Magersucht

BRISANT, 21.07.2005, 17:15 Uhr

Mehr als 100.000 Menschen leiden in Deutschland an Magersucht. Allein in der Klinik Roseneck im bayrischen Prien werden pro Jahr über 1.000 Patienten mit Essstörungen behandelt. Jeder zehnte Patient ist ein Mann. Auch wenn Essstörungen schon längst kein Frauen-Phänomen mehr sind – die Scham, magersüchtig zu sein, treibt besonders männliche Betroffene in die Isolation.

Die Ursachen sind vielfältig
Über kaum eine andere psychische Störung wurde in letzten Jahren häufiger gesprochen als über die Anorexie – zu deutsch Magersucht. Viele Models und Schauspielerinnen stehen im Verdacht magersüchtig zu sein. Doch auch „ganz normale“ Menschen sind von der Krankheit betroffen, versuchen ihren Körper Kilo für Kilo herunterzuhungern. Die Ursachen der Magersucht sind sehr vielfältig. Viele Betroffene streben ungewöhnlich stark nach Perfektion und setzen sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Sie genießen es, ihren Körper zu kontrollieren, und sehen in der Gewichtsabnahme eine Bestätigung ihrer Leistungen.

Diätenwahn: Die Betroffenen werden immer jünger
Eine Studie des Münchener Max-Planck-Instituts hat ergeben, dass die Hälfte aller 10-jährigen Mädchen schon einmal Diät gehalten hat. Bei den Jungen ist es mehr als ein Drittel. Ärzte warnen: Wer so jung mit Diäten beginnt, gerät unter Umständen in einen Kreislauf, der in einer Essstörung enden kann.

Magersucht und Bulimie gehören in der westlichen Welt zu den häufigsten psychischen Störungen junger Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, die sogar lebensgefährlich enden können. Selten sterben die Patientinnen direkt an Nahrungsmangel, viel häufiger stürzen sie in tiefe Depressionen und massive Angststörungen.

Risikofaktor Schönheitsideal
Schlanksein wird in unserer Gesellschaft gleichgesetzt mit Leistung, Gesundheit, Tüchtigkeit – teilweise sogar mit Intelligenz in Verbindung gebracht. Und so eifern vor allem junge Mädchen ihren mageren Idolen nach: langbeinig, schmale Hüften, flacher Bauch, spitzes Gesicht. Problematisch dabei ist, dass sich ihr eigener Körper in der Pubertät ganz anders entwickelt: Fett wird eingelagert, Po und Hüften runden sich. Wenn dann auch noch Klassenkameraden anfangen zu sticheln, geraten die Kinder schnell in einen inneren Konflikt. Der verhängnisvolle Schlankheits-Wettbewerb beginnt.