in einem Interview gegenüber der Lettre International zu Protokoll gab, wie er sich moderne Bioethik vorstellt, hat Hermann L. Gremliza, seines Zeichens Herausgeber der Konkret, dessen Ausfälle recht treffend kommentiert:

Nun, nachdem die ganze Republik von nichts anderem spricht als von Sarrazins Rassekunde, hat er nachgelegt:

Das Haus am See

Angeln fand ich ja noch nie sonderlich toll:

„Die Jugend 2010 gibt ein verblüffendes Bild ab. Sie präsentiert sich sehr erwachsen, kontrolliert und vernünftig. Zielstrebig will sie ihren eigenen Weg finden. Dabei stehen Bildung, Karriere und ein hoffentlich gutes Einkommen hoch im Kurs. Eine große Anpassungs-Bereitschaft, persönliche Beweglichkeit und Pflichtbewusstsein werden ebenso als Garanten eines erfolgreichen bzw. abgesicherten Lebens angesehen, wie ein breites Kompetenz-Spektrum. Die Lebensentwürfe der jungen Menschen sind von klaren und vor allem erreichbaren Zielen bestimmt. Dabei scheint in diesen Entwürfen immer eine Biedermeierwelt durch, in der das zentrale Lebensziel darin besteht, ein kleines Haus mit Garten oder eine Eigentumswohnung zu besitzen. Bewohnt mit der eigenen Familien, den (beiden) Kindern und dem Hund. Das Lied von Peter Fox über das „Haus am See“ ist daher eine Hymne an ein beschauliches Leben, in dem man endgültig angekommen ist, sich niedergelassen und sich im Kreise der Familie wohlfühlt. Zuhause will man sich gemütlich einrichten und Geborgenheit erfahren.“(Die Absturz-Panik der Generation Biedermeier; rheingold-Jugendstudie 2010)