Eine Polemik

Wenn die Welt mal bei den Deutschen vorbeischaut, dann zeigen die sich von ihrer besten Seite. Oder von dem, was sie dafür halten. Und die ganz dolle Deutschen, die neben ihrem Personalausweis auch noch die Mitgliedschaft in der einen oder anderen „freien Kameradschaft“, oder wenigstens der NPD vorweisen können, die haben sich was ganz Besonderes ausgedacht. Da der iranische Präsident angekündigt hatte, in Frankfurt bei einem Iran-Spiel vorbeizuschauen, wollten sie nicht abseits stehen. Nicht um gegen eine angebliche islamische Überfremdung zu demonstrieren, sondern um ihre Verbundenheit mit dem Iran auszudrücken.

„In der Stadt der Börse und der Banken, dem Jerusalem am Main, wollen wir demonstrieren, dass uns wahrheitsliebende und völkische Iraner zu Gast willkommen sind, wir aber die Masseneinwanderung und die Zersetzung des deutschen Volkes verachten.“ heißt es in dem zugehörigen Aufruf. Der wahrheitsliebende Iraner nämlich, von dem die NPD hier schwärmt, der will nicht nur in alter, fast schon deutscher Manier gegen Israel vorgehen, der leugnet zu allem Überfluss noch das vergangene Vorgehen eben der Deutschen, bei denen die Welt heute mal wieder zu Gast ist. Holocaust? Gab ’s nie. Meint der iranische Staatspräsident. Da ist er der NPD doch glatt willkommen.

Aber auch sonst sind die KameradInnen nicht untätig. Vor allem in einigen ostdeutschen Bundesländern – aber nicht nur da – haben sie einen Vorgeschmack auf das gegeben, was wir uns unter „deutscher Kultur“ vorzustellen haben. Da sind nämlich ganze Landstriche von dem befreit, was nicht zur vermeintlichen Nation gehört. „National befreite Zone“ heißt das dann in der Szene. Das gefällt dann auch den übrigen Deutschen, die da wohnen, zumindest sagen die da nichts gegen. Und auch die politische Elite scheint ’s nicht zu stören – zumindest solange, bis zivilgesellschaftliche Initiativen diese zu „no-go-areas“ erklären und sagen, was schon vorher alle hätten wissen können: dass es da manchmal schon auch etwas gefährlich für alle die werden könnte, die mal als Gast bei Freunden vorbeischauen möchten.