Oft ist zu hören, die Studierenden sollten doch – zumindest in der Frage der Studiengebühren – alle an einem Strang ziehen. Sie hätten doch schließlich, so die eingängige Argumentation, alle das selbe Interesse. Ein Streit innerhalb der Studierendenschaft sei also dem gemeinsamen Ziel – der Verhinderung von Studiengebühren – abträglich.

So einleuchtend und banal diese Argumentation auch erscheinen mag, so falsch ist sie leider auch. Schließlich ist es doch relativ klar, das Studierende keine unterschiedslose und einheitliche Masse darstellen, sondern das die Studierendenschaft vielmehr nach innen von diversen Brüchen durchzogen ist. Einmal natürlich ganz materiell. Die einen werden ohnehin durch Papis Anwaltsjob mitfinanziert, können sich Studiengebühren problemlos leisten und freuen sich schon auf die leergewordenen Hörsäle.(solche Ansichten sind tatsächlich schon geäußert worden!) Andere kommen schon jetzt mit dem Jobben kaum hinter den offenen Rechnungen her und stünden bei der Einführung von Studiengebühren schlicht und ergreifend vor dem finanziellen Aus.

Ganz ähnlich wie Studiengebühren eine soziale Auslese mit sich bringen, tun dies auch die Proteste dagegen. Die Einstellung von Studierenden zu Geld und Bildung ist je nach Einkommens- und Bildungshintergrund so unterschiedlich, das es blauäugig wäre zu glauben, das daraus keine verschiedenen Handlungsweisen folgern würden.

Ein anderer Bruch geht entlang der politischen Positionierungen, weil alle etwas anderes finden, alle eine ganz eigene Sicht auf die Welt haben. Da lehnen die einen Studiengebühren ab, weil sie soziale Nachteile für Studierende befürchten. Andere finden gar das Studiengebühren Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung sind, die unsere Rechte und Möglichkeiten alleine dadurch mehr und mehr einschränkt, das sie step by step alles zur Ware macht – die Arbeitskraft, das Wasser, die Gesundheit und jetzt auch die Bildung.

Wieder andere, wie der RCDS-Göttingen, sind gegen Studiengebühren, weil sie eine Elitenselektion anhand vernünftiger Leistungskriterien verhindern würden – sehen also in Studiengebühren ein Hemmniss für das von ihnen angestrebte elitäre Weltbild. Wieder andere, wie die Liberale Hochschulgruppe oder der RCDS-Bundesverband, sind gleich ganz für Studiengebühren.

Die Interessen in der auf uns zukommenden Auseinandersetzung sind also durchaus verschieden. Von Einigkeit keine Spur. Da hilft es auch nichts, sie verzweifelt herbeizureden wie einst die klassenkampfbewegten Kommunisten die Einheit der Proletarier (vergeblich) herbeizureden versuchten. Letztlich entscheidet nicht unsere Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppierung, sondern unsere Positionierung in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, auf welcher Seite wir stehen. Und wahrscheinlich geht die Trennlinie ohnehin mitten durch uns durch.