Frankfurt a.M. – Im zweiten Quartal 2006 verbuchten die Unternehmen Gewinne in der Gesamthöhe von 159 Milliarden Euro, berichtet ein Experte des Statistischen Bundesamtes ergänzend zu den jetzt veröffentlichten Detailzahlen zum Wirtschaftswachstum. Dies sei eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um neun Milliarden.

Erstmals seit 2004 nahmen die Arbeitnehmerentgelte (Löhne, Gehälter und Sozialbeiträge der Arbeitgeber) im Frühjahr leicht zu (plus 0,5 Prozent). Nur unwesentlich stärker wuchsen diesmal die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (0,9 Prozent), die neben den Gewinnen auch Entnahmen von Gesellschaftern, Dividenden sowie Zinsen enthalten. Bei dieser überraschend moderaten Steigerung muss man berücksichtigen, dass im ersten Quartal noch ein Zuwachs von mehr als ein Zehntel verzeichnet wurde. Da dieser Posten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als verbleibende Restgröße nach Abzug der anderen Faktoren berechnet wird, dürfte es sich hier um eine statistische Verschiebung zwischen den beiden Quartalen handeln.

Wie die Wiesbadener Statistiker schon vorab mitgeteilt hatten, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,9 Prozent höher als in den Wintermonaten. Einen solchen Anstieg gab es zuletzt vor fünf Jahren. Vor allem die Investitionen trugen zur wirtschaftlichen Belebung bei. Dagegen konsumierten sowohl die privaten Haushalte als auch der Staat weniger als zu Beginn des Jahres.

Die Dynamik des Außenhandels schwächte sich etwas ab: Exporte und Importe kletterten nur geringfügig. Auf der Entstehungsseite des BIP trugen alle Wirtschaftszweige mit Ausnahme der Landwirtschaft und der Dienstleister positiv zur ökonomischen Entwicklung im Vorjahresvergleich bei. Den größten Anstieg der Bruttowertschöpfung gab es mit 2,1 Prozent in den Sparten Handel, Gastgewerbe und Verkehr, was auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft zurückzuführen sei. Auch das Baugewerbe verzeichnete nach jahrelangem Schrumpfprozess bereits das zweite Quartal in Folge ein Plus. Insgesamt kamen die Wachstumsimpulse jetzt hauptsächlich aus dem Inland.

Geschäftsaussichten etwas trüber

Der unerwartet schwache Rückgang des Ifo-Index im August hat die Hoffnung genährt, dass die deutsche Wirtschaft auch in den nächsten Monaten kräftig wachsen wird. „Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin in guter konjunktureller Verfassung“, sagte Ifo-Vorstand Gebhard Flaig. Das Konjunkturbarometer sank nur auf 105,0 von 105,6 Punkten. Dem Ifo zufolge resultierte die Abkühlung allein aus einer pessimistischeren Bewertung der Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate. Ihre Lage beurteilten die rund 7000 befragten Unternehmen unverändert wie im Vormonat.

In der Industrie sank der Ifo-Index nicht merklich. Im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich das Klima, im Einzelhandel verbesserte es sich leicht.

Insgesamt verharrte der Lageindex bei 108,6 Punkten, der Teilindex für die Geschäftserwartungen fiel auf 101,5 von 102,6 Zählern. Roland Bunzenthal